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Strudengau#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Der Sturdel an der Thonaw.
Quelle: Topographia Provinciarum Austriacarum, Merian 1649. Aus: Wikicommons

Der Strudengau befindet sich in Niederösterreich und ist ein ca. 25 Kilometer langes, enges, gewundenes Tal der Donau von Ardagger Markt bis Ybbs an der Donau. Die Hänge sind 300 bis 400 Meter tief eingesenkt und bis zu 45 Grad geneigt.

Östlich schließt der Nibelungengau an. Das nördliche Ufer ist bis Sarmingstein oberösterreichisches Gebiet und gehört zur Böhmischen Masse. An das niederösterreichische Südufer reichen das Plateau von Neustadtl an der Donau, ebenfalls Teil der Böhmischen Masse, und der Hengstberg (571 m) heran. Mit einer Seehöhe um 230 m ist der Strudengau das tiefst gelegene Gebiet Oberösterreichs.

Strudengau
Aquarell des Donaustrudels von Jakob Alt, ca. 1820 aus dem Buch Altösterreich

Der Strudengau war einst für die Schifffahrt einer der gefährlichsten Donauabschnitte. Von den gefährlichen Strudel und Untiefen hat er auch seinen Namen. Den Orten an der Donau wie Grein, Struden, St. Nikola, Sarmingstein, sieht man zum Teil heute noch an, dass sie einst von der Lage an dieser gefährlichen Engstelle des Stromes profitieren. Sie waren bedeutende Warenumschlagplätze für das Hinterland. Durch die Errichtung von Mautstellen und die Organisation der Durchfahrt durch den Struden konnten die Gemeinden viel Geld erwirtschaften.

Einst war die Zunft der Schiffer in den Orten entlang der Donau stark vertreten. Um die Durchfahrt durch die Wirbel und Strudel zu bewältigen, standen beim Mautamt Struden an die 20 Lotsen bereit. Auch in Grein und Ardagger waren Schiffer, die jeden Felsen und Wirbel in der Donau kannten, ansässig. Es bedurfte besonderer Kenntnisse der Schiffsleute, um diese gefährliche Stelle zu bewältigen. Außerdem wurde 1510 für die Donauschiffer in der Kapelle zu Struden eine tägliche Frühmesse gestiftet.

Erst durch den Stausee des Kraftwerks Ybbs-Persenbeug (1957) wurde diese gefährliche Verkersader endgültig beruhigt. Seit die Donau ruhig dahinfließt und die Ruderschiffe durch mit Diesel betriebene Schiffe abgelöst sind, gibt es das Schifferkirchlein und auch die Schiffsleute nicht mehr.

Im Mittelalter gehörte der Strudengau dem historischen Machland an und später bis 1779 zum Machlandviertel. Im Strudengau verlief die Grenze zwischen der Riedmark und dem Machland von Panholz bei Grein hinauf bis St. Georgen am Walde, wobei die östliche Grenze des Machlands der Sarmingbach bildete.

Die Region Strudengau umfasst heute 18 Gemeinden im Bezirk Perg und liegt etwa 50 Kilometer donauabwärts der oberösterreichischen Landeshauptstadt. Orte: Grein (239 m), Struden (232 m), Hirschenau (239 m) und Persenbeug (222 m).

Burg St. Nikola
Burg St. Nikola im Strudengau am einst bedrohlichsten Abschnitt der obersten Donau. Mühlviertel. Oberösterreich. Photographie. 2000.
© IMAGNO/Gerhard Trumler

Schiffsankerplatz im Strudengau
Schiffsankerplatz im Strudengau. Niederösterreich. Handkoloriertes Glasdiapositiv. Um 1910.
© IMAGNO/Öst. Volkshochschularchiv

Überfuhr im Strudengau
Die Überfuhr im Strudengau. Niederösterreich. Handkoloriertes Glasdiapositiv. Um 1910.
© IMAGNO/Öst. Volkshochschularchiv

Quellen#


Redaktion: K. Ziegler