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Die Sekte der Springer#

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

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Kirche von Hlg. Geist
Kirche von „Hlg. Geist/Sveti Duh" bei Leutschach.
© Willi Senft

Sie springen wunderlich in die Höhe, gaukeln seltsam, scheinen übernatürliche Kräfte zu besitzen, und wenn sie darauf in einen tiefen Schlaf verfallen, erzählen sie danach unglaubliche Dinge: So etwa, dass sie Gott auf seinem Thron samt dem himmlischen Heer gesehen, dass ihnen Christus samt den Aposteln erschienen sei und dass sie der Welt predigen und großes Unglück verkündigen sollen, wenn nicht an dem Ort, an dem sie zu „springen" pflegen, eine Kirche erbaut würde. So berichtet ein Zeitzeuge vom Ende des 16. Jhdts. Und der steirische Topograph Janisch schreibt 1885, dass sie an die „Tanzenden Derwische" erinnert hätten.

Das breite Volk folgte diesen „unglaublichen" Geschehnissen mit Begeisterung und Hingabe und spendete Geld und Naturalien für den Bau eigener Kirchen.

Die „wunderlichen" Tätigkeiten entfalteten sich also im „Freiraum" der Reformationszeit und - vielleicht gar nicht so unerwartet - im wohl abgelegensten Winkel der Steiermark, in der Soboth, von wo sie dann zum „Heiliggeistberg" bei Leutschach übersprangen und sich auch nach St. Leonhard in den Windischbüheln fanden.

Für die Kirchenlehrer war das damals natürlich bösestes Heiden-Ketzertum und die Kommissionen der Gegenreformation setzten im Jahre 1600 alle drei „Springerkirchen" in Brand. Ebenso wurden an allen Plätzen auch ein „Hochgericht" eingesetzt und die Rädelsführer hingerichtet.

Wandertip#

Von Leutschach Leutschach, Steiermark durch die Hl. Geist-Klamm zur Kirche von Hl. Geist/Sveti Duh: Wir fahren von Leutschach bis zum Gh. Spitzmühle und folgen von dort der grünweißen Markierung mit der Nr. 1 durch die romantische „Heiliggeist-Klamm". Kleine Wasserfälle, glattgeschliflfene Felsplatten, moosüberwachsene Steintrümmer und an manchen Stellen ins Wasser gestürzte Baumstämme geben der kleinen Schlucht ihr urtümliches Gepräge, und das Bächlein in der Schlucht wird oft auf Trittsteinen überquert. Nach der Klamm gehen wir zum Gh. Waucher weiter und folgen der Markierung (Achtung auf Staatsgrenze, Reisepaß einstecken) direkt hinauf zur Kirche von Sveti Duh („Hl. Geist"), die am höchsten Punkt des Grenzkammes (906 m), knapp schon auf slowenischer Seite liegt. Sie bietet eine prachtvolle Aussicht auf das Grazer Bergland und die Koralm.

(Gesamtgehzeit 3 Std., Karte: Freytag & Berndt Nr. 4l)

Quellen#

  • Text und Bild aus: Steirischen Geheimnissen und Kuriositäten auf der Spur, Hilde und Willi Senft, MEDIA Marketing G.m.b.H. 2000


Redaktion: Hilde und Willi Senft