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Strohschab#

Die Strohschab vom Hinterbergtal

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Strohschab
Würden nicht dichte Schneeflocken fallen, könnte man meinen, es handle sich um afrikanische Medizinmänner... und beide sollen böse Geister vertreiben
© Hilde und Willi Senft

Zur Gänze in Stroh vermummt, wirken diese Gestalten, die am 5. Dezember jeden Jahres zwischen Krungl, Kainisch und Tauplitz ihren großen Auftritt haben, wie afrikanische Geheimbündler. Und würden auf dem Foto nicht dichte Schneeflocken fallen, man könnte sich in der Tat nach Schwarzafrika versetzt fühlen. Wegen ihrer völligen Vermummung, die auch auf eine Gesichtsmaske verzichtet, haben die Strohschab mit Perchten nichts gemein, und daher sind diese Gesellen besonders fremdartig und geheimnisvoll.

Die Strohschab-Kostüme werden aus händisch gedroschenem Roggenstroh gebunden. Sie bestehen aus einem Kittel, dem Oberteil, einem Kopfteil und dem „Hörndl, das - wie eine riesige Antenne - oft mehr als einen Meter lang ist. Niemand kann genau sagen, welche Bedeutung es hat.

Allerdings unterscheiden sich die Schab durch ihr Peitschenschnalzen von afrikanischen Stammesangehörigen grundlegend. Sie beginnen vereinzelt schon im November zu schnalzen, um die bösen Geister zu vertreiben, und sind am 5. Dezember bei den „Nikolo-Umzügen" in Obersdorf, Kainisch, Krungl, Bad Mitterndorf und Tauplitz besonders aktiv.

Diese Umzüge werden von den im Sechser- und Achtertakt peitschenknallenden Schab begleitet; drei oder vier „Vorschab" eröffnen den Zug.

Die Strohschab ziehen auch zu den einzelnen Häusern, um dort zu schnalzen. Sie werden von den Bewohnern im Freien bewirtet, denn sobald sie unter den Dachvorsprung treten, würde dies Unglück bringen...

Wandervorschlag#

Eine längere, aber zünftige Bergwanderung, die wir allerdings erst im Sommer unternehmen, führt uns hinauf auf den ALMKOGEL ins Tote Gebirge. Als Ausgangspunkt schlagen wir den Ort Tauplitz vor, von dem wir an die 3 km bis zur "Kreithbauernhalt" hineinfahren. Von hier folgen wir zunächst der Markierung zum „Steirersee", jedoch bereits wenig später jener in Richtung „Schwarzensee". In Serpentinen geht es hinauf auf die östlichen Ausläufer des Tauplitzalm-Plateaus, das wir nach 1 1/2 Std. erreichen. In 20 Min. gehen wir weiter zur Leist-Alm (1.650 m) und wandern von hier gemütlich zur Kamp-Alm hinauf, über die sich die breite Kuppe des Almkogels erhebt. Nun lassen wir uns durch die Wegnummer 277 leiten und steigen schließlich über schrottrig-schrofiges Gelände über den breiten Gipfelaufbau hinauf zum höchsten Punkt (2.116 m) mit seinem großen Gipfelkreuz. 3 1/2 Std. haben wir für den Aufstieg benötigt und genießen einen umfassenden Blick vom Großen Priel bis zum Grimming und auf viele Gipfel der Niederen Tauern (Kompaß WK Nr. 68).

Quellen#

  • Hilde und Willi Senft: Geheimnisvolles Salzkammergut. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002; 2. Auflage 2003.


Redaktion: Hilde und Willi Senft