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Thayatal#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Bandelkramer
Bandelkramer, eine "Volkstype" aus dem Thayatal
© Slg. Wolf

Die 235,4 km lange Thaya (tschech. Dyje) verläuft großteils an der Staatsgrenze zwischen Österreich und Tschechien. Das Thayatal mit seinen steilen Hangwäldern zählt zu den schönsten Durchbruchstälern Österreichs. Die höchste Erhebung ist der aus Gneis bestehende Umlaufberg, um den die Thaya herumfließt. Der Wasserlauf hat zwei Quellflüsse, die Deutsche Thaya und die Mährische Thaya, die sich in Raabs vereinigen. Die österreichische Thaya entspringt im Weiler Meinhartsschlag (Gemeinde Mannshalm). Bei Hohenau mündet die Thaya in die March. Der Name der Thaya soll aus dem Illyrischen kommen, wo "Dujas" als "rauschender Fluss" übersetzt wird. 1082 wird der Fluss als "Dya" genannt, die Ortschaft Thaya erscheint um 1120 als "Tichache".

Der Markt Schwarzenau , in einer weiten Talsenke der Thaya gelegen, wurde mit dem Bau der Franz-Josephs-Bahn Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Verkehrsknotenpunkt des Waldviertels und erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung. Im 12. Jahrhundert entstand eine Wasserburg als Vorgängerbau des Renaissance-Schlosses, das in der Ortsmitte, von einem Park umgeben ist. Mitte des 18. Jahrhunderts ließ der Besitzer die Räumlichkeiten und die Kapelle von J.B. D'Allio mit reicher Stuckdekoration ausstatten.

Nach 1150 entstand Waidhofen an der Thaya am linken Ufer. Um 1230 wurde es Stadt und in den hochmittelalterlichen Burgstadtgürtel einbezogen, der die Befestigungslinie gegen Böhmen und Mähren bildete. Waidhofen entwickelte sich, besonders dank der Textilgewerbe, zum wirtschaftlichen Zentrum des oberen Waldviertels. Die "Bandelkramer" vertrieben als Wanderhändler die Produkte in der ganzen Monarchie. Das Rathaus mit dem charakteristischen Treppengiebel und Dachreiter-Turm stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die barocke Stadtpfarrkirche wird dank ihrer reichen Ausstattung "Dom des Thayatales" genannt.

Die Marktgemeinde Thaya kann auf prähistorische bzw. frühe slawische Besiedlung verweisen. Im 19. Jahrhundert wurde die Marktgemeinde durch ihre Schweinehändler bekannt. Sie kauften wöchentlich bis zu 1600 Schweine in Ungarn und Serbien und trieben die Herden nach Niederösterreich, Oberösterreich, Böhmen und Mähren. Der erworbene Reichtum fand in reich verzierte Häuser mit charakteristischen Toren sichtbaren Niederschlag.

Am nördlichen Knie der Thaya und am Kreuzungspunkt wichtiger Straßen liegt der alte Markt Dobersberg. Das Schloss mit den markanten Türmen entstand 1572. Es enthält Amtsräume der Gemeinde und ein naturkundliches Museum.

Bei Karlstein schneidet sich die Thaya tief in die Gneishöhenzüge ein. Wo sich das Durchbruchstal zu einem Kessel weitet, liegt, von einer Burg überragt, die Marktgemeinde. Seit 250 Jahren ist sie für das Uhrmacherhandwerk bekannt, seit 1873 befindet sich hier die einzige Fachschule dieses Gewerbes.

Die Burg von Raabs besteht seit dem 11. Jahrhundert. Sie zählt zu den schönsten und größten Wehranlagen Österreichs. In der Stadt vereinigen sich die beiden Quellflüsse der Thaya. Die Pfarrkirche, mit spätromanischen Fresken, enthält die älteste Glocke Österreichs (1343).

Eine weitere berühmte Burg schon um 1800 zur Ruine, Kollmitz-Aigen. Ein verein bemüht sich um Ruinensicherung und hat die imposanten Mauerreste und Türme zugänglich gemacht.

Drosendorf ist seit etwa 6000 Jahren besiedelt. Zur Babenbergerzeit wurde der Ort, der in strategisch günstiger Lage auf einem Felsrücken steht, der an drei Seiten von der Thaya umflossen wird, zur Burgstadt im Zuge des Grenzschutzes. Drosendorf ist ganz von einer 1,7 km langen Stadtmauer umgeben und bietet ein äußerst reizvolles Stadtbild.

Hardegg liegt an der Grenze zu Mähren und besitzt eine überaus mächtige Burg. Die romanische Saalkirche und ein Karner entstanden um 1160. Im 19. Jahrhundert sorgte die Verarbeitung von Perlmuttermuscheln, die in der Thaya und March vorkamen, für wirtschaftlichen Aufschwung. Um Hardegg, sowohl auf österreichischer als auch auf tschechischer Seite (Národní park Podyjí), wurde der Nationalpark Thayatal errichtet. Der 1330 ha große Nationalpark Thayatal liegt im niederösterreichischen Grenzgebiet soll auf 1700 ha erweitert werden.

In der Anlage von Laa an der Thaya ist die Struktur der mittelalterlichen Stadt mit Rechteckumwallung noch gut erkennbar. Stadtplatz und Rathaus befinden sich im Westen der Altstadt, Markt, Kirche und Burgplatz bilden den östlichen Teil. Die Burg an der Nordwestecke ist in die Stadtmauer integriert. Die Stadtpfarrkirche, eine dreischiffige Pfeilerbasilika und die Spitalskirche zählen zum mittelalterlichen Baubestand.

In Hohenau mündet die Thaya in die March. Archäologische Funde belegen, dass das Gebiet von der Steinzeit bis zur Zeit des Großmährischen Reiches besiedelt war. Wirtschaftlich bekannt wurde der Ort durch den Bau der Zuckerfabrik, 1867. Daneben erhielt Hohenau durch die Nordbahn und eine Zollstation Bedeutung.

Quelle#

  • Antonin Bartonek, Bohuslav Benes, Wolfgang Müller-Funk, Friedrich Polleroß: Kulturführer Waldviertel, Weinviertel, Südmähren. Wien 199

Redaktion: hmw