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Uhudler Südburgenland#

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

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Uhudler-Fahne
Typische Uhudler-Fahne im Burgenland
© Österreich Werbung

Die Geschichte des Uhudlers begann ab etwa 1860, als die Reblaus in den folgenden Jahren die meisten Weinbestände in Europa vernichtete. Die Reblaus wurde nach Europa verschleppt und erreichte vor 1870 Österreich. In Südburgenland wurde versucht, anderweitig Wein zu gewinnen. Im Zuge dessen wurden reblausrestistente amerikanische traubentragende Rebsorten nach Europa importiert und mit europäischen Rebsorten gekreuzt. Daraus wurde ein Direktträgerwein gewonnen, den die Europäer nicht gewohnt waren zu trinken, weil er nicht ihren Geschmacksrichtungen entsprach. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Veredlung eingeführt, bei der Amerikanerreben als reblausresistente Unterlage dienen und Europäerreben den früchtetragenden Teil des Rebstocks bilden.

Ripatella-Trauben
Ripatella-Trauben kurz vor der Lese
Foto: W. Lendl. Aus: Wikicommons unter CC

In den 20-er Jahren gedieh der Uhudler im Südburgenland und der Südsteiermark wie Unkraut. Zwischen 1936 und 1992 war diese Sorte jedoch verboten. Lange Zeit hielt sich die Legende, dass der Wein von Direktträgern gesundheitsschädlich sei und „blöd“ und „blind“ mache. Vom Gesetzgeber wurde sie nur als "weinähnliches Getränk" eingestuft und wurde ausschließlich zur Essigerzeugung verwendet, was zum schlechten Ruf beitrug.

In den 70er Jahren wurde in Österreich der Uhudler als „Haustrunk“ beschränkt, wodurch die Produktion für den Eigenverbrauch erlaubt war.

Mitte der 80er Jahre aufgrund des Weinskandals, wurde der Begriff „Haustrunk“ durch die Verschärfung des österreichischen Weingesetzes aus dem Weingesetz gestrichen, womit der Uhudler verboten war.

Bis zu Beginn der 90er Jahre hielt dieser Umstand an. In dieser Zeit wurden tausende Liter Uhudler (vor allem im Südburgenland) von Kellereiinspektoren ausgeleert und kanalisiert. Einer der berühmtesten Uhudlerweinbauernvertreter dieser Zeit ist der legendäre Heiligenbrunner „Rübezahl“, Johann Trinkl, der für den Erhalt dieses Weines als regionale Spezialität kämpfte.

Ripatella-Trauben
Ein Uhudler-Trinker in Heiligenbrunn
© Austria-Forum

Heute weiß man, dass der Uhudler ein Bio-Produkt schlechthin ist, denn aufgrund der Resistenz der Pflanze ist kein Spritzen oder Düngen erforderlich. Gemäß österreichischer Weingesetznovelle darf er seit dem 1. August 1992 von den burgenländischen Gemeinden Eberau, Strem, Moschendorf, Heiligenbrunn Heiligenbrunn, Burgenland , Güssing, Neustift bei Güssing, Burgauberg-Neudauberg, Heiligenkreuz und Eltendorf, die ihn herstellen, auch offiziell verkauft werden. Der Name Uhudler ist urheberrechtlich geschützt.

Die Trauben sind rote, seltener auch weiße Hybridsorten, die aus Kreuzungen der europäischen Spezies Vitis vinifera mit der amerikanischen Vitis labrusca und Vitis riparia entstanden sind. Varianten sind beispilesweise: Noah Grün, Othello Blau, Isabella, Elvira, Seibel, Concord und Ripotella. Der Wein hat aufgrund des höheren Pektingehaltes der Früchte einen geringfügig höheren, gesundheitlich nicht bedenklichen Methanolgehalt als Wein aus europäischen Rebsorten. Diese Direktträger werden in Österreich auch gerne als „Heckenklescher“ oder „Rabiatperle“ bezeichnet. Meist sind die Uhudlerweine sehr säurebetont.

Je nach Sorte und Herkunft variiert die Farbe von einem blassen stroh- bis hellgelb beim weißen Uhudler. Die Farbpalette der blauen Trauben kann ein zartes Rosa, helles kirschrot bis hin zu ziegelrot hervorbringen.

Quellen#


Redaktion: K. Ziegler