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Steinkulte am Wolfgangsee#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Wo der Heilige seine Axt schleuderte#

Das Falkensteinkircherl ist so an eine Felswand angebaut, daß die dortige Höhle mit dem Schliefstein in den Bau einbezogen werden konnte., © Willi Senft
Das Falkensteinkircherl ist so an eine Felswand angebaut, daß die dortige Höhle mit dem Schliefstein in den Bau einbezogen werden konnte.
© Willi Senft

Oberhalb des Wolfgangsees Wolfgangsee, Österreich , dort, wo der heilige Wolfgang der Legende nach seine Axt hinuntergeschleudert hatte, um eine erste Kirche im Heidenland zu errichten, steht heute das Falkensteinkircherl. Es wurde dicht an eine glatte Felswand mit einer dahinter befindlichen Höhle angebaut. Man wundert sich, daß es nicht oben, am höchsten Punkt des Falkensteins, aufgeführt wurde, von der aus man einen Prachtblick über den gesamten Wolfgangsee und seine umliegenden Berge genießt.

Im Schliefstein des Falkensteins wird man seine Sünden los#

In der erwähnten Höhle befindet sich eine sogenannte Durchkriech- oder Schliefstelle, in der man im oder gegen den Uhrzeigersinn um einen natürlichen Felspfeiler kriechen kann - offensichtlich eine uralte Kultstelle, die im Zuge der Christianisierung geschickt in den Kirchenbau einbezogen wurde.

Beim Zwängen durch den Spalt des Schliefsteins wird man Sünden und Krankheiten los..., © Willi Senft
Beim Zwängen durch den Spalt des Schliefsteins wird man Sünden und Krankheiten los...
© Willi Senft

Auch heute noch üben die Wallfahrer diesen Brauch und hoffen, beim Durchzwängen durch den Spalt schwere Sünden, vor allem aber auch Krankheiten loszuwerden. Menschen, die jedoch Todsünden begangen haben, bleiben laut Überlieferung im Spalt stecken... - Der "Durchkriech-Stein" in der Rochushöhle bei St. Gallen im Ennslal hat übrigens dieselbe Funktion.

Wenn in unserer Zeit die Wallfahrer an gewissen Bitt- und Prozessionstagen betend den Altar einer Kirche umrunden und dabei einzeln den engen Raum hinter Altar und Mauer durchschreiten, so scheint auch dies mit den genannten Anliegen zu tun zu haben.

Dieses Phänomen findet sich besonders häufig auch in Asien, wird doch schon in den Veden, den ältesten heiligen Schriften der Inder, das Durchzwängen zwischen bestimmten Steinen als unheilbannend bezeichnet.

Die "Minimauer" vom Falkenstein#

Der schön angelegte, aber steile alte Wallfahrerweg von Fürberg hinauf zum Kirchlein ist als "Kreuzweg" eingerichtet. An seinem Beginn finden sich im Wald unzählige, bis zu kopfgroße Steinbrocken. Ein alter Brauch will es, daß jeder Wallfahrer - und das geschieht bis auf den heutigen Tag - einen solchen Kalkschutt-Brocken als Bußübung den schweißtreibenden Pfad aufwärts trägt.

Die 'Manimauer'., © Willi Senft
Die "Manimauer".
© Willi Senft

Wenn man nach ca. zwanzig Minuten den Beginn eines flachen Geländeeinschnitts erreicht, an dem sich etwas oberhalb das Wallfahrtskircherl an die Felswand schmiegt, erblickt man eine Kapelle. Und siehe da: Parallel zum Weg liegt ein etwa sechs Meter langer und eineinhalb Meter hoher Haufen lose aufeinandergeschichtcter Steine, die von den Wallfahrern heraufgetragen wurden - eine echte "Manimauer", wie sie vor jedem Tempelheiligtum in Tibet anzutreffen ist, ("Mani" sind die Gebetsmühlen der Lamas, aber auch Mauern mit Gebetsformeln.)

Jeder Wallfahrer legt seinen Stein dazu und hofft sodann - am besten in Kombination mit dem Durchkriechen - auf eine besonders wirkungsvolle Vergebung seiner Sünden.

In Dietrichshag bei Altenmarkt im steirischen Ennstal steht am Rochusberg eine Kapelle des hl. Wolfgang, und auch dort findet sich ein solcher Steinwall. Ähnliches ist am Sigmundsberg bei Mariazell und am Weg zu einigen Südtiroler Wallfahrtsorten zu sehen.

Durch Drehen des etwa 15 kg schweren 'Wunsch-Steines' sollen alle Wünsche in Erfüllung gehen..., © Willi Senft
Durch Drehen des etwa 15 kg schweren "Wunsch-Steines" sollen alle Wünsche in Erfüllung gehen...
© Willi Senft

Geht man vom Falkensteinkircherl einige Minuten weiter in Richtung St. Wolfgang, gelangt man an der höchsten Stelle des kleinen Sattelüberganges zum

Zeichen im Stein#

Hier finden sich im Felsen drei Eindellungen, die auf den hl. Wolfgang zurückgeführt werden: Der Teufel, dem das fromme Leben des Einsiedlers nicht benagte, soll die Felsen zusammengeschoben haben, um ihn zu erdrücken. Wolfgang stellte sich jedoch mit ausgestreckten Armen gegen den fallenden Berg und hinterließ die Abdrücke von Haupt und Händen.

Setzt man sich 'ein Vaterunser lang' auf den 'Wachsweichen Stein', werden etliche Leiden gelindert., © Willi Senft
Setzt man sich "ein Vaterunser lang" auf den "Wachsweichen Stein", werden etliche Leiden gelindert.
© Willi Senft

Über diese Steinabdrücke wurde ein Kapelle gebaut. Die Pilger stellen sich in ihr in die gleiche Position wie einst der hl. Wolfgang und erhoffen sich Heilung von Kopfschmerzen, wenn sie ihren Kopf in die Vertiefung legen.

Wieder nur ein kurzes Wegstück weiter gelangt man zum

Wunsch-Stein,
"wo der heilige Wolfgang das Hackl warf".#

Hier wurde über den Sockelresten eines gotischen Bildstocks ein kapellenähnliches Häuschen errichtet, in dem sich der sogenannte "Wunsch-Stein" befindet: Auf einer vom vielen Drehen schon glattgeschliffenen Steinplatte liegen zwei Steine übereinander, von denen der kleinere immerhin etwa 15 kg wiegt. Eine nicht allzu schwache Person kann ihn gerade noch drehen. Gelingt dies dreimal, gehen die dabei gedachten Wünsche in Erfüllung.

Nochmals in Richtung Rein bei St. Wolfgang weitergehend, erreicht man im Wald das fünfte Steinmal, den

Wachsweichen Stein.#

Als der Heilige - so erzählt die Legende - vom Falkenstein herabstieg, um seine Axt zu suchen, rastete er auf diesem Stein - und siehe da, der harte Kalkfels wurde zu einem wachsweichen Bett...

Der Mondseer Abt Bernhard Lidl beschrieb schon in seinem Mirakelbuch von 1732, daß Wallfahrer, die sich hier müde "auf ein Vaterunser lang" zur Ruhe niedergelassen hätten, nicht nur erquickt aufgestanden seien, sondern auch von allen möglichen Leiden befreit worden wären.

Quellen#

Hilde und Willi Senft: Geheimnisvolles Salzkammergut. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002; 2. Auflage 2003.


Redaktion: Hilde und Willi Senft