Schmetterlinge in Langschlag - Austria-Forum : Heimatlexikon
Langschlag: Ein Paradies für Schmetterlinge#
Das Wunder der Metamorphose

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Er wollte etwas sehr Positives für die Natur tun, erzählt Friedrich Schopf, oberösterreichischer Unternehmer mit künstlerischer Begabung, und begegnete auf dieser Suche den Schmetterlingen. Er war von ihnen fasziniert. Die hübschen Flatterer aber einfach mit dem Netz zu fangen und wie in alten Zeiten mit der Stecknadel aufzuspießen, das erschien ihm, gottlob, als der falsche Weg. Vielmehr hat er ihnen gleich ein ganzes Grundstück gewidmet, mit dem Vorhaben, den Schmetterlingen darauf ein Paradies einzurichten. Der geeignete Ort fand sich in der Nähe von Langschlag im westlichen Hochland des Waldviertels (ca. 900 m Seehöhe).
Zuerst mussten lockende Vorkehrungen getroffen werden, damit sich wenigstens ein Teil der 3.200 in Mitteleuropa heimischen Arten der Lepidoptera (wissenschaftlicher Name der Schmetterlinge) im Paradies ansiedelten. „Wir lassen Wild- und Kulturpflanzen durcheinander wachsen“, ist ein Teil der Strategie von Friedrich Schopf, „und achten darauf, dass immer genügend Blumen blühen.“ Er gerät ins poetische Schwärmen: „Wie sich der Schmetterling in seiner Metamorphose aus den Eiern zur Raupe und Puppe bis zum prächtigen Falter verwandelt, so ändert auch die Natur ihre Erscheinung – vom Gelb des Huflattichs, des Löwenzahns und der Sumpfdotterblume im Frühjahr, wenn der späte Schnee schmilzt. Der Sommer präsentiert sich in der Farbe Rosa, bis der Herbst die Landschaft rot einfärbt.“
Vom Menschen zur Kulturlandschaft veränderte Natur bedarf offenbar wieder intensiver menschlicher Hilfe, um einigermaßen ihren Urzustand wiederzufinden. Die Renaturierung des Schmetterlingsparadieses benötigte an die elf Tonnen Steine, auf denen sich die Schmetterlinge in der Abendsonne wärmen können, zwanzig verschiedene Distelarten wurden ausgesetzt und etliche abgestorbene Bäume für Kletterpflanzen aufgestellt, an denen sich Hopfen, Geißblatt und Waldrebe emporranken können. Sogar die Dächer der Gebäude, die in einer solchen Anlage einfach notwendig sind, wurden dicht begrünt und scheinen wie bemooste Pilze aus dem Boden gewachsen zu sein.
Schmetterlinge lieben blühenden Klee, hat Friedrich Schopf erfahren müssen, als sie das ungemähte Feld eines Biobauern in der Nachbarschaft seinen fürsorglich allerorts angebrachten Futterstellen mit Obst und Fruchtsäften vorzogen. Seitdem wird ihnen auch im Paradies Klee geboten. In den Führungen, die innerhalb kurzer Zeit zum fixen Programmpunkt bei Schulausflügen avanciert sind, sollen schließlich möglichst verschiedene Exemplare hergezeigt werden können.
Im ständigen Umgang mit den Schmetterlingen und nach der Lektüre von Bergen einschlägiger Bücher war Friedrich Schopf zum Experten herangereift, zum Entomologen, der es versteht, die einzelnen Schmetterlinge zu bestimmen und zu zählen. 500 Arten sind bei ihm zu Gast, 50 davon sind Tagfalter, wie Schwalbenschwanz, Kleiner Fuchs und Admiral, die anderen sind Nachtschmetterlinge, welche mittels einer Leuchtstation angezogen werden. Unter diesen Nachtschwärmern befindet sich auch der größte europäische Schmetterling, das Große Wiener Nachtpfauenauge, das sich unter diesen idealen Voraussetzungen erfreulicherweise bereits vermehrt hat. Als Ergänzung zu den heimischen Faltern werden auf dem Gelände des Schmetterlingsparadieses in Palmenhäusern exotische Arten gezüchtet. Der Besucher hat damit die seltene Gelegenheit, im tiefsten Nordwald prachtvolle tropische Exemplare, wie den Bananenschmetterling oder den Papilio rumanzovia, die Schwalbe, bewundern zu können.
Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung des Stocker Verlags aus dem schönen Buch:
Hannes Gans, Eva Wrazdil: Geheimnisvolles Waldviertel. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2007.
Bestellung des Buches (Leopold Stocker Verlag)


