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Wasserscheibenschießen am Schattensee#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Schütze
Schütze beim Wasserscheibenschießen
© Willi Senft

Es gibt nur zwei Plätze in Österreich, davon einen in der Steiermark, wo anstatt direkt auf eine Scheibe, auf ihr Spiegelbild geschossen wird. Im richtigen Winkel auf die Wasseroberfläche gezielt, trifft der „Geller" dann die Scheibe. Vor etwa zwei Jahrhunderten wurde dieser Brauch in der „Krakau" eingeführt und abwechselnd am Prebersee und am Schattensee geschossen. Der Prebersee liegt ja schon im Salzburgischen und der nur wenige Kilometer entfernte Schattensee in der Gemeinde Krakauschatten im Steirischen.

Dieses Wasserscheibenschießen funktioniert nur bei völlig ruhiger Wasseroberfläche, und die Lage beider Seen garantiert dies auch. Es gab schon viele Nachahmungsversuche in Amerika, Japan und Skandinavien, die aber angeblich alle misslangen. - Der Legende nach hatten sich einmal zwei Wilderer am Schattensee verabredet, und der eine schoss zum Spaß auf das Spiegelbild des anderen, worauf dieser zum Entsetzen des Schützen tot umfiel.

Warum es nur hier, am Fuße des Preber, so gut funktioniert, ist und bleibt ein kleines Geheimnis. Jedenfalls muss natürlich eine genaue Distanz, und zwar 107 Meter, von der Scheibe eingehalten werden. Ihr Mittelpunkt muss sich genau 50 Zentimeter über der Wasseroberfläche befinden, wo die Scheiben in eigenen Vorrichtungen aufgehängt werden.

Der Schütze zielt auf das Spiegelbild und die von der Wasseroberfläche abpral¬lende Kugel trifft ins Schwarze - oder auch daneben. Ein Schwindel durch direkten Schuss wird an der Kartonscheibe sofort durch das gerade Einschussloch erkannt. Schon vor mehr als zehn Jahren wurden am Schattensee ein Scheibenhaus mit Trefferanzeige und ein Schützenhaus neu errichtet, und zu verschiedenen Anlässen finden hier traditionelle „Schießen" statt, an denen sich auch Gäste beteiligen können. Die Kugelstutzen sind übrigens sehr schwer und es empfiehlt sich für Ungeübte keinesfalls, freihändig zu schießen.

Quellen#

Text und Bild aus: Steirischen Geheimnissen und Kuriositäten auf der Spur, Hilde und Willi Senft, MEDIA Marketing G.m.b.H. 2000


Redaktion: Hilde und Willi Senft