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Heimatlexikon - Unser Österreich

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Schlosser
Schlosser. Um 1860. Farblithographie. Aus: »Schreiber’s Bilder-Werke für den Anschauungs-Unterricht in Schule und Haus«. Zweiter Band: Arbeitsstätten und Werkzeuge der wichtigsten Handwerker. J. F. Schreiber: Eßlingen o.J.
© Brandstätter Verlag

Schlosser lösten sich von den Schmieden und bildeten als selbständiges Gewerbe oft zusammen mit Windenmachern, Büchsenmachern, Großuhrenmachern und anderen Kleinschmieden zünftige Verbindungen. In Wien erhielten sie 1444 eine Handwerksordnung, und in Schmalkalden scheinen sie ebenfalls schon ziemlich frühzeitig eine bedeutende Korporation gebildet zu haben, denn 1545 protestierten sie bereits heftig gegen eine Maßnahme des Grafen von Henneberg. Dieser befahl den Stiftsgeistlichen, die sich zahlreicher Nachkommenschaft erfreuten, ihre »Köchinnen« zu heiraten und damit den Kindern das Recht auf Handwerksausübung zu sichern. Das war den Schlossern zuviel, und sie forderten den Grafen auf, »sie mit den Pfaffenkindern zu verschonen«. Als Mitglieder der Schmiedezunft kommen Personen mit der Bezeichnung »Schlosser« allerdings schon wesentlich früher in Chroniken vor: in Nürnberg 1330 ein »Shlosser Heuter«, 1348 ein »Slozzer Hertel« und der Schlosser Conrad Lodner, der maßgebend am Nürnberger Handwerkeraufstand (1347 bis 1348) beteiligt war.

Die Schlosser stellten vor allem Vorhängeschlösser sowie Tür-, Tor-, Truhen- und Gewehrschlösser her, aber auch Angeln und Bänder für Türen, Beschläge, Gitter, Sakramentshäuschen, Kaminzubehör (Feuerböcke oder Feuerhunde, Pfannenträger etc.), Türklopfer, Griffe, Laternen- und Fackelhalter. Die Schönheit der Formen, selbst bei einfachen Gegenständen des täglichen Gebrauchs, ist charakteristisch für die Werkstücke der früheren Zeit. Für den hohen technischen Stand des Handwerks sprechen so manche mechanischen Spielereien: die eiserne Hand des Götz von Berlichingen, ein Schloss des Schlossers Schnabel aus Breslau, so klein und zart, dass es eine Fliege mit ihren Beinen über den Rathaustisch ziehen konnte, oder jenes große Kirchentorschloss des Meisters Daunhofer aus Wien, bei dem sich über der Schlüsselöffnung eine Teufelsfratze befand, die beim Umdrehen des Schlüssels die Zunge herausstreckte. Die Arbeit der deutschen Schlosser war weithin bekannt und begehrt. Thomas Garzoni erwähnt in seiner Piazza universale (1585) neben den hervorragenden Schlossern aus Venedig, Brescia und Mailand auch jene von Nürnberg, Augsburg und Braunschweig.

Schlosser
Schlosser. Um 1860. Kolorierte Lithographie. Aus: »30 Werkstätten von Handwerkern«. Schreiber: Eßlingen o.J.
© Brandstätter Verlag

Die Zunftregeln des Schlosserhandwerks untersagten bei Geld- oder Leibesstrafe den Lehrjungen oder Gesellen, »ohne Wissen und Bewilligung des Meisters einem Knecht, einer Magd oder einer anderen Person, wer sie auch sei, fremd oder einheimisch, einen Schlüssel, der in Wachs, Lehm oder Blei abgedruckt war, nachzumachen, noch viel weniger aber einen Hakenschlüssel, Dietrich oder andere Instrumente, womit man Schlösser heimlich öffnen kann«. Für die Wartung und Reparatur der Schlösser an Stadttoren und an öffentlichen Gebäuden wurden vielfach eigene, besonders vertrauenswürdige Meister verpflichtet.

Eine wichtige Erfindung gelang 1540 dem Nürnberger Schlosser Hans Ehemann mit dem sogenannten Kombinationsschloss. Sein »Mahlschloss«, wie er es nannte, bestand aus einem Zylinder, auf dem eine Anzahl gleich großer, drehbarer Ringe angeordnet war, und einem Bügel. An ihren Rändern waren die Ringe mit Buchstaben (oder Zahlen) gekennzeichnet. Durch Verdrehen konnte eine bestimmte Kombination gewählt werden, die den Bügel freigab.

Lange Zeit war die sogenannte Schlossfalle in Verwendung, die beim Zufallen der Türe einschnappte und nur mit einem Drehschlüssel wieder geöffnet werden konnte. Bei den viel angewendeten Vexierschlössern mussten gewisse Knöpfe, Schieber, Rosetten und dergleichen eine bestimmte Lage einnehmen, bevor das Schloss geöffnet werden konnte. Die Schlösser für Geldschränke waren besonders geeignet, die Meister der Schlosserkunst zu immer schlaueren Konstruktionen herauszufordern. Auf der Weltausstellung 1851 in London wurden Schlösser von Joseph Chubb und Jeremiah Bramah gezeigt, die als absolut unaufsperrbar galten und auf deren Öffnen Prämien ausgesetzt waren. Dem Amerikaner Alfred C. Hobbs, ebenfalls Schlosser, gelang es, diese Schlösser in wenigen Stunden zu überlisten. Hobbs wiederum versprach eine sehr hohe Prämie für das Öffnen eines von ihm selbst gebauten Permutationsschlosses, das den Gegnern trotz vierwöchiger Anstrengung nicht gelang.

Die immer mehr um sich greifende maschinelle Produktion von Schlosserwaren im Laufe des 19. Jahrhunderts reduzierte die Handwerkstätigkeit oft nur noch auf das Nacharbeiten einzelner Teile. Diese Entwicklung zwang viele Werkstätten, auf die Bau- und Kunstschlosserei umzusatteln.

Quellen#

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010


... mit freundlicher Genehmigung des Christian Brandstätter Verlags.


Den Schlossern war im 19. Jahrhundert auch die Tätigkeit des Lokomotivführers vorbehalten, der erste österreichische Lokführer nach den Briten war 1838 der aus Danzig stammende Carl Grundmann, der später auch die industrielle Revolution im Bereich der Schließtechnik in Österreich umsetzte, indem er zunächst in Wien und anschließend in Herzogenburg ein Unternehmen gründete, das schon 1914 der größte Schließwarenhersteller der Monarchie war. Der Beruf des Schlossers lebt heute im Berufsbild des "Werkzeugmachers" fort, da Schlösser beinahe ausschließlich industriell hergestellt werden.

-- Glaubauf Karl, Donnerstag, 12. Januar 2012, 17:41