unbekannter Gast

Sulmtaler Hühner#

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Sulmtalerhenne
Bild einer Sulmtalerhenne.
Foto: Sulmtaler. Aus: Wikicommons unter CC

Schon früh genoss das in der ehemaligen Unter- und Mittelsteiermark beheimatete "Steirerhuhn" dank seiner Größe und seines ausgezeichneten Geschmacks einen besonderen Ruf. Erste diesbezügliche Erwähnungen gehen zurück bis ins 14. Jahrhundert; zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert krönte speziell der steirische Kapaun als besondere Delikatesse Europas Festtafeln - er durfte weder bei festlichen Anlässen am Wiener Kaiserhof noch bei den Krönungsfeierlichkeiten Kaiser Napoleons fehlen (führte zum Namen "Kaiserhuhn").

Angeblich wurden am Wiener Kaiserhof ausschließlich Hühner aus dem Sulmtal verarbeitet. Das steirische Sulmtal galt, neben der französischen Bresse, als das namhafteste Hühnerzentrum der damaligen Zeit.

Die Hühnerzucht war in der Steiermark ein wichtiger Zweig der Landwirtschaft; sie wurde vor allem in den Maisanbaugebieten betrieben, da Mais zur Geflügelmast verwendet wurde.

Im Laufe der Jahrhunderte - speziell in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert - kreuzte sich das Steirerhuhn auf den heimischen Höfen zunehmend mit anderen Hühnerrassen (mit Rassen wie Cochin, Dorking, Houdan, Brahma und Langschan). Die Legeleistung nahm ab, das bisher feine Knochengerüst wurde durch ein grobes ersetzt, die Brustbeinlänge wurde verkürzt und der Fleischansatz verringert.

Erst Armin Arbeiter, Vizepräsident des 1. Steirischen Geflügelzuchtvereines, erkannte um 1900 die besondere Qualität des Steirerhuhns, das er fortan unter dem Namen "Sulmtaler" als "Rassehuhn" kultivierte und züchtete.

Durch die Wirren der beiden Weltkriege und die damit verbundene Lebensmittelknappheit verschwand es jedoch fast ganz aus dem südsteirischen Lebensraum; erst Ende der 1980er besannen sich einige Züchter wieder der besonderen Qualität dieser Naturrasse.

Seit 2004 ist eine kleine Züchtergruppe (heutige Sulmtaler Vermarktungs GmbH) in der Südsteiermark gemeinsam mit den Universitäten Laibach und Marburg (Slowenien) bestrebt, die Rasse vor dem Aussterben zu bewahren. Im Zuge dessen wurden Elterntierherden aufgebaut, Zucht- und Mastrichtlinien definiert und die ersten Mastpartner eingebunden.

2006 wurde das Sulmtaler Huhn zum Leitprojekt im Naturpark Steirisches Weinland erklärt. 2007 wurde die Sulmtaler Vermarktungs GmbH offiziell gegründet und ging mit ihrem Projekt an die Öffentlichkeit. Zur Zeit sind 15 Landwirte, die in der Vermarktungsgemeinschaft organisiert sind, mit der Mast und Zucht des Sulmtaler Huhns beschäftigt.

Die Rasse ist in der Roten Liste der gefährdeten Haustierrasse in Österreich enthalten. Der aktuelle Bestand am Sulmtaler Hühnern in Österreich beträgt ca. 5.000 Tiere.

2007 wurde das Sulmtaler Huhn von Slow Food Österreich in die Arche des Geschmacks aufgenommen. 2007 erfolgte die Registrierung der Bezeichnung "Sulmtaler" als Wortbildmarke.

Das "Sulmtaler" ist ein wetterfestes "Zwienutzhuhn", das dank reichem Ertrag aus Fleisch und Eiern gerade für kleinere Landwirtschaften wertvoll ist.

Experten bezeichnen es als frohwüchsig, temperamentvoll, legefreudig, robust und genügsam. In Sachen "Stallung und Auslauf, Gesellschaft und Zusatzfutter" allerdings stellt es hohe Anforderungen: es liebt Trockenheit, Licht, Luft, Reinlichkeit und Bewegungsfreiheit.

Optisch zeichnen sich die Sulmtaler Hühner durch ihre kräftige Statur und ihr Markenzeichen, einen kleinen Schopf und einen Wickelkamm bei den Hennen, aus.

Hahn, Henne und Kapaun genießen ihr Leben auf den Streuobstwiesen des südsteirischen Weinlandes zwischen 24 und 28 Wochen und leben damit rund fünfmal länger als herkömmliche Masthühner. Helle, wetterfeste und temperaturgeregelte Stallungen bieten Schutz und der natürliche Auslauf beträgt bis zehn Quadratmeter pro Huhn.

Das Sulmtaler Huhn sucht sich generell seine Nahrung auf Wiesen, Weiden und Äckern selbst (Kräuter, Klee, Kleingetier wie Insekten und Schnecken). Der restliche Bedarf wird durch Zusatzfutter wie Mais (getrocknet und geschrotet), Bohnen, Erbsen, Sonnenblumenkerne, Kürbiskernkuchen, Graspellets einschließlich Kalk und Spurenelemente, das fast ausschließlich von ausgewählten und zertifizierten Betrieben aus dem südsteirischen Raum bezogen wird, gedeckt.

Die Einhaltung dieser Anforderungen und Zuchtrichtlinien wird von der Sulmtaler Vermarktungs GmbH genauestens und regelmäßig überprüft. Das Zertifikat "original Sulmtaler" bürgt für die Herkunft und einzigartige Qualität der Edelhühner.

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl