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Seeprozessionen#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Seeprozession
Fronleichnamsprozession am Traunsee
© IMAGNO, Foto: Erich Widder

Prozessionen, religiöse Umzüge, finden nicht nur zu Lande, sondern auch auf dem Wasser statt. Berühmt sind die Fronleichnamsprozessionen auf den Salzkammergutseen (Oberösterreich). Ursprünglich sollte auf diese Art die Lebensgrundlage (üblicherweise die Felder, hier der Salzbergbau) durch Segen gesichert werden. Die prächtige Ausformung geht auf die Zeit der Gegenreformation zurück, als die Jesuiten hier einen hohen Anteil protestantischer Bevölkerung antrafen. Heute sind Seeprozessionen beliebte Ziele des Brauchtumstourismus.

Die Hallstätter Seeprozession ist seit 1623 bekannt, fünf Jahre später übernahm die Saline das Patronat in Form einer Stiftung. Es nehmen weiß gekleidete Mädchen, Goldhauben-Frauen und Männer mit Zunftfahnen teil. Der erste Altar steht bei der Dreifaltigkeitssäule am Marktplatz. Zwei Schiffe - der Priester mit dem Allerheiligsten auf der "Himmelsfuhr" - und die Musik werden auf den See hinausgerudert. Mit Blick auf den Salzberg bleibt man stehen und der Priester spricht den Segen. Die dritte Station, bei der Insel, ist den Bergarbeitern und dem Fremdenverkehr gewidmet, die vierte, beim Kriegerdenkmal, dem Totengedenken.

In Traunkirchen haben die Jesuiten die Seeprozession 1632 eingeführt. Auch hier gibt es zwei Hauptschiffe, die "Himmelsfuhr" für die Geistlichkeit und Begleiter mit Zunftfahren und die "Gegenfuhr" für die Pfarrangehörigen. Die erste Station ist beim Hotel in Winkl-Buch, zwei weitere auf dem See und die vierte auf dem Ortsplatz.

In Kärnten nehmen an der Schiffsprozession in Millstatt am "Kranzltag" die Schützen teil. Anschließend findet das Domitian-Fest mit Kurkonzert am Schillerstrand statt. Am Christi Himmelfahrtstag ist der Wörthersee Schauplatz einer spektakulären Schiffsprozession, Illumination, Musik und Feuerwerk. Anlass war im Marianischen Jahr 1954 eine Fatima-Muttergottes, die feierlich in die Sankt-Josefs-Kirche in Klagenfurt-Siebenhügel gebracht wurde. Jetzt steht die ganze Wörtherseeflotte im Dienst des Brauches, und in den Urlaubsorten wird Station gemacht. Höhepunkt ist der Aufenthalt in Maria Wörth mit einer Ansprache des Bischofs.

Quelle#

  • Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S.109 f., 139
Redaktion: hmw