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Die eisernen Votivfiguren vom Wolfgangkircherl#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Wolfgangikircherl bei Deutschlandsberg
Wolfgangikircherl bei Deutschlandsberg
© Willi Senft

Votivgaben haben ihren Namen vom lateinischen „ex voto", was man am besten mit „aus Dank" übersetzt. Man hat schon in vorchristlichen Zeiten „aus Dank" und auch zum Gütigstimmen der Götter Opfergaben zu „heiligen Plätzen" gebracht. In das Christentum wurden diese Bräuche übernommen, und so gibt es viele Kirchen, in denen „aus Dankbarkeit" Votivgaben, meist gemalte Bildnisse, welche die Errettung aus irgendeiner Krankheit oder Not aufzeigen, hinterlegt wurden und werden. Oft hat man auch naturgetreue oder verkleinerte Nachbildungen von Gliedmaßen, auch von Augen und sogar von inneren Organen aus allen möglichen Materialien, wie Wachs, Ton, Holz, Silber und besonders auch aus Eisen, als Votivgaben gebracht.

Auch Votiv-Tiere hat man „geopfert", wobei früher einmal echte Opferungen stattgefunden haben, man denke nur an das heute noch erhalten gebliebene Opfer eines lebenden Widders in Virgen in Osttirol.

In der Steiermark wurden die Tieropfer vornehmlich in Form kleiner eiserner Figuren dargebracht, die man zu den Kirchen der „zuständigen" Heiligen, wie etwa zu St. Leonhard, St. Wolfgang oder auch zur Muttergottes, trug. Man brachte die Opfergaben entweder „vorbeugend" dar, um Krankheiten vom Stall fernzuhalten, oder weil gerade eine Seuche ausgebrochen war.

Eiserne Votivfiguren
Eiserne Votivfiguren
© Willi Senft

Da der Verbrauch dieser Figuren ein beträchtlicher war, lieh man sich die eisernen Tierchen in späteren Jahren gegen ein „Opferentgelt" in der Kirche aus und betete, sie in Händen haltend, um den Altar. So war früher der Opfergang mit den Eisenvotiven und nicht das Meßopfer der sakrale Höhepunkt bei Wallfahrten zu den sogenannten „Almkirchen", wie z. B. nach Maria Schnee bei Seckau.

Von dort gibt es noch aus dem Jahre 1930 einen konkreten Bericht: „Unaufhörlich, von 5 Uhr bis zum Hochamt um 9 Uhr und nach dessen Beendigung von neuem, wird der Altar umkreist. Vor dem Kasten, in dem die Votive aufbewahrt werden, sitzen die beiden ,Zechpröpste' und geben gegen eine bestimmte Gebühr die Opfertiere aus.

Eine Kuh, einen Ochsen, Kälber, Schweine, ein Pferd, ein Schaf, einen Bienenkorb und auch ein Haus. Der Votant umschreitet nun samt seinen Gaben betend den Altar, küßt jedes einzelne Stück und wirft es dann auf der rechten Altarseite in einen Behälter. Sobald dieser angefüllt ist, wird er vom Mesner abgeholt und bei den Zechpröpsten ausgeleert."

Hl. Urban vom Wolfgangikircherl
Hl. Urban vom Wolfgangikircherl
© Willi Senft

Heute gibt es in der Steiermark - so weit uns bekannt — nur noch einen Ort, wo dieser Brauch gepflogen wird, und zwar beim reizend gelegenen gotischen Bergkircherl von St. Wolfgang bei Deutschlandsberg am „Wolfgangitag". Dort gibt es nicht nur die eisernen Tierfiguren zu betrachten, sondern auch noch einen eisernen „Kopfwehring", den man sich um den Altar betend aufsetzt, um dieses Leiden zu bekämpfen.

Wie es sich für das Weinbaugebiet von Deutschlandsberg gehört, ist in der Kirche auch eine schöne Statue des heiligen Urban mit der Traube in der Hand aufgestellt.

Wandertip#

Zum Wolfgangikircherl gelangen wir zu Fuß sehr einfach, wenn wir, von Deutschlandsberg kommend, am Beginn der ersten Steigung in Richtung „Trahütten" Trahütten, Steiermark , auf die von der Straße linkerhand abzweigende Markierung achtgeben und ihr durch Wald und über Wiesengelände hinauf zum Kircherl folgen (Aufstiegszeit: 3/4 Std.).

Wir können aber auch die Gelegenheit benützen, um einmal zu Fuß nach Trahütten zu wandern (zwei Autos bzw. Rückfahrt mit Postbus): Weitab von jeder Straße leitet uns der markierte Pfad mit der Nr. 14 direkt von der Stadt hinauf nach Trahütten. Schon der erste Teil des Weges führt durch die reizvolle Schlucht der „Klausen" mit kleinen Wasserfällen und Steganlagen. Später geht es durch Wald bergauf; in etwa 800 m Seehöhe erreicht man eine Lichtung mit einem Forsthaus und bald nachher haben wir schon unser Ziel auf etwa 1.000 Metern erreicht. (Aufstiegszeit 2 1/2 - 3 Std., Karte: Freytag&Berndt, Nr.4l)

Quellen#

Text und Bild aus: Steirischen Geheimnissen und Kuriositäten auf der Spur, Hilde und Willi Senft, MEDIA Marketing G.m.b.H. 2000


Redaktion: Hilde und Willi Senft