Rauhekopfhütte - Austria-Forum : Heimatlexikon
Rauhekopfhütte#
Ötztaler Alpen

"Heimatlexikon - Unser Österreich"
2.731 m
Erbaut 1888
Schon 1873 (!) errichtete die DAV-Sektion Frankfurt a. M. auf Vorschlag von Kurat Franz Senn als ersten alpinen Stützpunkt einer deutschen Sektion in den österreichischen Alpen die Gepatschhütte im hintersten Kaunertal in den Ötztaler Alpen. Gedacht war die Hütte hauptsächlich als wichtiger Ausgangspunkt zur Besteigung der Gipfel dieses bergsteigerisch bedeutenden Gebietes, wie z. B. Weißseespitze, 3.526 m, Weißkugel, 3.729 m, Fluchtkogel, 3.500 m, u. a. m. Doch bald schon mußte die Sektion einsehen, daß die Hütte mit ihrer Höhenlage von knapp 2.000 m für diese Unternehmungen etwas zu tief lag, so daß sie 1886 den Entschluß faßte, in einer höheren Lage eine neue Unterkunft zu bauen. Ihr damaliger Präsident und unermüdlicher Erschließer dieser Gebirgsgruppe, Dr. Petersen, fand schließlich unterhalb des „Rauhen Kopfes" einen Platz, von dem er meinte, daß dieser für einen Hüttenbau gut geeignet wäre; im Jahre 1888 wurde dann hier die neue Hütte errichtet.
Natürlich waren von ihr aus die begehrten Gipfelziele leichter erreichbar, aber die Ausgesetztheit des einfachen Baues, ungünstige Witterung, fehlendes Wasser und Heizmaterial machten eine regelmäßige Bewirtschaftung beinahe unmöglich. So wurde die Hütte bald wieder zu einem wahren Sorgenkind der Sektion; es fehlte nicht viel, und sie wäre aufgegeben worden, hätte es da nicht einen Hüttenwart gegeben, der die Hütte in seine besondere Obsorge nahm.
Matthias Biedinger, besagter Hüttenwart, mobilisierte mit viel zielstrebigem Elan finanzielle und manuelle Hilfeleistungen von der Sektion und der Talgemeinde. Aufenthaltsraum, Küche und Lager wurden renoviert, ein Toilettenhäuschen angebaut, eine Wasserversorgung realisiert, die Hütte wurde neu vertäfelt und eingedeckt. Und als dann alles soweit fertig war, hütete der nicht mehr ganz junge Mann als besorgter Hütten- und Herbergsvater im Sommer sein kleines bescheidenes Reich allein auf einsamem Posten - als wahrer Berg- und Menschenfreund!
Vom Talort Reichten im Kaunertal mußte man früher an die 6-7 Stunden hinaufgehen. Heute ist das alles viel leichter, vom Parkplatz des Gepatschhauses, an der großartigen Alpenstraße hinaus zum Kaunertaler Sommerschigebiet (mit eigenem PKW oder Autobus bis zur höchstgelegenen Postautobushaltestelle Österreichs, 2.750 m, befahrbar!), erreicht man die Hütte in ca. 2 Std.
Bewirtschaftungszeiten: Anfang Juli bis Mitte September (einfache Bewirtschaftung)
Talort: Feichten im Kaunertal/Tir.
Ausgangspunkt: Gepatschhaus (3 Std.)
Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung des Stocker Verlags aus dem schönen Buch:
Imo Eberhard Irsay: Servus alte Hütt'n. Bekannte Schutzhütten einst und jetzt. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002.
Bestellung des Buches (Leopold Stocker Verlag)


