Sternwarte bei Höhenberg - Austria-Forum : Heimatlexikon

Ein Blick in die Unendlichkeit #

Die Sternwarte bei Höhenberg: Weltraumforschung im Waldviertel #



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Sternwarte bei Höhenberg
Die Sternwarte von Höhenberg bei Gmünd.
© Eva Wrazdil

Für viele von uns längst ein ungewohnter Anblick: Über dem Dorf Höhenberg nahe Gmünd ist der Himmel klar und voller Sterne. Einen davon darf man sich aussuchen, seinen persönlichen Glücksstern, und einmal ganz aus der Nähe anschauen, dank der vor kurzem dort errichteten Sternwarte.

Die Auswahl überlässt man dem Astronomen Hermann Lahofer, der mittels eines Lichtlasers das Sternbild Herkules nachzeichnet und das Teleskop darauf einrichtet: „Ein Trapez aus vier Sternen. Genau in der Hälfte, mit freiem Auge nicht sichtbar, befindet sich ein Kugelsternhaufen, ein Überbleibsel aus der Entstehung unserer Galaxie.“ Die Milchstraße zieht sich als feiner Lichtschleier von Horizont zu Horizont, und wir stehen hier heroben im Waldviertel mitten drin, als unvorstellbar kleiner Punkt, und machen uns auf, Tausende von Jahren in die Vergangenheit zu blicken. „25.000 Lichtjahre ist dieser Sternhaufen entfernt“, versucht Lahofer endlich Ordnung in die Unendlichkeit des Kosmos zu bringen, „astronomisch bedeutet diese Entfernung noch gar nichts. Die Milchstraße hat einen Durchmesser von 120.000 Lichtjahren mit 150 Milliarden Sonnen, von denen man nur einen Bruchteil sieht.“

Lahofer: „Der Sternhaufen besteht aus sehr alten Sonnen, die zur Mitte hin dichter werden“ und von einem Schwarzen Loch beherrscht werden, „das verhindert, dass die Sterne auseinanderfliegen.“ Ein Schwarzes Loch ist der Rest eines Sternes, dessen Masse – und damit die Anziehungskraft – so groß ist, dass nicht einmal Licht entweichen kann.

Günter Stöckl
Verliebt in den Weltraum: Malermeister Günter Stöckl.
© Eva Wrazdil

Das Fernrohr, ein 14-Zoll-Spiegelteleskop, wandert weiter auf ein anderes Objekt, auf die Wega, den hellsten Stern im Sternbild Leier. In der Vergrößerung werden zwei Sterne sichtbar: eine bläuliche und eine orange Sonne, die dem Astronomen mit ihren Farben ihr verschiedenes Alter, aber auch ihre chemische Zusammensetzung verraten. Lahofer kommt dabei zugute, dass er im Hauptberuf Chemiker ist: „Jedes thermische Element strahlt eine bestimmte Farbe aus. Mit einem Prisma wird ein Spektrum sichtbar gemacht. Man schaut damit ins Atom hinein. Die verschiedenen Farben im Spektroskop sind nichts anderes als die Fingerabdrücke der Elemente.“

Teleskope
Teleskope des Waldviertler Observatoriums.
© Eva Wrazdil

Mit dem Blick durchs Teleskop werden seine Erklärungen auch dem Laien verständlich, womit bereits eines der Vorhaben erfüllt ist, das dem Bau dieses Oberservatoriums bei Höhenberg in der Gemeinde Dietmanns zugrunde gelegt wurde. „Es soll auch eine Volkssternwarte sein“, sagt Lahofer. Schulklassen und Amateursterngucker sind zum Blick ins All herzlich eingeladen. Der eigentliche Grund für den Bau war aber die Leidenschaft einiger Sternenverrückter, der Gmünder Weltraumfreunde, allen voran Malermeister Günter Stöckl, die sich 2001 mit dem studierten Astronomen Lahofer zur Waldviertler Astronomischen Gesellschaft zusammengetan haben. Nach einer Nacht am Teleskop versteht man ihre Passion, der man selbst ganz leicht verfallen kann. Auslöser war der Gelegenheitskauf eines Observerdomes, einer Kuppel, die sich auf den bedeutendsten Sternwarten der Welt findet. Nach ihren Ausmaßen wurde die Waldviertler Volks- und Vereinssternwarte errichtet. Bestückt ist das Observatorium mit drei Fernrohren, dem oben erwähnten Spiegelteleskop und zwei kleineren Linsenrefraktoren.

Ausgesucht wurde der Platz in erster Linie wegen der ungestörten Dunkelheit. Die wenigen Häuser der Ortschaft Höhenberg zählen nicht. Die nächste Stadt ist Gmünd, deren ohnehin bescheidener Lichtschein durch ein Waldstück abgedeckt wird. Im Norden erstreckt sich eine kaum besiedelte Teichlandschaft in Tschechien. Nach Süden ist die himmlische Aussicht nahezu unbegrenzt. Es wird versichert, dass man von dieser Warte aus am 39. südlichen Breitengrad den Himmel über Südafrika beobachten kann.

Während man in der beißend kalten Waldviertler Nachtluft in der offenen Kuppel eine Ahnung von der Kälte des Weltraums erfährt, wendet sich das Gespräch mit dem Astronomen Lahofer ins Philosophische. Was ist der Äther? Was befindet sich in den unendlichen Entfernungen zwischen den Sternen? Trotz aller Forschung konnte diese Frage bis heute nicht geklärt werden. Sicher ist lediglich, dass Licht zu seiner Reise durch die Weiten des Alls zwar kein Transportmedium, sehr wohl aber Zeit braucht.

Im Okular des Spiegelteleskops ist nun unterhalb der Wega ein feines weißes Rauchringerl zu sehen. „M57, ein Ringnebel.“ Lahofer ist begeistert. „Einer der schönsten planetarischen Nebel!“ Was sich dort draußen im Moment vor unseren Augen abspielt, ist zu einer Zeit passiert, als es uns Menschen noch gar nicht gegeben hat. Lahofer: „Sterne sind inzwischen explodiert, ihre Substanzen wurden in den Weltraum hinausgeschleudert und haben einen neuen Planeten gemacht. Irgendwann ist dessen Sonne ebenfalls explodiert, bis ein Planet kommt, auf dem wieder Leben entstehen kann. So besehen, sind wir nichts als Sternenstaub.“

--> www.sternwarte-hoehenberg.at


Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung des Stocker Verlags aus dem schönen Buch:

Hannes Gans, Eva Wrazdil: Geheimnisvolles Waldviertel. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2007.

--> Bestellung des Buches (Leopold Stocker Verlag)

« Diese Seite wurde am Mittwoch, 18. April 2012, 09:37 von Ziegler Katharina erstellt, zuletzt geändert am Montag, 8. April 2013, 14:56 von Ziegler Katharina (Version 5).
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