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Troatkasten #

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Getreidekasten (mundartl. Troatkasten) nennt man ein gezimmertes oder gemauertes, mitunter mehrgeschoßiges kleines Bauwerk, das zur Aufbewahrung bäuerlicher Lebensmittelvorräte dient.

Getreidekasten im Salzburger Freilichtmuseum, © Alfred Wolf
Getreidekasten im Salzburger Freilichtmuseum
© Alfred Wolf

Das Österreichische Freilichtmuseum in Stübing bei Graz zeigt die regionalen Varianten dieser Speicherbauten:

- Der burgenländische Kitting aus Unterschützen (1771) entspricht dem Feldkasten anderer Landschaften. Er hat eine gewölbte Decke aus Holz, die ursprünglich zugleich als Dach diente. Baumaterial ist klobiges, nur wenig behauenes Holz, das nach der örtlichen Bautradition mit einem Lehm-Häcksel-Gemisch verputzt ist. Der Lehmverputz schirmt den Innenraum gegen Kälte und Hitze ab und bildet zugleich einen Feuerschutz.

- Der Getreidekasten aus Badendorf bei St. Georgen an der Stiefing, Stmk., (1745) diente zur Aufbewahrung der Getreide-, Mehl- Selchfleisch- und Speckvorräte. Der in eng verfugtem Blockbau gezimmerte Getreidekasten hat ein steiles, mit Stroh gedecktes Dach. Dieses ist über dem giebelseitigen Eingang vorgezogen und durch zwei Holzsäulen abgestützt, wodurch sich ein wettergeschützter freier Vorraum ergibt.

- Der Getreidekasten aus Wenigzell, Stmk., (1836) ist ein typisches Beispiel für die Speicherbauten der nördlichen Oststeiermark. Durch die Hanglage bedingt, ist er zweigeschoßig. Der Keller wurde aus Bruchsteinen gemauert, das obere Geschoß aus Brettern gefügt und mit einem strohgedeckten Schersparrendach versehen. Das Tor reicht über die ganze Giebelbreite. Dahinter befindet sich ein Abstellraum für Acker- und Arbeitsgeräte. Die Vorräte - Getreide, Mehl, Brot, Geselchtes - lagerten im oberem Geschoß. Dort befanden sich auch Lebensmittel in Tongefäßen sowie die Vorräte an Schafwolle und Leinen. Peter Rosegger nannte Kasten dieser Art "das Schatzkästlein unserer Bauern".

- Der Getreidekasten aus St. Lorenzen am Wechsel, Stmk., zeigt, wie die Funktion landwirtschaftlicher Nutzbauten die Form bestimmte. Über dem aus Feldsteinen erbauten Keller erhebt sich der als Blockbau ausgeführte Vorratsraum. Man erreicht ihn außen über eine hölzerne Stiege. Bemerkenswert ist die Konstruktion des Dachbodens, der eine ständige Belüftung des gelagerten Strohs ermöglicht. Für den "Schopf" verwendete der anonyme Erbauer krumm gewachsene Birkenstämme, die sowohl funktionell als auch optisch besonders ansprechend sind.

- Der Getreidekasten aus Oberzeiring im Murtal zeigt die Altform des Blockfensterbaues. Um die Tragfähigkeit des Blockhauses nicht zu gefährden, hackte man von zwei übereinander liegenden Hölzern jeweils nur die Hälfte aus. Die kleinen Fenster hatten ovale oder quadratische Form. Die Dachdeckung besteht aus Bretterschindeln.

- Das Bauwerkt aus Saureggen, Ktn. (1716) ist ein Beispiel der hoch entwickelten Kärntner Zimmermannskunst. Es zeigt am Übergang zum Obergeschoß einen sechsfachen "Glockenschrot", eine überaus kunstvolle Form der Holzverzinkung. Das Obergeschoß überragt das Erdgeschoß an allen Seiten um die Stärke eines Wandholzes. Der vorkragende, verzierte Zimmerungsbalken bildet die "Mauswehr", um die Nagetierte abzuhalten.

- Der Kasten aus Hintertux, Tirol (1620) ist ebenfalls ein zweigeschoßiger Blockbau. Das Obergeschoß ist nur von außen über eine Leiter erreichbar. Das flache Dach ist mit Legschindeln gedeckt.

In der Barockzeit ließen Betreiber von Gutshöfen und stiftliche Grundherrschaften stattliche Schüttkasten erbauen, um ihre großen Getreidevorräte sicher zu lagern.

Troadkasten
Oberösterreich. Troadkasten (Getreidekasten) in Altenfelden im Mühlviertel. Photographie. Um 1975.
© IMAGNO/Franz Hubmann
Getreidespeicher (Troadkasten). Salzburg Österreich. Photographie um 1985., © IMAGNO/ÖNB/Harry Weber
Getreidespeicher (Troadkasten). Salzburg Österreich. Photographie um 1985.
© IMAGNO/ÖNB/Harry Weber
Barocker Schüttkasten bei der Filialkirche Heiligblut in Pulkau. Photographie um 2000., © IMAGNO/Gerhard Trumler
Barocker Schüttkasten bei der Filialkirche Heiligblut in Pulkau. Photographie um 2000.
© IMAGNO/Gerhard Trumler

Quelle#

  • Viktor Herbert Pöttler: Österreichisches Freilichtmuseum. Stübing 1978 (3. erw. Auflage)


Redaktion: hmw