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Weihnachtspflanzen#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Lucienweizen, 2009, © Doris Wolf
Lucienweizen, 2009
© Doris Wolf

Immergrüne Zweige brachten seit Jahrhunderten Leben in die Stuben, wenn draußen alles unter der Schneedecke begraben war. Nadelgehölze wie Fichte, Tanne, Föhre, Wacholder und sogar die giftige Eibe fanden - auch praktische - Verwendung. „Boschen“ steckten die Landwirte auf den Zaun, in den Hof, zum Stall, auf den Brunnen oder auf den Misthaufen und putzten damit die Kamine. 1729 verbot eine Salzburger Waldordnung „die dermaßen gebräuchig gewest schädlich und unwaldmännische Verhack- und Bringung der sogenannten Bächl- oder Weyhnachtsboschen“ . Das Verbot bewirkte wenig und musste 1755 unter verstärkter Strafandrohung wiederholt werden. Außerdem rügte die Obrigkeit den „aberglaubigen Gebrauch“ der Nadelbäume. Im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens findet sich bei allen verwendeten winterharten Pflanzen der Hinweis, dass die spitzen, grünen Nadeln zur Abwehr von Unheil, Blitzen, Dämonen, Hexen und Gespenstern dienten. In der finsteren Adventzeit, wenn das Jahr zu Ende ging, waren auch Orakel mit Weihnachtspflanzen verbunden. Sie knüpften sich an Barbarazweige und Luzienweizen.

Am Barbaratag, 4. Dezember, schnitt man Zweige von Kirschbäumen, um sie daheim einzuwässern. Bis Weihnachten erblüht, sollten sie Glück und Segen bringen. Barbarazweige waren ein Ernte- und Liebesorakel. Um ihre Blüte zu garantieren, sollte man sie unter besonderen Bedingungen schneiden (vor Sonnenaufgang oder beim Vesperläuten), oft wässern und zum Ofen stellen. Je reicher die Blätter und Blüten am Christtag erschienen, umso üppiger falle die Ernte aus, glaubte man. Manche versahen die Zweige mit Namenskärtchen, um daraus das persönliche Schicksal zu ergründen. In Wien trugen die Kärtchen Nummern, zeigte sich eine Blüte, wurde die entsprechende Zahl in der Lotterie gesetzt. Da man den Barbarazweigen magische Wirkungen nachsagte; sollten sie, in die Christmette mitgenommen, Verborgenes sichtbar machen. Dies war nicht im Sinne der Kirche, die den Brauch damir erklärte, dass sich auf dem Weg zur Hinrichtung ein Kirschzweig in Barbaras Kleid verfangen habe, der bei ihrem Tod aufblühte. Die mittelalterliche Legendenliteratur stellte eine Analogie zum grünenden Stab Aarons her. Eine andere Deutung bringt das Gleichnis vom Feigenbaum (Lk 21,29-31) ins Spiel. Dabei sagt Jesus: „... Sobald ihr merkt, dass sie Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist...“ Martin Luther predigte zu dieser Stelle: „Die Blätter an den Bäumen zeigen nicht den Winter an, dass es frieren, schneien und kalt werden soll, sondern sie zeigen die fröhliche Zeit an... So sollt auch ihr, sagt Christus, wenn ihr diese Zeichen seht, fest der Meinung sein, dass die Zeit eurer Erlösung da ist.“

Der Lucientag, 13. Dezember, galt als Mittwintertag, Quartalsbeginn in der Verwaltung, Schulschluss und Jahreswende. Dementsprechend zahlreich waren die Glaubensvorstellungen. Luzienweizen sollte einen Blick in die Zukunft ermöglichen. Am 13. Dezember in einem Teller mit Erde und Wasser ausgesät, erreicht er bis Weihnachten Spannenhöhe. In der Mitte brennt eine Kerze. Sowohl aus ihrem Schein, als aus dem Wachstum der Tellersaat, zog man Schlüsse auf den Ertrag der Feldfrüchte des kommenden Jahres.

Um 1900 setzte begann auch in Österreich die Popularität der englischen Weihnachtspflanzen Mistel (Viscum album) und Stechpalme (Ilex aquifolium). Im Jugendstil zählte die Mistel zu den verbreitetsten Motiven der angewandten Kunst. „Das Mädchen, das unter einem solchen Mistelbusch von einem Manne angetroffen wird, muß sich von diesem küssen lassen" , liest man im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Vielleicht ist hier der Zweig das Symbol des Vegetationssegens.“ Im Rheinland pflegte man sich in der Weihnachtszeit unter einem Mistelzweig zu versöhnen. Man brachte Misteln als Freundschafts- und Friedenszeichen zu den Nachbarn.

Die Stechpalme ist in Westeuropa heimisch. Wie allen stacheligen Pflanzen sagte man ihr nach, Hexen und Dämonen abzuwehren (daher ihr Dialektname „Schrattl“). In den Alpenländern war sie Bestandteil des Palmbuschens. Christlich interpretiert erinnern die stacheligen Blätter an die Dornenkrone und die roten Beeren an die Blutstropfen der Passion. Zu Weihnachten erfreut man sich - ohne spezielle Symbolik - an den dekorativen, glänzenden, immergrünen Blättern und roten Beeren.

Die „Rose von Jericho“ (Selaginella lepidophylla) wächst in Jordanien, Ägypten, Arabien und Palästina. Von dort brachten Pilger und Händler schon im Mittelalter die wie eine verdorrte Knolle aussehende Wunder- und Orakelpflanze nach Europa. Sie galt als Symbol der Auferstehung und wurde - je nach Kulturkreis „Hand Marias“ oder „Hand Fatimas“ genannt. Man staunt über das „Aufblühen“, wenn sich das Wüstengewächs unter dem Einfluss von Wasser öffnet und grün wird. Aus der Art, wie das geschieht, wurden seit altersher Schlüsse auf Wetter und Ernte gezogen.

Der dekorative Weihnachtsstern (Poinsettia) gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse. In seinen Herkunftsländern Mexiko und Mittelamerika wird der Strauch bis zu 4 Meter hoch. Seit 1828 in den USA kultiviert, erreichte er bald Europa. Die Pflanze blüht im Winter, die leuchtenden Sterne halten mehrere Monate. Inzwischen sind zu den natürlichen roten Sorten solche mit rosa, violetten, gelben und weißen Hochblättern gekommen. Als Zimmerpflanzen kommen Poinsettien mit Blüten verschiedener Größen vor Weihnachten in enormer Anzahl in den Handel.

Eine bekannte und beliebte Zimmerpflanze ist der Weihnachtskaktus. Ursprünglich wuchs er epiphytisch in den brasilianischen Regenwäldern. In Europa bieten Floristen rot und rosa blühende Hybridformen an. Mit einem „grünen Daumen“ und etwas Glück bringt man den Weihnachtskaktus zu Ostern zu einer zweiten Blüte.

Quelle#

  • Helga Maria Wolf. Weihnachten Kultur & Geschichte. Wien - Köln - Weimar 2005


Redaktion: hmw