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Schiffreiter#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Schiffzug an der Donau
Schiffzug an der Donau. Aquarell. Um 1840
© Brandstätter Verlag

Schiffreiter (auch Jodln, Wasserjodln, Reiterbuben) führten und ritten die Zugpferde eines Gegenzuges auf der Donau und ihren Nebenflüssen. Sie werden als wüste Gesellen beschrieben, die mit fürchterlichem Geschrei und Peitschengeknall die Pferde auf den gepflasterten Treppelwegen, durch Sümpfe, über felsiges und buckeliges Uferland, Sandbänke und durch Gebüsche und Wurzelwerk antrieben. Die Pferde waren »vom stärksten Schlage mit sehr glatten Hufen, sehr haariger Krone und kurz am Leibe abgehacktem Schweife, damit sie den Reiter nicht mit Wasser bespritzen und im Wasser leichter fortkommen können, wodurch sie aber auch mehr den Stichen der Insekten ausgesetzt sind«.

Der Vorreiter, der auch Waghals hieß, war der Anführer der Reiterei und dem Schiffszugkommandanten (Sößstaller) unterstellt. Er hatte die Stellen, wo die Pferde durchs Wasser mussten, zu sondieren, alles zu veranlassen, was notwendig war, damit kein Pferd zum Sturz kam oder gar ins Fahrwasser gezogen wurde, Leute und Pferde zur Tätigkeit anzutreiben und alle Manöver am Lande zu dirigieren. Dann kam der Voraufreiter als Stellvertreter des Vorreiters, ihm folgten ein paar Spaneller und dann einige Scharreiter. Etwa in der Mitte des Zuges ritt der Marstaller, der auch für die Fütterung der Pferde und den morgendlichen Weckruf zuständig war. Der Hundsseilreiter und der Afterreiter bildeten das Ende der Reiterabteilung. Die Knechte der ungesattelten Pferde hatten zusätzlich die Aufgabe, dem Seil am Ufer über Hindernisse hinwegzuhelfen.

Quellen#

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010


... mit freundlicher Genehmigung des Christian Brandstätter Verlags.