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Mittelalterliches Paradeisspiel von Steirisch Laßnitz#

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Paradeisspiel
Paradeisspiel von Steirisch Laßnitz
© Willi Senft

Nur in Steirisch Laßnitz Steirisch Laßnitz, Steiermark , diesem besonders entlegenen Ort im Bezirk Murau, wird noch die Tradition des echten Volksschauspiels hochgehalten. Zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde es vor allem auch im Kindberger Raum noch gespielt, wo Peter Rosegger es kennenlernte. Leider ist es aus diesem Gebiet heute völlig verschwunden.

Das Stück wurde an mehreren Sonntagen im Jahr in großen Bauernstuben ohne Massenbeteiligung einfach zur eigenen Erbauung aufgeführt; wegen des großen Interesses ist man heute in Steirisch Laßnitz auf eine Bühne ausgewichen.

Das Stück hat überhaupt nichts mit Bauernbühne und Bauernschwank zu tun, sondern ist nach Peter Rosegger „zum kleineren Teil Ergötzung, zum größten Teil aber Gottesdienst" - und das ist wohl auch heute noch gültig. Man weiß nicht, wer das Paradeisspiel gedichtet hat, aber es ist ein großer Wurf, und manche Passagen lassen eine Ähnlichkeit mit Goethes „Faust" erkennen.

Die Laiendarsteller identifizieren sich völlig mit ihren Rollen und können diese auswendig wie ein Gebet. - Und wieder darf P. Rosegger zitiert „Paradeisspiel" von Steirisch Laßnitz werden: „Dieses Stück darf nicht gespielt werden, weder schlecht noch gut, es muß gebetet werden!"

Das Spiel ist getragen von kindlicher Phantasie, von Himmel und Hölle. Mit wenigen Strichen gezogen, ist es voll grotesker Kraft. Die dramatische Darstellung des Kampfes zwischen dem Guten und dem Bösen um die Menschenseele, war unseren Vorfahren ein erbauliches Spektakel.

Zeitweise waren die Paradeisspiele in den vorigen Jahrhunderten sogar verboten, weil es gelegentlich durch die begeisterte bäuerliche Komödiantenseele einige ausufernde Allotrias gegeben haben soll. Aber im wesentlichen hatte die Kirche nichts dagegen.

„Ein Knabe hält ein Fichtenbäumchen, auf dem Äpfel wachsen - so wird das Stück mit der Darstellung des Paradieses begonnen. Sodann treten Gottvater und Gottsohn sowie die Engel der Verkündigung, der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit auf. Gottvater erschafft den Adam und bald darauf die Eva; sie sind bestimmt für die ewige Seligkeit, nur dürfen sie nicht vom Apfelbaum essen. Nun sind schon die Teufel da. Einer verwandelt sich in die Schlange, verführt die Eva zum Apfelbiß, und diese verführt den Adam. Gottvater ruft Adam und Eva vor sein Gericht.

Der Engel der Gerechtigkeit wiegt Wille und Tat und verlangt für die Sünder ewige Strafe. Die Barmherzigkeit bittet um Milde und schlägt vor, daß von der Dreifaltigkeit einer Mensch werde und die Sünde büße. Gottsohn erklärt sich zum größten Mißfallen der Teufel dazu bereit.

Er entkleidet sich der himmlischen Würden, legt die Himmelskrone ab. Die Teufel wüten ob ihres verlorenen Spiels. Zum Schluß kommt nochmals Adam, hundertdreißig Jahre alt, er macht sein Testament und wandelt verloren im Totentanz. Das Stündlein ist da. Die Himmlischen singen das Schlußlied und loben Gott im höchsten Thron.

Quellen#

  • Text und Bild aus: Steirischen Geheimnissen und Kuriositäten auf der Spur, Hilde und Willi Senft, MEDIA Marketing G.m.b.H. 2000


Redaktion: Hilde und Willi Senft