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Schrammel#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Schrammelquartett, um 1890, © Imagno, für AEIOU
Schrammelquartett, um 1890
© Imagno, für AEIOU

Johann (Hanns) und Josef Schrammel entstammten einer Musikerfamilie, ihr Vater Kaspar Schrammel war Klarinettist, die Mutter Aloisia Ernst Volkssängerin. Obwohl die Brüder eine fundierte musikalische Ausbildung am Konservatorium genossen, wurden sie namengebend für die wohl bekannteste Formation der Wiener Volksmusik (Geigen, Kontragitarre, G-Klarinette). Dazu genügte die kurze Zeit von sieben Jahren (1884-1891). Gemeinsam mit ihrem Vater und einem Verwandten traten sie erstmals 1861 in einem Gasthaus als Musikanten auf. Beide Musiker starben jung (mit 43 Jahren) und erhielten Ehrengräber. Die Schrammelgasse in Dornbach (Wien 17) und ein Denkmal auf dem Elterleinplatz (Wien 17) erinnern an sie.

Johann Schrammel (1850-1893) spielte nach dem Musikstudium Geige in Theatern und war beim Militär Musikfeldwebel. Er spielte auch Salonmusik. Als diese an Beliebtheit verlor, schlug sein Bruder Josef vor, mit dem Gitarristen Anton Strohmayer ein Terzett zu bilden. Sie wollten "Volksmusik bringen, wie man sie in Wien bis dahin nicht gehört hatte." 1878 kam Georg Dänzer mit der G- (bzw. F-) Klarinette dazu - es entstand das Quartett "D'Schrammeln". Das Blasinstrument wurde 1891 durch die chromatische Harmonika ersetzt. Georg Schrammel war auch als Dirigent einer Singspielhalle und als Komponist von 150 Werken aktiv. Zu den bekanntesten zählen der Marsch "Wien bleibt Wien" und das Walzerlied "'s Herz von an echten Weana". 1888 gab er eine Sammlung alte österreichischer Volksmelodien heraus, und er arbeitete an den "Kremser-Alben" mit. Das Quartett unternahm zahlreiche Konzertreisen.

Josef Schrammel (1852-1895) spielte die erste Geige im Terzett und Quartett. Er wird als der musikalischere, aber stillere der Brüder beschrieben. In einer Truppe von bis zu 12 Musikern, geleitet von Onkel und Tante Schütz, unternahm der Jugendliche eine 17-monatige, erfolgreiche Tournee in den Orient. Nach der Rückkehr spielte er bei Heurigen, heiratete mit 22 eine Volkssängerin und gründete im folgenden Jahr (1875) eine eigene Gesellschaft mit fünf bis sechs Musikern. Da sein Verdienst auf diese Weise bis zu fünfmal höher war, als der seines Bruders, motivierte er diesen zur Gründung des später so populären Ensembles. Er leitete es auch nach dessen Tod und übernahm die Vormundschaft über die acht minderjährigen Kinder. Die erfolgreichsten Kompositionen Josef Schrammels waren "Die Nußdorfer" und "Vindobona, du herrliche Stadt".

Quellen#

  • Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
  • Margarethe Egger: Die Schrammeln in ihrer Zeit. Wien 1989
  • Susanne Schedtler: Wiener Lied und Weana Tanz. Wien 2004
Redaktion: hmw