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Waldandacht#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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E. Schiele: Waldandacht
Egon Schiele: Waldandacht, 1915
Aus: Wikicommons

Eine Waldandacht ist ein sichtbares Zeichen der populären Religiösität. Jemand hängt, z.B. als Votivgabe nach einer Krankheit, ein Bild an einen großen Baum, andere tun es ihm gleich und bald ist der Baum voller Devotionalien. Man zündet Lichter an, schmückt die Andachtsstätte mit Blumen und stellt Bänke in der Nähe auf.

Die Kirche "Maria Grün" im Prater (Wien 2, Aspernallee) entstand bei einer Waldandacht. Diese entwickelte sich mit 6.000 Bildern zur größten Österreichs. Nachdem in der Nähe des Lusthauses eine Volksschule eröffnet worden und die nächste Kirche weit entfernt war, brachte der Schuldirektor an einem Baum ein Marienbild an. Die kleine Andachtsstätte wurde 1863 geweiht, 1911 stellte man eine Marienstatue auf, 1924 wurde die Wallfahrtskirche gebaut.

Auch die Kapelle "Maria Einsiedeln" am Promenadeweg in Salmannsdorf (Wien 19) geht auf eine Waldandacht zurück. 1869 stiftete ein Fabrikant nach einem unverletzt überstandenen Unfall ein Marienbild an einer Föhre. 1881 kamen Betstühle und Bänke für die Besucher, bald auch Markthütten, dazu. 1931 feierte man Gottesdienste, 1936 wurde eine Kapelle errichtet und nach Schäden im Zweiten Weltkrieg 1947 erneuert. Aus Dankbarkeit für die Hilfe der Schweizer Caritas in der Nachkriegszeit wählte man als Kultgegenstand eine Nachbildung der Schwarzen Madonna von Maria Einsiedeln (zuvor war es jene von Montserrat).

In Klosterneuburg befindet sich eine auf 300 m Seehöhe gelegene "Bildereiche". In erneuerter Form bildet die Waldandacht (in die alte Eiche schlug 1994 ein Blitz ein) den höchsten Punkt des von Unterkritzendorf ausgehenden Naturerlebnisweges, der 20 Stationen umfasst. Die Klosterneuburger Waldandacht soll 1915 das Vorbild für ein Ölgemälde von Egon Schiele (1890-1918) gewesen sein.

Quellen#

  • Quellen: Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 5 / S. 578
  • Helga Maria Wolf: Klosterneuburg in historischen Fotos. Erfurt 2005. S. 102l


Redaktion: hmw