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Die Salzofenhöhle - ältester Siedlungsplatz des Salzkammerguts#

Zwischen 65.000 und 30.000 v.Chr. jagten die "Salzkammergut-Menschen" Höhlenbären

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Höhlenbärenskelett
Höhlenbärenskelett aus der Salzofenhöhle.
© Hilde und Willi Senft

Salzofenhöhle
Der Eintritt in das Innere der Salzofenhöhle ist nur mit Sonergenehmigung möglich, damit unbefugte "Schatzgräber" ferngehalten werden.
© Hilde und Willi Senft

Vorderer Lahngangsee
Oberhalb des Vorderen Lahngangsees erhebt sich der Felsstock des Salzofens.
© Hilde und Willi Senft

Solfofenhöhle
Dieser Blick aus dem Eingangsportal der Salzofenhöhle war schon den Jägern auf Höhlenbären vertraut.
© Hilde und Willi Senft

Oberhalb der Lahngangseen erhebt sich in nordöstlicher Richtung der Felsstock des 2.070 m hohen Salzofens. Etwa sechzig Meter unterhalb des Gipfels öffnet sich der Eingang zu einer geräumigen Höhle - einer von hunderten, wie sie sich im Toten Gebirge finden.

Als im Sommer 1924 zwei Jäger dort Schutz vor einem Unwetter suchten, sahen sie sich im Eingangsbereich um und entdeckten verschiedene Knochen. Sie überbrachten diese dem Schulrat Otto Körber aus Aussee, der schon am nächsten Tag zur Höhle aufstieg, noch im selben Sommer an die hundert Meter weit in ihr vordrang, dort sofort zu graben begann und bald Berge von Knochen zutage förderte.

Er erkannte intuitiv, daß hier ein sensationeller Fundplatz entdeckt worden war, zumal sich bald herausstellte, daß es sich bei den Knochen fast ausschließlich um solche von Tieren der Zwischeneiszeit handelte. Weitaus die meisten Knochen und Zähne stammten von Höhlenbären, welche die heutigen Braunbären bis um ein Drittel an Größe übertrafen. Mit Hilfe eines Konservators vom „Haus der Natur" in Salzburg gelang es Körber bald, das gewaltige Skelett eines kompletten Höhlenbären zusammenzustellen; es ist heute im Kammerhof-Museum in Bad Aussee ausgestellt.

Jahr für Jahr grub Körber nun gemeinsam mit Helfern wie besessen in der Höhle, opferte seine gesamte Freizeit und setzte auch seine bescheidenen privaten Geldmittel restlos ein. Allmählich stellten sich auch weitere beachtliche Erfolge ein, denn es blieb nicht nur bei den Höhlenbären. Als ein tiefer Schacht erschlossen wurde, fanden sich das vollständige Skelett eines Vielfraßes sowie die Gebeine einer löwenähnlichen Großkatze, wie sie aus den Darstellungen von Eiszeitmenschen in südfranzösischen Höhlenmalereien bekannt ist. Ferner kamen auch Reste von Wölfen, Mardern und Steinböcken zum Vorschein.

Hier mussten auch Menschen gelebt haben! Körber konzentrierte bald seine gesamten Aktivitäten auf die Spuren menschlicher Besiedlung. Nach zehn Jahre währender, verbissener Grabungstätigkeit war es endlich soweit: Im Frühjahr 1934 fand er das einzige wohlgeformte Werkzeug aus Stein, das ihm zu finden vergönnt war: ein Schaber aus Hornstein. Auch immer mehr Holzkohlenreste und Brandspuren an vorzeitlichen Knochen kamen zutage, und schließlich war Körber klar, dass es sich hier um die höchstgelegene Siedlungsstätte von Menschen der Altsteinzeit in Österreich handeln musste.

Es war Körber aber nicht mehr vergönnt, die Bestätigung seiner Theorien zu erleben, denn er verstarb 1946. Bereits 1950 förderten Grabungen von Wissenschaftern verschiedenste Steinwerkzeuge und bearbeitete Knochen-Stücke ans Tageslicht, und im Vorraum der Höhle wurde eine Herdstelle gefunden. Ihre Holzkohlenasche ermöglichte eine exakte Altersbestimmung mittels der Radiokarbon-Methode; sie ergab ein Mindestalter von 30.000 Jahren.

Gekrönt wurden die Funde schließlich durch die Entdeckung von Wandnischen, in denen Bärenschädel, umrahmt von einzelnen Steinen, angeordnet waren. In ihrer Nähe fanden sich auch gelochte Wirbel, die offensichtlich als Schmuckketten Verwendung gefunden hatten. Dies erinnert an die Schädelbestattung bei nordischen Bärenjägern, aber auch an Darstellungen von französisch-spanischen Höhlenmalereien.

Wandervorschlag#

Die SALZOFENHÖHLE erreichen wir am besten über die Gößler-Alm und den Dreibrüdersee. Wir folgen vom Ortsteil Schachen am Grundlsee der Markierung Nr. 213 zur Gößler-Alm und weiter zum Aibl und wandern nun durch das einsame Längtal oberhalb des Dreibrüdersees auf den Salzofen zu. Schon von unten erblicken wir das breite Portal der Salzofenhöhle, zu der wir rechterhand im grasbewachsenen Felsschutt auf Trittspuren hinaufsteigen (3 1/2 Std.). Von der Höhle kann unschwierig der Gipfel des Salzofens erstiegen und anschließend wieder der Weg Nr. 213 erreicht werden. Wer will, kann nun über Abblasbühel, Elmgrube und Lahngangseen in Form einer Rundwanderung zum Ausgangspunkt zurückkehren, was allerdings insgesamt an die 8 Std. Gehzeit in Anspruch nimmt (Kompaß WK Nr. 68).

Quellen#

  • Hilde und Willi Senft: Geheimnisvolles Salzkammergut. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002; 2. Auflage 2003.


Redaktion: Hilde und Willi Senft