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Puppentheater#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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'Märchen an Fäden'
"Märchen an Fäden": Das Gespenst von Canterville
© Helga Maria Wolf

Auf einer Miniaturbühne agieren bewegliche oder starre, zwei- oder dreidimensionale Figuren. Handpuppen sind die einfachsten der plastischen Typen. Stabpuppen werden unter der Bühne von einem oder mehreren Spielern mit Stöcken bewegt, Marionetten über Drähte von oben gesteuert. Aus dem 15. Jahrhundert sind deutschsprachige Puppenspiele bekannt. Seit dem 16. Jahrhundert finden sich bekannte Figuren der Commedia dell' Arte auf der Puppenbühne. Doch auch klassische Stücke wurden mit Marionetten gespielt. Es entwickelten sich nationale Charakterpuppen, wie Pulcinella (Italien), Punch and Judy (England), Guignol (Frankreich), Karagöz (Türkei), Petruschka (Russland), Hans Wurst und Kasperl. Im 16. Jahrhundert entstanden in England die ersten festen Puppenbühnen. Sie waren es, die später das Puppenspiel für satirische Stoffe einsetzten.

1777 spielte im Schloss Schönbrunn das Marionettentheater „Alceste“, eine Parodie auf die gleichnamige Oper von Christoph Willibald Gluck. Anlässlich hohen Besuches gastierten die Marionettenspieler des Fürsten Esterházy und „es wurden deswegen zu Schönbrunn ein Theater erbaut und die Marionetten und Decorationen nach Wien geführt“. Nach großzügiger Renovierung etablierte sich 1994 im Hofratstrakt das privat geführte Marionettentheater Schloss Schönbrunn, das ganzjährig Vorstellungen gibt und auch Spieler ausbildet.

Um die Jahrhundertwende zählte das Puppenspiel in Österreich prominente künstlerische Mitarbeiter, wie Gustav Klimt (1862-1918). In der Zwischenkriegszeit war der "Figurenspiegel" von Richard Teschner (1879-1948) in Wien-Gersthof berühmt. Die Marionettenbühne befindet sich im Österreichischen Theatermuseum. 1913 eröffnete der akademische Bildhauer Prof. Anton Aicher das Salzburger Marionettentheater.

Das Urania-Puppentheater feierte im Jahr 2009 sein 60-Jahr-Jubiläum. Zunächst fanden die Aufführungen der Lehrer Hans und Marianne Kraus im privaten Kreis statt. Dann spielten sie in einem Gasthaus und im Gänsehäufel. Seit 1950 traten die Figuren Kasperl und Pezi mit ihren Freunden Strolchi, Hopsi und Dagobert und dem Gegenspieler Tintifax in der Wiener Urania auf und waren später auch im Fernsehen zu bewundern.

In dritter Generation spielt das Marionettentheater "Märchen an Fäden", gegründet vom Großvater des Germanisten und Romanisten Mag. Leo Grausam, Geschichten von der Antike bis heute, Märchen, Sagen und Klassiker der Weltliteratur. Der Prinzipal Leopold F. Grausam (1946 - 2010) war nicht nur als Schau- und Puppenspieler, Maler und Graphiker, sondern vor allem als Bildhauer bekannt. Als künstlerischer Leiter der Städtischen Steinmetzwerkstätteschuf er zahlreiche Denkmäler und Mahnmale für die Opfer des Faschismus.

In Karnabrunn in Niederösterreich betreiben der Instrumentenbauer Mag. Peter Kukelka und Helene Kukelka die Puppenbühne Ultima Ratio. Sie pflegt den Spielstil des volkstümlichen Wiener Marionettentheaters mit eigenen Stücken, wobei die traditionellen Charaktere (Kasperl, Pimperl usw.) beibehalten werden. Peter Kukelka spielt und spricht alle Rollen. Die großen Marionetten bewegen sich auf einer 4 m breiten und 3 m hohen Bühne. Da die Ausstattung vom letzten Wiener Marionettentheater (Walcher, Wien 14) übernommen wurde, stellt sich Ultima Ratio die Aufgabe, ein "eigentlich schon nicht mehr existierendes Genre zu beleben".

Quellen#

  • Information zur Ausstellung "Kleine Theater ganz groß" im Haus Wien Energie, November 2006
  • Der Figurenspiegel Richard Teschner. Wien 1991
  • Schönbrunn
  • Märchen an Fäden

Redaktion: hmw