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Sveti Sava Ball#

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Serbische Quadrille in der Ballzeit#

Zum Sveti Sava Ball im Parkhotel Schönbrunn kamen 600 Gäste und serbische Popkultur-Prominenz#


Von

Stefan Beig


Von der Wiener Zeitung (Dienstag, 31. Jänner 2012) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Sveti Sava Ball
Ein klassischer Ball - der dennoch ganz anders ist, findet der Organisator Marko Stijakovic.
© Stanislav Jenis

Der Ball gehört bereits seit 1846 zur Wiener Balltradition.


Wien. Zeljko Dragic ist begeistert: "Für mich ist das hier das Wien aus der k.u.k. Monarchie - einfach traumhaft." Der gebürtige Deutsche ist einer der 600 Besucher des serbischen Sveti Sava Balls, der letzten Samstag im Parkhotel Schönbrunn stattfand. Benannt ist der Ball nach dem gleichnamigen serbischen Erzbischof und Heiligen der orthodoxen Kirche (1175 bis 1236), der als Begründer Serbiens gilt. "Das ist mein erster Ball, den Smoking habe ich mir erst heute gekauft", erzählt Dragic, der aus Hannover stammt und sich als "waschechten Preußen" beschreibt. 1978 wurde er in Hannover geboren, entstammt einer jüdisch-serbischen Familie und gehört der liberalen jüdischen Gemeinde an, deren Gottesdienste er seit einigen Monaten auch in Wien besucht.

Dragic findet, dass Serbien in Wien sehr stark verankert ist. Sein Bruder ist nach einer einjährigen Hotelier-Ausbildung im Hotel Sacher zurückgekehrt mit der Feststellung: "Mir ist Wien zu balkanmäßig." Dass man wie in Serbien hier gleich per du ist und es mit der Pünktlichkeit nicht so genau nimmt, habe ihn gestört. Tief in der österreichischen Geschichte verankert ist auch der Sveti Sava Ball, der erstmals im Jahr 1846 in Wien stattgefunden hat, als Fürst Milo Obrenovic (1780 bis 1860) den Wunsch hatte, alle "namhaften Serben" Wiens wenigstens einmal im Jahr zu einem besonderen Ereignis zu versammeln. Engagiert wurde dazu Johann Strauß junior, dessen hier uraufgeführte Komposition später unter der Bezeichnung "Serbische Quadrille" berühmt wurde. "Kopien von der Quadrille gelangten auch nach Belgrad", erzählt Marko Stijakovic, Ballorganisator und Präsident der Österreich Serbischen Gesellschaft (ÖSG). "Daraufhin beschloss auch das Bürgertum in Belgrad, diese Balltradition aufzugreifen."

Auch Renate Zivkovic-David, die Schatzmeisterin der ÖSG und Mitorganisatorin betont: "Die Serben waren und sind in Wien immer sehr präsent, wie auch die Kroaten, Slowenen und Ungarn. Wien ist ganz einfach ein Völkermischmasch gewesen und das zeichnet es aus. Diese Vielfalt, dieses Multi-Kulti ist Wien für mich. Das Positive von der Vergangenheit kann man ja mitnehmen." Und: "Wir leben sicher noch die Monarchie und lieben sie. Wir wollen zwar keinen Kaiser mehr haben, aber die gute alte Zeit ist hier."

Wiederbelebt wurde diese gute alte Tradition aber erst vor 15 Jahren, in einer alles andere als erfreulichen Zeit. "Als der Krieg ausbrach, lebten extrem viele Exiljugoslawen im Ausland", erinnert sich Marko Stijakovic. "Die waren an den Taten dort nicht beteiligt, sind aber in ein schlechtes Licht geraten." Eine Möglichkeit wäre gewesen, sich in die eigenen Wohnungen zu verkriechen und darauf zu warten, bis alles wieder vorbei ist. "Wir haben stattdessen die Flucht nach vorne angetreten und gezeigt, dass wir mit dem nichts zu tun haben, auch wenn sich unsere Meinung damals nicht mit der Meinung der internationalen Medien gedeckt hat."

Inmitten des Zerfalls des ehemaligen Jugoslawiens sind neue Staaten entstanden, deren Positionierung im Konflikt noch nicht klar war. Die Idee, die Menschen über den Ball wieder zusammenzubringen, hatte der damalige Präsident des serbischen Zentrums Milorad Mateovic, der bis zum letzten Jahr den serbischen Ball organisiert hat. "Eine Hürde war, damals einen Veranstaltungsort zu finden", so Stijakovic.


Die serbische Jugend ist diesmal auch involviert

"Zu dieser Zeit war Serbien nicht so populär. Jedes Hotel, zu dem man hingegangen ist, hat gesagt: Lieber nicht. Wer weiß, was da passiert. Vielleicht kommen noch andere und machen Krawall." Unter den geladenen Gästen war damals auch das serbische Königshaus mit Prinz Alexander vertreten. "Dieses Königshaus war immer das Verbindende für Serbien." Es war neben der Kirche die maßgebliche Autorität.

Heuer musste Marko Stijakovic als Ballorganisator ins kalte Wasser springen. Erstmals wurde auch die Jugend eingebunden. Die beiden Jugendverantwortlichen der ÖSG haben ein eigenes Jugendprogramm in der Bar organisiert. "Wir werden dafür sorgen, dass die serbischen Jugendlichen wieder auf Bälle gehen", betont einer der beiden Verantwortlichen.

Auch prominente Künstler sind aus Serbien zum Ball angereist, allen voran Marija Serifovic, die 2007 den Eurovision Song Contest gewonnen hat. Ihre außerordentliche Stimme und leidenschaftliche Darbietung sorgte für tosenden Applaus und Standing Ovations. Für Folklore sorgte das Ensemble Karadjordjedo. "Ich würde den heutigen Ball nicht als klassischen Ball bezeichnen", meint Stijakovic. "Das sind die eigenen Künstler, die gerade unsere Gäste berühren."

Über Internet und serbische Medien konnte er auch Ballgäste aus anderen Ländern gewinnen, etwa eine 20-köpfige serbisch-französische Veteranen-Gesellschaft, die extra nach Wien anreiste. "Das hat mir schon imponiert: Wien, die Stadt der Bälle, schafft es immer wieder, eine alte Tradition leben zu lassen und Leute zu diesen Bällen nach Wien zu locken."

Das Ziel von Stijakovic ist es, in Zukunft 1000 Gäste auf den Ball zu bekommen. Hierzu bräuchte es freilich auch einen größeren Ballsaal. "Schön wäre zum Beispiel der Festsaal im Rathaus", hofft Stijakovic. Sollte ihm das gelingen, könnte vielleicht auch die Wiener Stadtregierung an dem Ball teilnehmen. Heuer glänzte sie durch Abwesenheit.

Oder vielleicht wird sich Stijakovic auch mit den Organisatoren des exjugoslawischen BKS-Wirtschaftsballs zusammentun, der am 25. Februar stattfinden wird. "Gemeinsam könnten wir es ja auch in die Hofburg schaffen", meint ein Ballgast. "Unser Ziel war, dass man uns so sieht, wie wir sind", betont Stijakovic. "Unser Ziel sind die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Serbien und Österreich. Und wir wollen auch die Freundschaftsbande mit unseren serbischstämmigen Freunden weiterpflegen."


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Wiener Zeitung, Dienstag, 31. Jänner 2012