Schwammerlturm (Leoben) - Austria-Forum : Heimatlexikon

Schwammerlturm#

Prominentes Erdbebenopfer#


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Schwammerlturm
Leobens Wahrzeichen, der „Schwammerlturm“, erhielt sein namensgebendes „Schwammerldach“ nach einem Erdbeben. Das Stadtwappen von Leoben, ein Strauß, ziert heute den „Schwammerlturm“.
© Reinhard M. Czar & Gabriela Timischl

Auch Leobens Wahrzeichen, der „Schwammerlturm“, hatte einmal eine Spitze wie jeder andere Turm. Sein charakteristisches Aussehen entstand unfreiwillig; er verdankt es einem Erdbeben.

Leichte Erdbeben, die oft gar nicht bemerkt werden, sind für die Obersteiermark keine Seltenheit. Stark bemerkbar machte sich ein Erdbeben allerdings im Jahr 1794, das unter anderem in Leoben Schäden größeren Ausmaßes verursachte. An 213 Gebäuden wurden von einer Kommission die Auswirkungen des Bebens untersucht, nur zehn Häuser blieben demnach unversehrt. Einstürzende Decken und schwer beschädigte Stiegenhäuser, die abgerissen werden mussten, waren die Folge des Naturereignisses.

Prominentes Opfer #

Durch das schwerste Erdbeben in der Geschichte Leobens wurde der Stadtturm mit dem Mauttor, der heute als „Schwammerlturm“ das Wahrzeichen der Stadt ist, teilweise zerstört.

Auf der Homepage der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik findet sich ein Auszug aus dem Bericht der Kommission:

Tafel
„... 1794 war ich dem Sturze nah’ ...“ – die kurze Geschichte in einer Inschrift auf dem „Schwammerlturm“ verschweigt die Ursache der Einsturzgefahr, ein Erdbeben.
© Reinhard M. Czar & Gabriela Timischl

Dieser Thurm von untenauf bis zu der Wohnung des Thurmwärters hat ausser einigen alten Schriken, die noch keinen Umsturz androhen, kein sonderheitliches Gebrechen. Nur da wo der Dachstuhl anfängt, welch lezterer schon eine üble Bauart hat, müsten Vorkehrungen getroffen werden. Alle 4 Ärker in der Höhe drohen den Herabsturz, besonders jener auf Seite des Buchbinders, diese Aerker haben sich alle 4 aus dem Fundament der Mauer losgerissen, fordern also unumgänglich die Abtragung, durch welche dieser ohnehin schon in dem untern Theil durch Schrik beschädigte Thurm eine grosse Erleichterung der oberschwängigen Höhe erhält. Doch forderte es auch noch Hinwegbrechung der Ärker, die Errichtung eines neuen Dachstuhls in dem sich die Gebrechen desselben, erst nach der Hinwegbrechung zeugen würden, da vieles Holzwerk am Dachstuhl bereits verwendet und verfault befunden werden wird. Diese Dachstuhl Herstellung fordert so, wie wann die Ärker repariert werden wolten, grosse Herstellungskosten. Doch ist diese Kommission mehr für die Errichtung eines neuen Dachstuhls, und die Hinwegbrechung der Aerker, als für die Reparazion der lezteren gestimmt, massen, es immer einerley Kosten resp. der Geristung auf ein oder andere Art erfordert.

(Quelle: www.zamg.ac.at/HistSeism/1794)

Shoppingcenter.jpg
Der Kreuzgang des Dominikanerklosters und der ehemalige barocke Südtrakt des Klosters sind Teil des „Leoben City Shopping“.
© Reinhard M. Czar & Gabriela Timischl

In der Folge wurde der durch das Erdbeben beschädigte alte Dachstuhl weggerissen und der Turm mit einem neuen Dach versehen. Anstelle eines spitzen Abschlusses wie vor dem Beben setzte man dem Turm die noch heute vorhandene „Haube“ auf – und fertig war der „Schwammerlturm“!

Shopping im Kloster #

Nicht weit vom „Schwammerlturm“ entfernt begegnet man in Leoben einem echten Kuriosum. Denn das ehemalige Dominikanerkloster am Rand des Hauptplatzes wurde als Ganzes in ein Einkaufszentrum integriert. Über die seit dem 13. Jahrhundert entstandenen Gebäudeteile (im Wesentlichen der gotische Kreuzgang und der barocke Südtrakt) wurde in einer sehr gelungenen architektonischen Symbiose einfach das „Leoben City Shopping“ „gestülpt“. Und so steht das alte Kloster samt Giebeldach unter dem großen Glasdach des Shoppingcenters und damit mitten im Einkaufszentrum, wo es in seiner neuen Nutzung verschiedenste Geschäfte beherbergt. Ob das den als streng geltenden Dominikanern gefallen hätte, ist nicht bekannt. Sehenswert ist das Gebäude allemal und ein Beweis dafür, dass Alt und Neu gut harmonieren können, vorausgesetzt man lässt einen kompetenten Architekten ans Werk gehen.


Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung des Stocker Verlags aus dem schönen Buch:

Reinhard M. Czar & Gabriela Timischl. Geheimnisvolle Steiermark. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2011.


--> Bestellung des Buches (Leopold Stocker Verlag)

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