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Waldschaf
Waldschaf
© Leopold Stocker Verlag

Ebenso wie das Steinschaf ist auch das Waldschaf ein direkter Nachkomme des alten Zaupelschafes. Letzteres war bis etwa 1600 das einzige mitteleuropäische Schaf und stellte einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar, denn es war der alleinige Wollieferant. Das kleine, schlichtwollige Tier besaß keinerlei hervorstechende Eigenschaften, außer seiner Robustheit und Fruchtbarkeit, die es für die extensive Haltung prädestinierten.

Der Bestand an Zaupeln ging mit dem Import der frühen Merinos und englischen Fleischrassen stetig zurück. Sie wurden in entlegene, klimatisch ungünstige Rückzugsgebiete abgedrängt, wo sie bis zum 19. Jh. weiter existierten. Im Bayerischen Wald, im Böhmerwald und in Nordösterreich konnten sich mehr oder weniger große Bestände lange halten, ehe auch sie auf einige Reste zusammenschrumpften. In Südungarn wurden Zaupelschafe durch schwäbische Siedler um 1720 heimisch und dienten dort lange Zeit der Wollgewinnung. Sie sind unter dem alten Namen Ciktaschafe bis heute dort anzutreffen und werden im Rahmen, eines Generhaltungsprogrammes bewahrt. Ähnliches trifft für die böhmischen Sumavka-Schafe zu, die staatlich gefördert werden und von denen rund 1.500 Tiere existieren. Sie alle gehörten derselben Gruppe an und sind ebenfalls direkte Zaupel-Nachfahren, ebenso wie Stein- und Waldschaf.

Genetische Untersuchungen ergaben eine enge Verwandtschaft dieser Rassen, die auch Kreuzungen untereinander erlauben. Bis zur Wende zum 20. Jh. hielten die bäuerlichen Kleinbetriebe der Berg- und Waldregionen Schafe in kleinen Herden, um den eigenen Wollbedarf zu decken. Die schlichte Wolle ließ sich relativ leicht von Hand verspinnen; erst mit der rapide ansteigenden Verfügbarkeit von industriell hergestellten Textilien wurde auch das unrentabel.

Binnen weniger Jahrzehnte ging der Bestand an Waldschafen weiter zurück, so daß nach dem Zweiten Weltkrieg nur mehr wenige Tiere vorhanden waren. Als man sich in den achtziger Jahren entschloß, die Bestände zu konservieren, gab es einen kleinen Aufschwung; heute kann Bayern auf rund 250 Muttern verweisen; Österreich hat rund 150 Tiere.

Die Schafe sind aufgrund ihrer Robustheit und Genügsamkeit bestens für kleine Hobbybetriebe geeignet. Sie stellen eine interessante historische Variante dar, ihre Wirtschaftlichkeit ist allerdings gering.

Eigenschaften: #

Kleines bis mittelgroßes Schaf mit unbewolltem Gesicht und Beinen. Die Wolle ist schlicht und glänzend, der Ertrag relativ gering. Die Qualität ist recht gut, da sich die Wolle nicht verfärbt und sehr haltbar ist. Das Fleisch ist überaus wohlschmeckend, die Mastleistung allerdings gering. Die Tiere sind in großem Maße wetterhart und kaum krankheitsanfällig, daher ideal für Robusthaltung in extensiven Betriebsformen. Hohe Fruchtbarkeit mit asaisonaler Fortpflanzung. Böcke gehörnt; meist weiß, aber auch braun oder schwarz.


Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung des Stocker Verlags aus dem schönen Buch:

Martin Haller. Seltene Haus- und Nutztierrassen. Leopold Stocker Verlag, Graz 2000; 2. Auflage 2005.

--> Bestellung des Buches (Leopold Stocker Verlag)

--> Web Book

« Diese Seite wurde am Dienstag, 20. März 2012, 13:11 von Ziegler Katharina erstellt, zuletzt geändert am Dienstag, 9. April 2013, 09:43 von Ziegler Katharina (Version 5).
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