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Roßtäuscher#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Ungarische Pferdehändler am Pferdemarkt am boulevard de l’Hôpital in Paris. Um 1900. Photographie von Paul Géniaux

Roßtäuscher betrieben ursprünglich den Tauschhandel, später das Geldgeschäft mit Pferden; nach Grimm galten sie »als Betrüger« und erschienen meist »in schlechter Gesellschaft«, was ihnen den Spottnamen »Roßtäuscher« eintrug. Die geheimen Künste der Rosstäuscher lautet der Titel eines Buches von 1822, das die »Enthüllten Geheimnisse aller Handelsvortheile und Pferde-Verschönerungskünste der Pferdehändler« offenlegte. Es wurde von einem bekannten Pferdehändler in Deutschland, einem gewissen Abraham Mortgens aus Dessau, verfaßt. Sie färbten Pferden die Mähne oder das Fell, um das Alter zu kaschieren; sie beschnitten ihnen das Haar an Ohren und Schweif, um sie jünger wirken zu lassen; und sie rieben ihnen Pfeffer in den After, um Temperament vorzutäuschen (»der Pfeffer ist der wahre Geist des Pferdehandels«). Um ihnen ein runderes und blankeres Aussehen zu verleihen, gaben Pferdehändler ihren Tieren wochenlang Gaben von ein bis zwei Dezigramm arseniger Säure.

Der betrügerische Pferdehändler hinterließ auch in der Literatur seine Spuren: Zum Beispiel schrieben Annette von Droste-Hülshoff und Emil Scholl Romane mit dem Titel Der Roßtäuscher; Astrid Lindgren berichtete in ihrem Jugendbuch Pontus und der Schwertschlucker über das gängige Mittel, alte Mähren mit Arsen aufzuputschen; und er taucht in Sagen und Märchen auf.

Quellen#

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010

... mit freundlicher Genehmigung des Christian Brandstätter Verlags.