Schwertlilienwanderung - Austria-Forum : Heimatlexikon

Eine Königin in Form und Farbe #

Schwertlilienwanderung#


Heimatlexikon - Unser Österreich


Ein Beitrag aus
"Heimatlexikon - Unser Österreich"
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Karte
Karte
© André Winter

START: Bangshof, Ruggell

KURZFASSUNG: Ruggell, Bangshof, Grenze Österreich – Fürstentum Liechtenstein, Bundesstraße und zurück

HÖCHSTE WEGSTELLE: 433 m

HÖHENUNTERSCHIED: keiner

REINE GEHZEIT: 2 Stunden

SCHWIERIGKEIT: Charakter eines Spazierweges

TIPP: Am Sonntag gibt es beim Bangshof Brunch von 9–13 Uhr. Auch gut für eine Radtour geeignet

Schwertlilie
Schwertlilie
© Susanne und Rainer Altrichter

Sibirische Schwertlilie #

(Iris sibirica)

Familie: SCHWERTLILIENGEWÄCHSE (Iridaceae)

Die Sibirische Schwertlilie, mit ihren tausenden Züchtungsarten, die jeden Gartenliebhaber erfreuen, kommt in der freien Natur nur sehr selten vor. Die stattliche, 50–100 cm hohe, mehrjährige, winterharte Pfl anze hat lange, grasähnliche, 2–6 cm breite Blätter mit parallel laufenden Blattnerven. Die sechs schönen, blauvioletten Blütenhüllblätter mit starker Aderung sind am Grund in einer schmalen Röhre verwachsen, wobei die äußeren 3 nach unten hängen und die inneren 3 aufrecht stehen, letztere nennt man Domblätter.

In einer prachtvollen, filigranen Blüte erscheinen sie zwischen Mai und Juni, eine bis drei Blüten pro Stängel. Meist durch Hummeln bestäubt, bildet die Frucht eine Kapsel mit vielen Samen, die sowohl durch den Wind ausgeschüttet als auch durch das Wasser verbreitet werden. Neben Schilfrohrgürteln und seichten Ufern der Seen und Teiche bevorzugt die Sibirische Schwertlilie ungedüngte Wiesen und Flussauen auf kalkhaltigem Boden als Standorte. Durch die intensive Landwirtschaft und Entwässerung von Feuchtgebieten wird sie leider immer seltener und somit ist diese wunderschöne Art stark bedroht und steht unter strengem Naturschutz, um die kleinen Paradiese ihres Vorkommens zu erhalten.

Die Wurzel wird in der Volksmedizin erwähnt, zahnende Kinder sollen durch das Kauen oder einfache Umhängen der Wurzelstückchen Erleichterung finden.

Schwertlilie
Schwertlilie
© Susanne und Rainer Altrichter

Wenn sich das Ruggeller Ried im Frühsommer in ein Blütenmeer verwandelt, sollte man nicht lange überlegen, denn das Schauspiel im Naturschutzgebiet ist nur von kurzer Dauer.

In einer Symphonie von Lila leuchten zehntausende Blüten der Sibirischen Schwertlilie und überziehen in Massen den Boden im feuchten Schwemmland. Mit den verschiedensten Farb- und Blütenkombinationen – sei es das weiße Wollgras, der hellgelbe Ackersenf oder die großen, dunkelgelben Sterne des so selten gewordenen Wiesenbocksbarts – hat jedes Feld seinen eigenen Charakter. Die Iris entfalten ihre wahre Schönheit nur in der Freiheit, machen sich in der Wildnis rar und verwöhnen das Auge – Königinnen in Form und Farbe. Um den Bestand zu halten, werden die „blauen Wiesen“ jährlich gemäht.

Viele Sagen ranken sich um die Sibirische Schwertlilie. Eine davon erzählt von einer Schlossherrin, die von bösen Vorhaben ihres Mannes hörte. Kurzentschlossen ließ sie Bier in großen Mengen fließen, und als ihr Mann und seine Krieger betrunken waren, nutzte sie die Gunst der Stunde und entwendete deren Schwerter, um diese wegzuwerfen. Dort, wo sie zu liegen kamen, wuchsen bald die schönsten Schwertlilien.

Die berühmte Wappenlilie der Bourbonen ist eine stilisierte Schwertlilie.

Fürstentum Liechtenstein – klein, aber weltbekannt #

Entwässerungskanal
Entwässerungskanal
© Susanne und Rainer Altrichter

Liechtenstein gilt mit Recht als ein Überbleibsel aus früheren Jahrhunderten. Als eines der wenigen Fürstentümer konnte es durch geschicktes Verhalten politisch und wirtschaftlich überleben. Dass es einst mit der österreichischen Monarchie eng verbunden war, zeigen der Name, das Stammschloss bei Mödling und die zahl- reichen Besitztümer der Fürstenfamilie in Österreich. Und natürlich das Grenzschild bei Bangs, das den Wanderer darauf verweist, dass er an dieser Stelle das „Kaiserthum Österreich“ betritt. Der Grenzübertritt wird hier freilich nicht kontrolliert, und außer der Tafel weist auch nichts auf zwei verschiedene Staaten hin. Die Sprache im Dreiländereck von Schweiz, Liechtenstein und Österreich ist alemannisch geprägt, von den frühen rätischen Siedlern künden hier und da noch Flurnamen, vor allem im Gebirge und auf den Schwemmkegeln, welche, da klimatisch begünstigt, erste Siedlungsgebiete waren. Das tiefer gelegene breite Tal des Rhein, glazial überformt und jahrhundertelang von Überschwemmung bedroht, wurde erst mit der Rheinregulierung für Besiedlung und Landwirtschaft sicher und dadurch besser nutzbar. Dass man dabei manchmal etwas zu viel des Guten tat, den Rhein in ein enges Korsett zwängte und durch die wohlgemeinte Maßnahme der Natur schadete, kam erst später zum Bewusstsein. Heute wird versucht, dem natürlichen Zustand wieder nahe zu kommen, den Rhein zu revitalisieren und zu renaturieren, Überschwemmungsflächen zu schaffen, ohne dabei die Flora und Fauna, die durch den Rheindamm und den Binnenkanal entstanden sind, zu zerstören.

Wiesenbocksbart.
Wiesenbocksbart
© Susanne und Rainer Altrichter

Wegweiser
Tafel Kaiserthum Österreich
© Susanne und Rainer Altrichter

Die Rietlandschaft ist in einem empfi ndlichen Gleichgewicht. Das Flachmoor und die Streuwiesen mit ihren eiszeitlichen Relikten, wie der Iris, oder mit dem selten gewordenen Wachtelkönig sind Naturschutzgebiete, zu beiden Seiten der Grenze und daher auch durch den Besucher entsprechend behutsam zu betreten.

Vom tiefsten Punkt des Landes mit 430 m richtet sich der Blick zu den Höhen des Rätikon, mit Gipfeln bis zu 2.600 m, etwa des Grauspitz.

Gegensätze machen einen Gutteil des Charmes des Fürstentums aus. Hier die raue Bergwelt, dort Weinanbau in föhnbegünstigten Lagen. Da ursprüngliche Wiesen, traditionelle Landwirtschaft, ein einfacher, freundlicher Menschenschlag, dort Hochtechnologie und Industrie, Kunstsinn und wertvolle Sammlungen. Und als international bekanntes und vielbeschriebenes Phänomen die Briefkastenfi rmen, Stiftungen, anonymen Bankkonten und Schnittstellen der Hochfi nanz. Über all dem thront der Fürst als mächtiger Herrscher in einem demokratischen Land, in dem die Monarchie durch Volksbeschluss jederzeit aufgehoben werden kann.

Wandern durch die blauen Wiesen #

Autobahn A 14/E 60 Ausfahrt Feldkirch/ Frastanz bzw. von Norden Ausfahrt Rankweil oder A 13 Ausfahrt Sennwald. Nofels Zentrum (Pfarrkirche), hier Beschilderung „Ruggell“ folgen, bis zur Grenze (Pass nicht vergessen). Auf der Nofl erstraße bis Ruggell, rechts in die Unterdorferstraße abbiegen, wieder rechts Fallagasse zum Bangshof.

Wollgras
Wollgras
© Susanne und Rainer Altrichter
Schwertlilien
Schwertlilien
© Susanne und Rainer Altrichter

Die Wanderung beginnt beim Bangshof in Ruggell im niedrigsten Teil Liechtensteins. Auf einem Fahr- und Radweg in Richtung Bangs, einem Ortsteil der Gemeinde Feldkirch. Der Weg führt ca. 1½ km nach Norden bis zur Grenze Ö/FL, vorbei an dem alten Grenzerhäuschen bis zur großen Wanderkarte und der Tafel mit der Inschrift „Kaiserthum Österreich“. Nach Betrachten der nostalgischen Kuriosität gehen wir denselben Weg 50 m zurück und biegen rechts in den Wirtschaftsweg Bangserwiese ein. Weiter geht es über die erste Brücke des Spiersbaches und gleich nach Überqueren der zweiten Brücke scharf rechts in ein Wiesenweglein. Der Blick zurück fällt auf die Ausläufer des Rätikon, von links grüßt der Säntis, rechts der Bregenzer Wald. Durch die mit Lilien durchsetzte Ebene wandern wir beschaulich bis zur Bundesstraße, und immer wieder ergeben sich fotowirksame Kontraste. Links führt ein Fahrweg vor dem Grenzübergang in den lichten Wald. Vorbei an einem Haus (Schild „Privatbesitz“) zurück Richtung Süden. Der Schotterweg wird immer schmäler – rechts und links begleiten die wahrscheinlich spektakulärsten Lilienvorkommen weit und breit, die Harmonie zwischen Naturgarten, Himmel und Wasser scheint hier vollkommen zu sein, eine überirdische Ruhe breitet sich aus. Künstler sitzen auf kleinen Schemelchen und versuchen, mit gekonnten Pinselstrichen die einmalige Stimmung festzuhalten.

Der schmale Pfad verengt sich zusehends, schlängelt sich durch die Wiese und stößt bald auf den Weg zur Brücke. Links und rechts bietet sich ein Abstecher zum Binnenkanal des Rhein mit seinem Mündungsgebiet an. Der Weg zurück zum Bangshof entspricht dem Hinweg.


Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung des Stocker Verlags aus dem schönen Buch:

Susanne und Rainer Altrichter. Die schönsten Blütenwanderungen in Tirol und Österreich. Leopold Stocker Verlag, Graz 2010.


--> Bestellung des Buches (Leopold Stocker Verlag)

--> Web Book

« Diese Seite wurde am Montag, 23. April 2012, 12:49 von System erstellt, zuletzt geändert am Montag, 8. April 2013, 13:30 von Ziegler Katharina (Version 6).
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