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Petersplatz#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Die Peterskirche zählt zu den ältesten Wiens. Sie übernahm Funktionen von der Ruprechtskirche und entstand wohl um die Mitte des 11. Jahrhunderts als der Friedhof von St. Ruprecht nicht mehr ausreichte. Im Pestjahr 1679 gelobte Kaiser Leopold I. (1640-1705) anstelle der hinfällig gewordenen mittelalterlichen Kirche mit ihrem charakteristischen Fassadenturm eine neue errichten zu lassen. 1733 wurde der elegante barocke Kuppelbau, nach Plänen von Gabriel Montani und Johann Lukas von Hildebrandt, geweiht, 50 Jahre später die Reste des Friedhofs aufgelassen. Wenn auch nicht mehr in Verwendung, blieb doch der Name des Gottesackers als Ortsangabe bestehen. So erklärt sich, dass „am Petersfriedhof“ Markt gehalten wurde.

1803 bestanden „Am Petter“ 55 Stände, 13 wurden von bürgerlichen Fleischselchern betrieben, 11 von bürgerlichen Schuhmachern, 10 von Öbstlern und Dürröbstlern. Dazu gab es fünf bürgerliche Sauerkräutler und den Kipfelstand der Innung. Auch Artikel wie Bürsten und Kämme, Fächer, Knöpfe, Metallwaren und Haarbeutel, fand man im Biedermeier hier. Kleine, schwarze Haarbeutel, die Männer über ihr langes Haar trugen, waren zwischen 1725-85 in Frankreich en vogue und damals eigentlich schon unmodern. 1844 verschwanden anlässlich einer Renovierung die vielen an die Kirche angebauten Buden.

Ein Töpfermarkt auf dem Petersplatz fand um 1700 beim „Eisgrübel“ (Nr. 11) statt. Dieses wurde bereits 1453 erwähnt und 1559 „Unter den Eisnern“ genannt. Es war das Depot für das Eis, das die Fleischbänke am nahen Graben zur Kühlung brauchten. Mit der Einführung der öffentlichen Straßenbeleuchtung (1688) hatten die dazu benötigten Ölerer ihren Sitz in diesem Haus. Auch die Rumorwache bekam hier nach dem Neubau der Kirche ihren Sitz, nachdem die an die alte Kirche angebaute Wachstube mit dieser verschwunden war.

Petersplatz 6 steht der bereits 1310 nachweisbare Pfarrhof. Er wurde 1697/98 nach einem Entwurf von Gabriele Montani erbaut und später mit einer Barockfassade versehen. An der Fassade befindet sich eine Steinfigur des hl. Petrus aus dem Jahr 1698. Petersplatz 7/Tuchlauben 4 war im "Hubhaus" ab 1801 die Registratur des Hofkriegsrats, dann die Polizei-Oberdirektion untergebracht. Petersplatz 9 war das Haus "Zu den vier Jahreszeiten" ein bekanntes Vergnügungslokal des Biedermeier und später Hotel (Wandl). Das Wohnhaus "Zum Bauerndantz" (Nr. 10) stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde um 1730 von Anton Ospel umgebaut.

Quelle#

  • Helga Maria Wolf. Die Märkte Alt-Wiens. Geschichte & Geschichten. Wien 2006
  • Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien


Redaktion: hmw