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Wiener Vororte#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Gasometer
Gasometer, Wien 11
© Alfred Havlicek

Schloss Schönbrunn
Schloss Schönbrunn, Wien 13
© Alfred Havlicek

Kahlenberg
Kahlenberg, Wien 19
© Alfred Havlicek

Die außerhalb des Linienwalls gelegenen Vororte waren bis zur 1890/92 erfolgten Eingemeindung nach Wien niederösterreichische Ortsgemeinden. Sie unterstanden bis 1848 verschiedenen Grundherren und wurden von Bürgermeistern geleitet. Die erste Annäherung an Wien vollzog sich 1751 im Rahmen der Polizeiorganisation. 1850/51 und 1873 wurde deren Sprengel erweitert. 1874 begann mit dem Zusammenschluss der außerhalb des Linienwalls gelegenen Teile einiger früherer Vorstädte und Teilen des 10. Bezirks (Favoriten) die erste Ausdehnung des Stadtgebiets über den Linienwall hinaus.

Das niederösterreichische Landesgesetz, das die Eingemeindung der Vororte nach Wien und eine neue Stadtverfassung vorsah, wurde 1890 beschlossen und trat am 1.1.1892 in Kraft. Dadurch entstanden die Bezirke 11 bis 19. Einbezogen wurden auch kleine Teile der Katastralgemeinden Hadersdorf (Wien 14), Kledering (Niederösterreich), Mauer (Wien 23), Oberlaa (Wien 10), Schwechat (Niederösterreich), Unterlaa (Wien 10) und Weidling (Niederösterreich)

Mit der Eingemeindung verschob sich die Verzehrungssteuergrenze stadtauswärts. (Die Konsumsteuer auf Lebensmittel wurde seit 1829 bei den Linienämtern eingehoben). Dass es in den Vororten keine Verzehrungssteuer gab, war ein wesentlicher Grund für deren Entwicklung zu Ausflugsorten mit Gast- und Vergnügungsstätten. Wegen der niedrigeren Lebenshaltungskosten hatten sich Arbeiter in den Vororten angesiedelt, auch Fabriken und spekulativ errichtete Zinshäuser entstanden dort auf billigeren Grundstücken.

Die markante Grenze zwischen den Vorstädten (innerhalb) und Vororten (außerhalb) war der Linienwall. Er wurde auf Vorschlag von Prinz Eugen nach Plänen des Hofmathematikers Jakob Marinoni 1704 gegen die bedrohlichen Einfälle der Kuruzzen errichtet. Da alle Wiener zur Schanzarbeit verpflichtet waren und etwa 1000 Personen gleichzeitig arbeiteten, dauerte der Bau weniger als vier Monate. 1738 wurde der Wall mit Ziegeln aufgemauert. Er umgab die Stadt halbkreisförmig vom Donaukanal bei St. Marx bis Lichtental. Der Linienwall verlief in Ecken und Winkeln und hatte eine Länge von ca. 13 km. An den wichtigsten Ausfallsstraßen gab es Brücken über den vorgelagerten Graben, Tore, Kapellen und ärarische Gebäude. Nach der Eingemeindung der Vororte ließ ihn die Gemeinde Wien ab 1894 abreissen. Die Gürtelstraße wurde schon zuvor (außerhalb) angelegt. Der Bau des von der Ringstraße ca. 2 km entfernten zweiten Ringes begann 1865 bei der Schönbrunner Straße. Die Gürtelstraße wurde 1873 mit je einer Fahrbahn eröffnet, nach der Linienwalldemolierung verbreitert und mit Alleen gärtnerisch gestaltet. 1895 war Baubeginn der 1898 eröffneten Gürtellinie der Stadtbahn (seit 1989: U6).

Quelle#


Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien


Liste der Wiener Vororte#



Redaktion: hmw