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Schwedenbombe#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Schwedenbombe
Schwedenbombe.
Foto: cyclonebill. Aus: Wikicommons unter CC

Mit der Entstehung der ersten Kaffeehäuser in Wien gewann auch die Wiener Konditorkunst an Bedeutung. So gab es bereits Mitte des 16. Jahrhunderts einen designierten Konditormeister am Kaiserlichen Hof, Besucher aus ganz Europa kamen nach Wien, um dem Geheimnis der weltberühmten Wiener Mehlspeisen und Schokoladen auf den Grund zu gehen.

Unter dem Einfluss dieser Tradition wuchs Edmund Niemetz auf und eröffnete 1890 seine eigene Konditorei. Sein Sohn Walter wurde ebenfalls Konditormeister und arbeitete 7 Jahre lang in einer Patisserie in Paris.

Vielleicht hatte er auch dort die ersten "Schokoküsse" (damals noch "Tête de nègre" - auf Deutsch "Negerkopf") kennengelernt: ab dem 19. Jahrhundert wurden diese in französischen Konditoreien aus einer baiserartigen Masse und einem Schokoladenguss hergestellt. Der Kuss im "Schokokuss" ist wohl eine Übersetzung vom französischen "le baiser").

Nach seiner Rückkehr besuchte ihn einmal ein schwedischer Freund, den er in Paris kennengelernt hatte. Die beiden Herren hatten sich viel zu erzählen und kamen auch auf die Idee, auf Grundlage eines schwedischen Rezeptes eine lockere, leichte Süßigkeit aus Eischnee und Zucker zu kreieren. Die Schneemasse ruhte auf einer Oblate und wurde mit Schokolade überzogen.

So entstand diese traditionelle Wiener Süßigkeit, die der Konditor in Andenken an seinen Freund "Schwedenbombe" nannte.

1930 eröffnete Walter Niemetz gemeinsam mit seiner Frau Johanna die "Süßwaren-Manufaktur Niemetz" in der Aspangstraße im 3. Wiener Gemeindebezirk, wo auch heute noch die Schokoriegel Manja und Swedy hergestellt werden. Bei der Schwedenbombe wich in den 1970er Jahren die Oblate einer Waffel – doch an der Rezeptur hat sich nichts geändert.

Die Österreicher lernten die Schwedenbombe und ihren Geschmack lieben – bis zum Markteintritt des deutschen Süßwaren-Herstellers Storck 1988 war Niemetz hierzulande praktisch konkurrenzlos; auch heute besitzt Niemetz noch einen Marktanteil von rund 80% in diesem Segment, Storck zählte zuletzt 14% (den Rest teilen sich kleinere Hersteller).
Auch wenn die Süßigkeiten sich optisch ähneln, in der Füllung liegt der feine Unterschied - während die deutschen Dickmann's ein schneeweißes Innenleben haben, sind die Schwedenbomben graumeliert (mit Kakao in der Eiweißmasse).

Die Schwedenbombe ist etwas Besonderes - sie hat eine ganz besonders feine Konsistenz und wird ohne Konservierungsstoffe hergestellt (daher ist sie auch nur maximal vier Wochen haltbar und nicht leicht exportierbar!).

Doch die Essgewohnheiten ändern sich: heute denken die Konsumenten bei "Schwedenbombe" wohl öfters an "Kalorienbombe" - woran auch der Hinweis, dass ein Stück nur 70 Kalorien enthält, wenig ändert.

So ist die Herstellung der "Schokoladen-Schaumküsse" zur Zeit leider kein gutes Geschäft mehr: 2011 brach der Absatz in Österreich auf 772 Tonnen ein (2003 wurden noch mehr als 1000 t abgesetzt!) und sinkt leider weiter.

Während es anderen Unternehmen gelang, sich auf die geänderten Kundenwünsche einzustellen- so stellt z.B. Manner mittlerweile zusätzlich "Vollkorn-Schnitten" her, die weniger Zucker enthalten als das Original – produziert Niemetz mit Schwedenbomben, Manja und Swedy seit Jahrzehnten dieselben Produkte. Auch die patentierte transparente Verpackung ist seit den 1970er Jahren unverändert: in einer durchsichtigen Schachtel reihen sich je drei schwarze und drei mit Kokos bestreute Stücke aneinander.

Es ist zu hoffen, dass es der Firmenleitung (Tochter Ursula Niemetz und ihrem Partner und Geschäftsführer Steve A. Batchelor) gelingt, das Konzept der Firma auf neue Beine zu stellen, damit uns "unsere" Schwedenbomben erhalten bleiben.

Denn Österreich ohne Schwedenbomben wäre wie Amerika ohne Cola und Hamburger.

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl