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Einsturz der Reichsbrücke#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Einsturz Reichsbrücke 1976
Die eingestürzte Reichsbrücke. Im Hintergrund der Donauturm. Photographie. 1. 8. 1976
© IMAGNO/Barbara Pflaum

Am 1. August 1976 stürzte um 4:43 Uhr die Reichsbrücke Reichsbrücke, Wien mit ohrenbetäubendem Krachen ein. 8.965 Tonnen Stahl donnern im Morgengrauen in die Donau, mit ihnen ein Pkw, dessen Fahrer nur mehr tot geborgen werden konnte. Ein Autobus der Verkehrsbetriebe blieb, von den Fluten umspült, auf der abgesackten Fahrbahn stehen. Der erstaunte Lenker kam mit dem Schrecken davon.

Die Ursache wurde bald geklärt: schlechter Beton in einem der Brückenpfeiler. Postwendend wurde der öffentliche Vorwurf der mangelhaften Kontrolle der Wiener Brücken erhoben. Der zuständige Stadtrat für Bauwesen, Fritz Hofmann, trat am 6. August zurück; das Rücktrittsangebot von Bürgermeister Gratz wurde von der SPÖ abgelehnt.

Genau hundert Jahre vorher war die "Kronprinz-Rudolf-Brücke" eröffnet worden. Im Volksmund als "Selbstmörderbrücke" beezeichnet, wurde sie nach dem Zusammenbruch der Monarchie in "Reichsbrücke" umbenannt und 1937 durch die Kettenbrücke des Architektenteams Theiß und Jaksch ersetzt.

Sie war die einzige Donaubrücke zwischen Linz und Wien, die den Zweiten Weltkrieg überlebt hatte; um ihre Rettung vor der Zerstörung im April 1945 ranken sich unzählige Legenden. Über sie zog die russische 6. Garde-Panzerarmee in Wien ein. Einige Jahre hieß sie daher "Brücke der Roten Armee", allerdings nur solange die Befreier als Besatzer in der Stadt blieben; dann erhielt sie wieder ihren alten Namen "Reichsbrücke" zurück.

Dritte Reichsbrücke
Die Reichsbrücke in Wien bei Nacht. Photographie. Um 1990
© IMAGNO/Gerhard Trumler

Bei den Aufräumarbeiten waren 180 Arbeiter bis in den Jänner 1977 beschäftigt. Neben der aufwändigen Bergung der Brückenpfeiler am Ufer stellte sich vor allem auch die Bergung des Mittelteils, der komplett ins Wasser gefallen war, als äußerst schwierig dar.

Am 8. November 1980 konnte die nun dritte Reichsbrücke eröffnet werden. Die Spannbetonbrücke ist zweigeschoßig. Auf dem Oberdeck fährt auf sechst Fahrstreifen der Straßenverkehr, im Unterdeck die U-Bahn-Linie U1. Im Unterdeck befinden sich auch Fahrrad- und Fußwege.

Quellen#

  • C. Brandstätter, G. Treffer, et al.: Stadtchronik Wien, 1986


Redaktion: S. Erkinger-Kovanda