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Heimatlexikon - Unser Österreich

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Sternwarte Kremsmünster#

Die Sternwarte wurde als naturwissenschaftliche Arbeitsstätte der Benediktiner von Kremsmünster 1749-1758 erbaut. Der "Mathematischer Turm" galt mit seinen 50 m Höhe als erstes Hochhaus Europas.

1762 richteten die Benediktiner eine Wetterstation, 1895 eine seismische Beobachtungsstelle ein.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts diente das Gebäude neben geophysikalischen Messungen der astronomischen und meteorologischen Forschung. So entstand hier die längste Messreihe von täglichen Temperatur- und Wetterdaten der Welt.

Damit kann Kremsmünster als einzige Wetterstation eine Messreihe von fast 250 Jahren vorweisen, die nie durch einen Standortwechsel unterbrochen wurde - bis heute ist die Sternwarte die naturwissenschaftliche Arbeitsstätte der Benediktiner von Kremsmünster.

Als Universalmuseum verschiedener naturwissenschaftlicher Fachgebiete ist die Sammlung ein "Museum im Museum". Die letzte Aufstellung erfolgte im Jubiläumsjahr 1977. Die Besichtigung ist nur im Rahmen von Führungen (ab 4 Personen) möglich.

Kremsmünster
Foto: Österreich Werbung / Diejun

Der Rundgang beginnt im "Wetterkammerl", wo seit fast einem Vierteljahrtausend meteorologische Beobachtungen angestellt werden.

Die geologischen, paläontologischen und prähistorischen Sammlungen verdanken ihre Entstehung P. Leonhard Angerer (1861-1934), der in regem Kontakt mit dem Wiener Paläobiologen Othenio Abel (1875-1946), viele Objekte zusammentrug und für ihre Aufstellung sorgte. Bemerkenswerte Stücke sind ein 1906 erworbener Ichthyosaurier, das von Abel zusammengestellte Höhlenbärenskelett aus der Lettenmaierhöhle in Kremsmünster und der 1645 bei Krems aufgefundene Mammutknochen, den schon M. Merian abbildete.

Das mineralogische Kabinett umfasst 12.000 Stücke. Den Grundstock bildet die 1782 von Roger von Rutershausen angekaufte Sammlung, die seit 1803 in ihren schönen Vitrinen in der Sternwarte ausgestellt ist.

Die Ausstellungsstücke des physikalischen Kabinetts stammen zum einen aus den Forschungsbereichen der Sternwarte (Geodäsie, Meteorologie, Seismik), zum anderen sind es Geräte, die zu physikalischen Demonstrationen im Unterricht Verwendung fanden. Zudem werden die neuesten Aufzeichnungen der Seismik gezeigt.

Seit 1880 befinden sich im Hohen Saal die zoologischen Sammlungen, fast ein Jahrhundert später kamen die botanischen dazu. Zu den Besonderheiten zählen die Xylothek, eine Holzsammlung in Buchform, sowie die Pilzmodelle aus Wachs von L. Trattinnick (Wien, 1764-1849). Weiters gehören dazu die Glasmodelle von Meerestieren, angefertigt von L. Blaschka (Dresden, gest. 1895) und die umfangreiche Kolibri-Sammlung, die auf P. Anselm Pfeiffer (1848-1902) zurückgeht. Präparate exotischer Tiere spendete der Linzer Arzt und Afrikaforscher Dr. August von Genczik (1810-1864).

Der fünfte Stock ist der Kulturgeschichte gewidmet. Im Zentrum der volkskundlichen Sammlung steht das Modell eines Vierkanthofes, ergänzt durch Gegenstände und Trachten aus bäuerlichen und bürgerlichen Häusern. Die völkerkundliche Abteilung umfasst u.a. eine ägyptische Mumie, römische Fundstücken und Objekte aus der Türkei, Ostafrika und Neuguinea.

Das ehemalige Observatorium im sechsten Stock wurde als astronomisches Museum eingerichtet. Zu sehen sind u. a. der astronomische Tisch (1590), astronomische Beobachtungsinstrumente, darunter ein Sextant aus Eisen, den wahrscheinlich Johannes Kepler in Prag verwendete, Taschensonnenuhren, Erd- und Himmelsgloben und die ersten astronomischen Aufzeichnungen der Kremsmünsterer Sternwarte.

Im Kapellenzimmer finden sich die Altarnische, die Bilder des Erbauers der Sternwarte, des Abtes Alexander Fixlmillner (Abt 1731-59), des Stiftsökonoms P. Nonnos Stadler (1696-1783) sowie Holzmodelle der Sternwarte von P. Anselm Desing (1699-1772).

Von der anschließenden Terrasse überblickt man das Stiftsareal und kann bis zum Toten Gebirge sehen.

Quellen#


Redaktion: hmw