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Schloss Weitra#

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Bezirkshauptmannschaft: Gmünd Niederoesterreich, Gmuend

Gemeinde: Weitra Niederoesterreich, Weitra

Katastralgemeinde: Weitra



Schloss Weitra, Ansicht von Süden., Foto: Herbert Ortner. Aus: Wikicommons unter CC
Schloss Weitra, Ansicht von Süden.
Foto: Herbert Ortner. Aus: Wikicommons unter CC

Eine mächtige dreigeschoßige Anlage um einen großen Hof. Bergfried, Auffahrt mit Allee entlang der ehemaligen Wehrmauer, Steinportal, vier Giebel an den Schmalseiten, dreigeschoßige Arkaden im Hof.
Das Schlosstheater aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (1885 von Helmer und Fellner erbaut), wurde 1982 restauriert.

Im Laufe des 12. Jahrhunderts wurde das nordwestliche Waldviertel kolonisiert. Das Geschlecht der Kuenringer war dabei maßgeblich verantwortlich. Mittelpunkt ihres unabhängigen Hoheitsbereiches war die Stadt Weitra, die in den Jahren 1201 bis 1208 durch Hadmar II. von Kuenring gegründet wurde. Zu der Zeit wurde auch eifrig an der Burg, die Residenz und Stadtverteidigungsanlage war, gebaut.
Hadmars Sohn Heinrich II. war Anführer des Adelsaufstandes gegen Herzog Friedrich II. Der konnte die Rebellion niederschlagen, verzichtete jedoch auf Konsequenzen für die Kuenringer. Verhängnisvoll für die Herrschaft wurde es im Streit zwischen dem Böhmenkönig Ottokar und dem Habsburger Rudolf I. Dabei unterstützten die Kuenringer den Böhmenkönig. Als der Streit zu Gunsten Rudolfs I. auging, mussten sie ihre Herrschaft an die Habsburger abtreten.
1292 verlieh Herzog Albrecht I. die Burg an Leuthold von Kuenring. Auch er rebellierte drei Jahre später gegen den Adel. Nach dem Misslingen musste er Weitra dem Herzog zurückgeben. Weitra wurde von Burggrafen verwaltet und die Kuenringer spielten keine Rolle mehr. Die stark befestigte Burgstadt war ein wichtiger Stützpunkt der Habsburger an der böhmischen Grenze geworden.
Von 1376 bis 1429 hatten sie die Herren von Maissau als landesfürstliches Lehen in Besitz. Sie verloren die Herrschaft, weil sie der Kooperation mit den Hussiten beschuldigt wurden. Die Hussiten belagerten 1426 und 1431 die Stadt. 1486 versuchten ungarische Truppen Weitra einzunehmen. Ab 1508 wurde Weitra mehrfach verpfändet. 1582 gingen Burg und Stadt als Lehen an Oberstkämmerer Wolf Siegmund Rumpf Freiherr von Wielroß (Wullroß) über und schließlich schenkte 1592 Kaiser Rudolf II. ihm die Herrschaft.
1584 legte der kaiserliche Architekt Pietro Ferrabosco Pläne für die Umwandlung der Burg in ein zeitgemäßes Schloss vor. 1590 bis 1606 dauerten die umfangreichen Umbauarbeiten zu einem symmetrischen Schloss unter der Leitung des aus Flandern stammenden Baumeisters Anton de Moys. Es wurde so wehrhaft ausgestattet, dass es allen Belagerungen des Dreißigjährigen Krieges stand hielt. Auch den aufständischen Bauern war es nicht gelungen 1596 in die Stadt zu gelangen.
1606 heiratete die Witwe des Freiherrn von Wielroß den aus Schwaben stammenden Grafen Friedrich V. von Fürstenberg-Heiligenberg.
1618 wurde von der Burg aus die Stadt besetzt, weil der Schlossverwalter Stephan Engelhard die böhmischen Truppen unter Graf Schlick heimlich in die Burgl ließ. Die Besetzter wurden aber bald vertrieben. 1645 blieb eiin Belagerungsversuch der Schweden erfolglos.
1747 brannte der Turm im Inneren durch einen Blitzschlag weitgehend aus. Zu einem weiteren Brand kam es zehn Jahre später. Damals wurde der Dachstuhl sowie das oberste Stockwerk vernichtet und die Kapelle beschädigt. Bald danach wurde das Gebäude wiederhergestellt.
In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts starb die Weitraer Linie der Fürstenberg aus. Das Schloss ging an die Fürsten zu Fürstenberg in Donaueschingen über, die das Schloss bis heute besitzen.

Das Schloss beherbergt eine umfangreiche Büchersammlung, die rund 30.000 Druckwerke umfasst und zu den größten Schlossbibliotheken Österreichs zählt. Es wird für kulturelle Aktivitäten und Ausstellungen genutzt. Unter anderem sind ein Biermuseum und ein Lokalmuseum untergebracht. Die Wirtschaftsgebäude werden von der Fürstenberg’schen Forst- und Güterdirektion genutzt.


Eigentümer: Johannes Prinz und Landgraf zu Fürstenberg


Schloss Weitra, © Stadtgemeinde Weitra
Schloss Weitra
© Stadtgemeinde Weitra

Schloss Weitra, Innenhof, © Christian Brandstätter Verlag, Wien
Schloss Weitra, Innenhof
© Christian Brandstätter Verlag, Wien

Rennaissancehof im Schloss Weitra., Foto: Herbert Ortner. Aus: Wikicommons unter CC
Rennaissancehof im Schloss Weitra.
Foto: Herbert Ortner. Aus: Wikicommons unter CC


www.schloss-weitra.at

Quellen#

Der Text und die Literaturangaben sind aus dem Buch 'Österreichisches Burgenlexikon - Schlösser, Burgen und Ruinen' (1991) von Georg Clam Martinic übernommen. Der Beitrag wurde jedoch im Oktober 2010 mit folgenden Quellen aktualisiert:

www.burgen-austria.com

Burgen und Schlösser in Österreich und Südtirol (2005) von Gerfried Sitar und Anna Hoffmann

und mit Webrecherchen.

Literatur#

  • Dehio Niederösterreich, Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau, bearb. von Evelyn Benesch, Bernd Euler-Rolle, Claudia Haas, Renate Holzschuh-Hofer, Wolfgang Huber, Katharina Packpfeifer, Wien 1990, Seite 1275f


Redaktion: K. Ziegler


Der Hoheitsbereich der Kuenringer war keineswegs unabhängig. Wie auch aus dem informativen Text klar hervorgeht, handelte es sich dabei um ein freies, also vererbbares Lehen des Herzogs von Österreich. Kein Kuenringer rebellierte übrigens jemals, wie im Text behauptet, gegen den Adel, da sie ja selbst zum Hochadel des Herzogtums gehörten. Die Rebellion richtete sich immer gegen den Landesfürsten. Der Satz: "Auch er rebellierte gegen den Adel ist nicht nachvollziehbar." Es handelte sich nämlich jeweils um von den Kuenringern geführte Adelsaufstände.

Grund waren die enormen Steuerprivilegien der schon damals immens reichen Klöster und der Städte, die der Herzog gewährte, während der weltliche genuin österreichische Adel die Steuern kaum mehr bezahlen konnte, da es auch Ziel der babenbergischen Innenpolitik war, den autochthonen österreichischen Adel auszurotten, um ihre deutschen Gefolgsleute belehnen zu können.Dabei stützten sich die Babenberger vor allem auf die Kirche und hier insbesondere auf die Augustiner-Chorherren aus ihrer Heimat Bayern und die ebenfalls landfremden Zisterzienser.

Dabei waren die Kuenringer als das weitaus stärkste genuin-autochthone österreichische Ministerialengeschlecht bevorzugtes Angriffsziel der Babenberger. Es rächte sich bitter, dass man der deutschen Landnahme seitens des österreichischen Adels wie etwa der Kuenringer und der Herren von Lengenbach, die ausgerottet wurden, keinen Widerstand entgegengesetzt hatte. (Quelle: Zöllner, Erich: Geschichte Österreichs, Wien, unzählige Auflagen).

-- Glaubauf Karl, Dienstag, 20. Dezember 2011, 19:25


Zentrum des kuenringischen Herrschaftsbereiches war Dürnstein, die stärkste und modernste Festung des Herzogtums Österreich, weshalb auch Richard the Lionheart hier gefangen gehalten wurde, um Befreiungsversuche durch englische Kreuzfahrer von vornherein aussichtslos zu machen.Weitra war lediglich das geographische Zentrum und konnte auch als Stadt bei weitem nicht so günstig verteidigt werden, wie die stärkste Burg Österreichs, eben Dürnstein.

Von hier aus wurde auch der gesamte Donauhandel kontrolliert, was den Reichtum und die innenpolitische Macht der Kuenringer begründete. Sie entschieden nämlich, ob ein Handelsschiff überhaupt nach Krems(hatte Stapelrecht) und Wien weiterfahren durfte. Ein Boykott durch die Kuenringer konnte verheerende Folgen haben, weshalb die Herzöge solange es ging, die Auseinandersetzung mit ihnen vermieden.

-- Glaubauf Karl, Dienstag, 20. Dezember 2011, 19:48