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Heimatlexikon - Unser Österreich

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* 6. 5. 1856, Freiberg (Přibor Pribor , Tschechische Republik)


† 23. 9. 1939, London (Großbritannien)


Neurologe, Begründer der Psychoanalyse


Sigmund Freud
Sigmund Freud. Foto, 1938.
© Edmund Engelman, Wien, für AEIOU

Sigmund Freud
Sigmund Freud mit Ehefrau Martha und Tochter Anna im Garten der Berggasse 19. Wien. Photographie 1898.
© IMAGNO/Ullstein

Sigmund Freud
Sigmund Freud mit Ehefrau Martha und fünf Kindern sowie Minna Barnays im Garten des Hauses Berggasse 19. Wien. Photographie 1898.
© IMAGNO/Ullstein


Siegmund Freud wurde am 6. Mai 1856 in Freiberg in Mähren als Sohn jüdischer Eltern geboren.

Sein Vater, ein Wollhändler, war bei Sigmunds Geburt schon fast vierzig Jahre alt und in dritter Ehe mit Amalia Freud verheiratet. Freud hatte zwei ältere Halbbrüder aus den früheren Ehen seines Vaters sowie sieben jüngere leibliche Geschwister.

Das väterliche Geschäft ging in Folge der Wirtschaftskrise bankrott, 1860 zog die Familie aus wirtschaftlichen Gründen nach Wien. Dort besuchte Freud das Gymnasium und maturierte 1873 mit Auszeichnung.

1873 begann er ein Studium an der medizinischen Fakultät der Universität Wien,

Von 1876 bis 1882 arbeitete er im physiologischen Labor von Ernst Wilhelm Ritter von Brücke und betrieb hirnanatomische Studien bei dem Hirnpathologen Theodor Meynert. 1879 absolvierte er seinen einjährigen Militärdienst und 1881 promovierte er mit dem Thema "Über das Rückenmark niederer Fischarten" zum Doktor der Medizin.

Nach seiner Habilitation 1885 erhielt Freud im September eine Privatdozentur für Neuropathologie an der Universität Wien.

Er studierte 1885/86 bei J. M. Charcot in Paris, 1889 bei Liébault und Bernheim in Nancy die Hypnosetechnik und die Probleme der Hysterie. Seine (Selbst-)Versuche mit Kokain führten zur Entwicklung der Lokalanästhesie.

1886 ließ er sich als Arzt nieder und leitete die neurologische Abteilung im Ersten Öffentlichen Kinder-Krankeninstitut von Max Kassowitz bis 1897.

1886 heiratete Freud Martha Bernays, sie hatten gemeinsam sechs Kinder, darunter Anna Freud.


Freud ging zunächst vom "kathartisch-therapeutischen" Verfahren J. Breuers aus, ersetzte aber bald dessen hypnotisches Heilsystem durch seine eigene Behandlungstechnik der "freien Assoziation" (verdrängte unangenehme Erlebniserinnerungen werden ins Bewusstsein gebracht). Dabei ging er von seiner Grundidee aus, dass die Ursache vieler seelischer Krankheiten in Kindheitserlebnissen zu suchen sei.

Ab 1899 entwickelte er die Traumdeutung, 1900 erschien seine theoretische Schrift "Die Traumdeutung", mit der er die Grundbegriffe der Psychoanalyse schuf.


Seine Psychoanalyse stellt die Grundlage der modernen Tiefenpsychologie und Psychotherapie dar und war Ausgangspunkt weiterer Lehren, so der Individualpsychologie A. Adlers, C. G. Jungs komplexer Psychologie und der Lehre W. Stekels. Hervorgegangen aus einer Lehre von den Trieben, wurde die Psychoanalyse durch Freud zu einer umfassenden Lehre von der Gesamtpersönlichkeit des Menschen entwickelt. Seine Gedanken und Arbeiten beeinflussten nicht nur die moderne Psychologie, vor allem die der angloamerikanischen Welt, sondern auch andere Gebiete des Kulturlebens, wie Ästhetik, Religionswissenschaft, Literatur und Ethnologie.

Ab 1902 lehrte Sigmund Freud als Professor für Neuropathologie an der Universität Wien.

Er etablierte in seiner Wohnung die "Psychologische Mittwochsvereinigung", eine Runde, in der Forschungsergebnisse diskutiert wurden. 1905 erschien sein Titel "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie".

Im Jahr der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 wurde die Schrift "Warum Krieg?", die in Zusammenarbeit zwischen Freud und Albert Einstein entstand, veröffentlicht. Freuds Schriften fielen den Bücherverbrennungen im NS-Reich zum Opfer.


1935 wurde er zum Ehrenmitglied der British Royal Society of Medicine ernannt. 1938 emigrierte Sigmund Freud - zusammen mit seiner Tochter Anna Freud - nach Großbritannien, wo er in London als Psychoanalytiker tätig war.


Sigmund Freud starb am 23. September 1939 in London.

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