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Heimatlexikon - Unser Österreich

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Saliera#

(Cellini-Salzfass)#

Die Saliera ist die einzige erhaltene Goldschmiedearbeit des Florentiner Bildhauers, Medailleurs und Goldschmieds Benvenuto Cellini (1500-1571).

Das Salzfass (italienisch "saliera") aus Gold, teilweise emailliert, auf einem Sockel aus Ebenholz, ist wohl eines der vollkommensten Meisterwerke der Goldschmiedekunst der Renaissance.

Das Auftragswerk für König Franz I. von Frankreich entstand in der Zeit zwischen 1540 und 1543, während sich der Goldschmied in Paris aufhielt; bis 1570 blieb das Salzfass im Besitz der französischen Könige.

In diesem Jahr vermählte sich König Karl IX. von Frankreich mit Erzherzogin Elisabeth, einer Tochter des Habsburger Kaisers Maximilian II. Bei der Trauung in Speyer übernahm der Onkel der Braut, Erzherzog Ferdinand II. von Tirol, die Stelle des Bräutigams und erhielt als Dank dafür kostbare Geschenke, u.a. auch die Saliera. Das Salzfass wurde Teil der Kunstsammlung von Schloss Ambras und wurde im Zuge der Auflösung dieser Sammlung im 19. Jahrhundert in das Kunsthistorische Museum in Wien überführt, wo es in der permanenten Ausstellung in der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien aufbewahrt wird.

Benvenuto Cellini (1500 - 1571), Stich, © Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU
Benvenuto Cellini (1500 - 1571), Stich
© Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU

Cellinis Meisterwerk zeigt eine allegorische Darstellung des Planeten Erde: es sind in der Gestalt von Tellus und Neptun die Erde und das Meer dargestellt, und in diesen göttlichen Gestalten zugleich auch der Mensch. Dann die Tiere, die Früchte und die Blumen der Erde und die Lebewesen der Meere, sodann die vier Haupt-Winde, die die räumlichen Dimensionen des Erdkreises andeuten, die vier Tageszeiten und die Embleme menschlicher Tätigkeiten. Der Künstler hat in seiner selbst verfassten Biographie, die später von Johann Wolfgang von Goethe übersetzt und bearbeitet wurde, das Werk folgendermaßen beschrieben:

"...um zu zeigen, wie das Meer sich mit der Erde verbindet, machte ich zwei Figuren, einen guten Palm groß, die mit verschränkten Füßen gegeneinander saßen, so wie man die Arme des Meeres in die Erde hineinlaufen sieht. Das Meer, als Mann gebildet, hielt ein reich gearbeitetes Schiff, welches Salz genug fassen konnte, darunter hatte ich vier Seepferde angebracht und der Figur in die rechte Hand den Dreizack gegeben; die Erde hatte ich weiblich gebildet, von so schöner Gestalt und so anmutig, als ich nur wusste und konnte. Ich hatte neben sie einen reichen, verzierten Tempel auf den Boden gestellt, der den Pfeffer enthalten sollte…. Auf derselben Seite waren die schönsten Tiere vorgestellt, welche die Erde hervorbringt..."

Cellini-Salzfaß, 1540 - 43, © Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU
Cellini-Salzfaß, 1540 - 43
© Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU


Besondere Schlagzeilen machte die Saliera (Versicherungswert ca. 50 Millionen Euro ) am 11. Mai 2003, als sie aus dem Kunsthistorischen Museum gestohlen wurde. Im Jänner 2006 wurde das Kunstwerk in einem Wald im Bezirk Zwettl aufgefunden, nachdem der Täter selbst den Aufbewahrungsort bekannt gegeben hatte.

Sachverständige stellten Beschädigungen fest, vor allem Kratzer an der Oberfläche der goldenen Figuren, die auf Glassplitter der bei der Tat eingeschlagenen Vitrine und die nicht fachgerechte Lagerung zurückzuführen waren. An mehreren Stellen waren auch Teile der Emailverzierungen abgesplittert. (Dafür hat die Computertomografie eindeutig bewiesen, dass das Salzfass von Cellini tatsächlich in einem Stück aus Goldblech getrieben worden war, mitsamt den filigranen Fingern und Zehen!)

Nach einer dreiwöchigen Restaurierungsphase wurde die Saliera wieder im Kunsthistorischen Museum Wien ausgestellt, obwohl die Kratzer nicht mehr vollständig beseitigt werden konnten.

Neu ist die Vitrine aus Glas und Metall (bei der alten war Glas mit Holz verklebt, und in diesem Klebstoff war Formaldehyd und Essigsäure entdeckt worden – Gift für den kostbaren Inhalt)

Literatur#

  • A. Prater, Cellinis Salzfaß für Franz I., 1988

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl