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Fladnitz "Heilantschwasser Schüsserlbrunn" Quelle#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Gemeinde und Pfarre Fladnitz; Ortschaft Teichalm; Bezirk Bruck-Mürzzuschlag Fladnitz, Steiermark

Fladnitz, Heilantschwasser, © Siegrid Hirsch und Wolf Ruzicka
Fladnitz, Heilantschwasser
© Siegrid Hirsch und Wolf Ruzicka

Der Ort:#

Fladnitz liegt im Zentrum des größten zusammenhängenden Almengebietes Mitteleuropas. Die Berglandschaft gehört zum Feinsten, was dem Auge geboten werden kann. Das Kapital ist außerdem die herrliche Luft auf den unzähligen Wander- und Bergrouten oder dem Moorwanderweg auf der Teichalm und bei allen sportlichen Aktivitäten des Sommers wie Baden, Reiten, Golfen, Mountainbiken, Paragliding oder Drachenfliegen oder des Winters. Ein Schaubergwerk, Tropfsteinhöhlen, Naturwunder wie die Bärenschützklamm und ein Freilichtmuseum mit Brauchtumsveranstaltungen können besucht werden. Fladnitz ist uraltes Siedlungsgebiet, vor allem Kelten und Römer hinterließen viele noch heute sichtbare Spuren.

Der Weg zur Quelle:#

Die Teichalm ist von Fladnitz aus gut ausgeschildert. In Serpentinen führt die Straße über 12 km stetig berauf, sie ist zum Großteil gut ausgebaut. Die Teichalm selbst präsentiert sich als sanfte Hügellandschaft in 1.200 Meter Seehöhe mit einem großen Moorteich und Wiesen, auf denen im Frühjahr tausende weiße Krokusse blühen. Gleich neben dem großen Anwesen des Teichwirts steht noch eines der alten, traditionellen Holzschindelhäuser, die für diese Gegend typisch sind und zur Landschaft passen, als wären sie aus ihr eigens für den Menschen entstanden. Im Garten dieses Hauses Nummer 42 fließt das Heilantschwasser.

Kühn in den Felsen gebaut..., © Willi Senft
Kühn in den Felsen gebaut...
© Willi Senft

Quelle und Wasser:#

Das Heilantschwasser ist im Privatgarten der Grafen Stubenberg gefasst und versorgt einerseits das Haus, fließt aber andererseits über einen Holztrog ab. "So lange wir das Wasser haben, sind wir g'sund", stellt der Besitzer lakonisch fest und verwehrt es niemandem, vom kostbaren Nass zu trinken, vorausgesetzt, es wird vorher gefragt und es gibt anschließend ein "Vergelt's Gott". Leider wird diese selbstverständliche Höflichkeit von Besuchern oft vergessen, so die traurige Erfahrung. Woher der Name kommt, weiß man nicht genau, er könnte von "heilen" oder von "Heiland" kommen. In jedem Fall hat dieses kräftige, kalte Almwasser den Ruf, heilkräftig zu sein und vor allem bei Magen- und Verdauungsproblemen zu helfen.

Schüsserlbrunn#

Der Schüsserlbrunn ist nur zu Fuß zu erreichen, es soll eine geheimnisvolle Verbindung zum Heilantschwasser geben. Pfarrer Dr. Franz Jantsch zeigt sich in seinem Buch "Kultplätze Steiermark" besonders beeindruckt von dieser Quelle und bezieht sich auf Pfarrer Hoppe, der vor mehr als 100 Jahren die wichtigsten Wallfahrtsstätten in Österreich aufsuchte, wenn er schreibt: "Man kann ruhig behaupten, kein Tourist, der den aussichtsreichen Gipfel des Hochlantsch besteigt, lässt Schüsserlbrunn beiseite liegen. Liegt es doch so, dass fast alle Wege und Steige, die von der Tiefe heraufführen, von Mixnitz, Pernegg, Breitenau, St. Jakob, St. Erhard - dass diese alle wie in einem Knoten in Schüsserlbrunn zusammenlaufen und dass gerade von hier der letzte einstündige Aufstieg zur Gipfelpyramide ist. Der Hochlantsch steht also in Verbindung mit dem Quellenheiligtum. Man trank vom heiligen Wasser, ehe man den heiligen Berg bestieg.

Fladnitz, Heilantschwasser, © Siegrid Hirsch und Wolf Ruzicka
Fladnitz, Heilantschwasser
© Siegrid Hirsch und Wolf Ruzicka

Der Hinweis auf die Pyramiden-, also Kegelform ist wichtig. Das ist genau das, was man Kultdynamik nennt: die geheimnisvolle Anziehungskraft dieser Plätze. Mancher Wanderer wird zu seiner Verwunderung gewahr, dass in seinem Herzen noch ein Funken von Glauben und Vertrauen an Gott vorhanden ist. Das heißt, er erfährt die numinose Kraft des Platzes. Die Kapelle ist nicht so wichtig wie das Bründl in der Höhle mit den zwei Schüsseln, die vom Wasser, das seitlich rechts über eine Felsplatte rinnt, gespeist werden. Rechts vorne ist ein Schalenstein mit 30 cm Durchmesser, links dahinter eine kleinere Schale mit sehr klarem, kaltem Wasser, das in unregelmäßigen Abständen frei heruntertropft. Das ist der strahlende Platz. Es ist eine uralte, vorchristliche Kultstätte, wo man geopfert hat."

Wasserentnahme

Vorher fragen, ausreichend Wasser

Wandertip#

Von der Teichalm über den Hochlantsch nach Schüsserlbrunn fuhrt eine sehr hübsche Rundwanderung: Am besten beginnen wir unsere Wanderung beim „Teichwirt" (1.172 m) und folgen der Markierung Nr. 740 über Bergwiesen in den Wald hinein. In der ersten Waldstufe queren wir mehrmals einen Forstweg und nach der zweiten Waldstufe lassen wir uns vorn Wegweiser auf den langgezogenen, teilweise latschenbewachsenen Kammrücken leiten, der uns bis zum felsigen Gipfelaufbau des Hochlantsch (1.720 m) führt. Etwa 2 Std. werden hier herauf benötigt. Um den Rundweg fortzusetzen, gehen wir nun im felsigen Terrain (jedoch völlig ungefährlich) in westlicher Richtung am Kamm weiter und steigen schließlich durch schütteren Bergwald zum Gh. Steirischer Jokl (1.398 m) und zum Kirchlein „Schüsserlbrunn" ab, das romantisch in die Felsen hineingeschmiegt liegt. Der Weiterweg führt uns schließlich über Almwiesen zum Gh. „Zum guten Hirten" (1.209 m) und zuerst oberhalb und später längs des Mixnitzbaches, zurück zum Teichwirt. (Gesamtgehzeit 5 Std., Karte: Freytag & BerndtNr. 13

Quellen#

  • "Heilige Quellen in Österreich" von Siegrid Hirsch und Wolf Ruzicka.
  • "Steirischen Geheimnissen und Kuriositäten auf der Spur", Hilde und Willi Senft, MEDIA Marketing G.m.b.H. 2000