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Schloss Riegersburg#

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Bezirkshauptmannschaft: Hollabrunn Niederoesterreich, Hollabrunn

Gemeinde: Hardegg Niederoesterreich, Hardegg

Katastralgemeinde: Riegersburg Niederoesterreich, Riegersburg



Schloss Riegersburg, © Österreich Werbung/Mayer
Schloss Riegersburg
© Österreich Werbung/Mayer

Urspr. Wasserburg; 1735 zu einem großartigen Barockbau von Franz Anton Pilgram umgestaltet. Dreigeschoßige Hauptfront, vorspringende turmartige Pavillons mit Kuppeldächern, Attika mit Mittelrisalit und Walmdach, reiche Plastik, Pilasterordnung, drei Tore, Innenhof. Im Inneren elegantes Stiegenhaus, zweigeschoßiger Hauptsaal, Zimmer mit reichen Stuckdecken, zweigeschoßige Kapelle.

1390 wird erstmals eine kleine Burg erwähnt. Vermutlich entstand sie bei der Ortsgründung oder kurz danach. Ihre Aufgabe war es, die Verteidigungslücke an der mährischen Grenze zwischen den Burgen Drosendorf und Hardegg zu schließen. Der hohe Grundwasserspiegel und das Fehlen einer natürlichen Erhebung legte die Anlage einer Wasserburg nahe. Der Name Riegersburg stammt vom Gründer des Ortes und dem Ortsnamen Ruegers ab.
Ab 1441 befand sie sich Ruegers im Besitz der Eytzinger, die gegen Ende 15. Jahrhunderts einen ersten Umbau der mittelalterlichen Anlage durchführen.
1568 verkauften die Brüder Wolfgang und Albrecht von Eytzing die Herrschaft dem Grafen Sigmund von Hardegg. Dieser ließ anstelle des bereits wieder verfallenen Wehrbaues ein auf Piloten ruhendes Wasserschloss erbauen. Die Grafen von Hardegg bemühten sich um eine rasche Erweiterung des Schlosses. Es diente als Herrschaftssitz und Verwaltungszentrum der Grafschaft Hardegg.
1607 vernichtete ein gewaltiger Brand einen Großteil der Anlage und gefährdete den Besitz ernsthaft.
Das Schloss hatte im Dreißigjährigen Krieg sehr gelitten. Mehrfache Verwüstungen und Plünderungen in den Jahren 1645/46 sowohl durch die Schweden als auch durch die eigenen kaiserlichen Truppen hatten es arg in Mitleidenschaft gezogen und fast zur Ruine gemacht.

Schloss Riegersburg, © Österreich Werbung/Mayer
Schloss Riegersburg
© Österreich Werbung/Mayer

Riegersburg samt der Grafschaft Hardegg wurde 1730 an Sigmund Friedrich Graf Khevenhüller verkauft. Die anschließende Renovierung bzw. der barocke Umbau erstreckten sich über viele Jahre. Der niederösterreichische Landesbaumeister Franz Anton Pilgram, ein Schüler Lucas von Hildebrandts, übernahm die Leitung des Umbaus. Die Hauptfassade war 1733 vollendet. Anschließend wurden die beiden vorderen Türme errichtet und der Osttrakt umgebaut bzw. die Sala terrena eingerichtet.
Diese zweite Bauphase dürfte bis 1736 gedauert haben. Erst 1737 wurde mit dem Umbau des Nord- und Westtraktes begonnen. Die Schlosskapelle, die seinem Namenspatron, dem hl. Sigismund geweiht ist, wurde noch vom Grafen Sigmund in Auftrag gegeben. Sie wurde erst 1742 nach seinem Tod unter Graf Johann Josef 1755 vollendet. Die Arbeiten am Westtrakt zogen sich bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts hin. Mehr als zwei Jahrhunderte lang diente Schloss Riegersburg der Familie Khevenhüller als repräsentativer Landsitz.
Ab 1800 war das Schloss mehr als 60 Jahre praktisch unbewohnt, da sich die Eigentümer als Diplomaten und Offiziere meist im Ausland aufhielten. Erst Graf Johann Carl 1867 machte Riegersburg wieder zu seinem ständigen Wohnsitz.
Bis zum Ersten Weltkrieg wurden hier noch große Jagden veranstaltet und glanzvolle Feste organisiert. Danach wurde es stiller um das Schloss, wenn auch bis zum Zweiten Weltkrieg eine Reihe von Angestellten hier beschäftigt wurden.
1945 beschlagnahmte die russische Besatzungsmacht den khevenhüller’schen Besitz als Deutsches Eigentum. Bis zu 500 Soldaten hausten im Schloss. Riegersburg wurde völlig ausgeplündert. Der Festsaal diente als Fahrschule, zu der die Autos über die Feststiege hinauffuhren. Die Schlosskapelle wurde als Erdäpfelkeller zweckentfremdet. Neben Einrichtung fiel praktisch die gesamte Bibliothek dem Unverständnis der Soldaten zum Opfer und wurde verheizt.
Bis zum Staatsvertrag von 1955 wurde das Schloss mit dem großen Forstbetrieb von der russischen USIA verwaltet. 1956 wurde Riegersburg den Eigentümern wieder zurückgestellt, so dass umgehend mit der Generalsanierung begonnen werden konnte, die bis 1987 dauerte.
Gabrielle-Victoria (ehem. Fürstin) verstarb 1972 als letzte Angehörige der Familie Khevenhüller-Metsch. Ihre Tochter Marianne (ehem. Gräfin) Pilati von Thassul übernahm das Schloss.

Seit 1967 wird ein Schlossmuseum als Außenstelle des österreichischen Museums für angewandte Kunst geführt. 1993 fand hier eine niederösterreichische Landesausstellung statt. Die Repräsentationsräume können für private Veranstaltungen gemietet werden. Heute bewohnen die Besitzer ein Nebengebäude des Schlosses.


Eigentümer: Dr. Gotthard und Franceska Pilati (ehem. Graf und Gräfin)


Schloss Riegersburg, © Österreich Werbung/Mayer
Schloss Riegersburg
© Österreich Werbung/Mayer

Schauräume von Schloss Riegersburg im Waldviertel. Niederösterreich. Photographie. Um 1999., © IMAGNO/Gerhard Trumler
Schauräume von Schloss Riegersburg im Waldviertel. Niederösterreich. Photographie. Um 1999.
© IMAGNO/Gerhard Trumler

Barockschloss Riegersburg im Waldviertel an der Grenze zu Tschechien. Errichtet von 1730 bis 1770. Österreich. Photographie. Um 2004., © IMAGNO/Gerhard Trumler
Barockschloss Riegersburg im Waldviertel an der Grenze zu Tschechien. Errichtet von 1730 bis 1770. Österreich. Photographie. Um 2004.
© IMAGNO/Gerhard Trumler

Schloss Riegersburg, Foto: Gakuro. Aus: WikiCommons unter CC
Schloss Riegersburg
Foto: Gakuro. Aus: WikiCommons unter CC

Schloss Riegersburg, Foto: GuentherZ. Aus: WikiCommons unter CC
Schloss Riegersburg
Foto: GuentherZ. Aus: WikiCommons unter CC

Quellen#

Der Text und die Literaturangaben sind aus dem Buch 'Österreichisches Burgenlexikon - Schlösser, Burgen und Ruinen' (1991) von Georg Clam Martinic übernommen. Der Beitrag wurde jedoch im Oktober 2010 mit folgenden Quellen aktualisiert:
  • Burgen und Schlösser in Österreich und Südtirol (2005) von Gerfried Sitar und Anna Hoffmann
  • Webrecherchen.

Literatur#

  • Dehio Niederösterreich, Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau, bearb. von Evelyn Benesch, Bernd Euler-Rolle, Claudia Haas, Renate Holzschuh-Hofer, Wolfgang Huber, Katharina Packpfeifer, Wien 1990. Seite, 978ff


Redaktion: K. Ziegler