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Der gotische Pilgerbrunnen von St. Wolfgang#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Der Wolfgangbrunnen mit seinem heilsamen Wasser ist aus Glockenmetall gegossen., © Willi Senft
Der Wolfgangbrunnen mit seinem heilsamen Wasser ist aus Glockenmetall gegossen.
© Willi Senft

Das Lebzelterhaus mit seinen barocken Fresken geht auf das 16. Jahrhundert zurück., © Willi Senft
Das Lebzelterhaus mit seinen barocken Fresken geht auf das 16. Jahrhundert zurück.
© Willi Senft

Am Vorplatz der berühmten Pfarrkirche von St. Wolfgang Sankt Wolfgang, Oberösterreich , die den prachtvollen Altar von Michael Pacher (vollendet 1481) birgt, steht der kulturhistorisch besonders wertvolle gotische Wallfahrerbrunnen. Er ist nicht viel jünger als das Meisterwerk in der Kirche, denn schon 1515 schufen ihr die beiden Meister Rännacher und Mülich aus Passau im Auftrag des Mondseer Abtes Wolfgang Haberl. Dieser ließ den Brunnen zur Versorgung des Pfarrhofes und der unzähligen Pilgerscharen errichten, die schon seit dem 13. Jahrhundert in immer größerer Zahl zum hl. Wolfgang wallfahrten.

Die beiden Meister gossen den Brunnen aus Glockenmetall. Das in der Barockzeit darüber angelegte Brunnenhäuschen, ein kleiner, von vier Säulen getragener Flachkuppelbau, birgt den eigentlichen Brunnen, den näher zu betrachten sich unbedingt lohnt: Aus der Brunnenschale steigt ein Pfeiler mit der Statue des hl. Woügang auf. Auf dem obersten Absatz des Sockels kämpft ein fischschwänziges Meeresungeheuer gegen einen zottigen Krieger, zwei musizierende Faune nähern sich einer schlafenden Nymphe. Weiter unten finden sich vier nackte Männer, welche die üblen Folgen übermäßigen Weingenusses zeigen. Der Überbau des Brunnens ist eines der ersten Renaissance-Bauwerke in Österreich. Als das Brunnenwasser gar in den Ruf das geriet, Wunder zu bewirken, konnte sich der Ort des Ansturms der Pilger kaum erwehren. Um das Jahr 1500 gehörte St. Wolfgang nach Rom und Einsiedeln zu den bedeutendsten Wallfahrtsorten Europas. Die frommen Scharen trugen Bußkreuze, schleppten schwere Steine mit sich und quälten sich mit eisernen Reifen um den Hals.

Auch nach St. Gilgen grüßt der Schafberg hinunter., © Willi Senft
Auch nach St. Gilgen grüßt der Schafberg hinunter.
© Willi Senft

Blick von St. Gilgen über den Wolfgangsee., © Willi Senft
Blick von St. Gilgen über den Wolfgangsee.
© Willi Senft

Das heilsame Wasser des Brunnens trugen sie aber in "Wolfgangiflascherln" nach Hause, und als Amulett erwarben sie kleine Nachbildungen des "Wolfgangihackls", jenes legendären Beiles, das der Heilige vom Falkenstein dorthin geschleudert hatte, wo später eine Kirche errichtet wurde.

Die Pilgerzahlen gingen gewiß in die Tausende, zählte doch allein die "Wolfgangsbruderschaft" an die zwanzigtausend Mitglieder. Sie hatten die Pflicht, den Heiligen täglich anzurufen und dabei auch um die Ausrottung der Ketzerei zu bitten.

In den Zeiten der Gegenreformation, der Pest und der Aufklärung gingen die Besuche der Wallfahrer stark zurück, dafür strömen heute die Touristen zum Platz um den Pilgerbrunnen.

Gleich ihm gegenüber ist eines der schönsten alten Häuser von St, Wolfgang, das Lebzelterhaus mit seinem barocken Freskenschmuck, zu bewundern. Seit dem Jahre 1520 wird hier das Gewerbe des Lebzeltens, Wachsziehens und der Met-Erzeugung ausgeübt.

Quellen#

  • Hilde und Willi Senft: Geheimnisvolles Salzkammergut. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002; 2. Auflage 2003.


Redaktion: Hilde und Willi Senft