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Volksgarten, Wien 1#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Theseustempel
Der restaurierte Theseustempel im Volksgarten
© Peter Diem

Der zu den Bundesgärten zählende Volksgarten entlang des Dr.-Karl- Renner-Rings wurde zwischen 1819 und 1907 in mehreren Etappen gestaltet. Vor seiner Anlage hatte Napoleon - nach dem bereits geschlossenen Frieden - einen Teil der Befestigung Wiens sprengen lassen. Die Zerstörungen waren Anlass zur Umgestaltung der Befestigungsanlagen bei der Hofburg, wobei sie Richtung Vorstädte vorgeschoben wurden. Auf dem neu gewonnenen Raum zwischen den Wällen wurden der Volksgarten, der Burggarten und dazwischen, im Bereich des Heldenplatzes, eine Rasenfläche angelegt. Die neuen Anlagen führten die Tradition früherer Gärten in dieser Gegend fort. Der "Paradeisgartel" genannte Bastei-Hofgarten bestand auf der Löwelbastei. Im Bereich des jetzigen Elisabethdenkmals, war er ein kaiserlicher Privatgarten in barockem Stil. Der zweite Teil war ein öffentlicher, baumbestandener Vergnügungsgarten mit einem Caféhaus bzw. Limonadezelt im Zentrum. Weil man dort nur im Kreis spazieren gehen konnte, nannten die Wiener den Park "Ochsenmühle".

Bei der Neuanlage gab Kaiser Franz II./I.(1768_1835das Paradeisgartel als Privatgarten auf und es entstand der öffentlich zugängliche „Volksgarten“. Ludwig von Remy plante ihn - sehr ungewöhnlich - als Landschaftsgarten mir regelmäßigen Alleen. Die Eröffnung fand am 1. Mai 1823 statt. Der Park umfasste den Theseustempel und das zweite Cortische Caféhaus, beide Bauwerke von Pietro Nobile (1774 -1854). Seit der jüngsten Restaurierung präsentiert sich der ursprünglich bleiweiß gefasste Tempel wieder mit „porzellanähnlicher“ Oberfläche. Er wurde für eine der seinerzeit prominentesten Skupturen gebaut: die Theseusgruppe von Antonio Canova (1757-1822). Sie sollte in Mailand Napoleon glorifizieren. Nach dessen Abdankung kaufte Kaiser Franz II./I. das Kunstwerk, dessen Herstellung 15 Jahre in Anspruch genommen hatte.

Die Ringstraßenära führte zur Vergrößerung und Neugestaltung des Volksgartens, und er wurde durch die Aufstellung von Freiplastiken bereichert: Volksgartenbrunnen (1866), Tilgner-Brunnen (1880), Grillparzer-Denkmal (1889). Nach 1900 erhielt der Teil an der Löwelstraße mit dem Elisabethdenkmal - Skulptur von Hans Bitterlich, Anlage von Friedrich Ohmann - seinen Jugendstilcharakter. Historistische Gartensessel, für deren Benützung man einst Miete zahlen musste, alter Baumbestand und das Rosarium mit 4000 Busch- und 800 Hochstammrosen verleihen dem Volksgarten nostalgisches Flair. Dazu trägt auch die Einfriedung mit ursprünglich rot-gold lackierten Lanzenstäben auf hohem Steinsockel bei.

Quellen#

  • Historische Gärten und Parks in Österreich. Wien 2012
  • Helga Maria Wolf: Spurensuche Wien. Rundgänge durch die Geschichte. Erfurt 2007


Redaktion: hmw