unbekannter Gast

Wienzeile#

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Wienzeilen-Haus
Wienzeilenhaus von Otto Wagner
© Alfred Wolf

Der Wienfluss (die Wien), der Hauptfluss des Wienerwaldes, ist 34 km lang. Er entspringt am Fuß des Kaiserbrunnberges und mündet unterhalb der Aspernbrücke in den Donaukanal. Die Regulierung des früheren Wildwassers auf der 17 km langen Strecke von Weidlingau bis zum Donaukanal entstand im Zuge des Baues der Stadtbahn, die über weite Strecken parallel zum Fluss fährt (U4, frühere Wientallinie). Den repräsentativen Abschluss bildet das 1906 errichtete Wienflußportal im Stadtpark.

Die Wienzeile sollte eine elegante Prachtstraße zwischen dem neu zu gestaltenden Karlsplatz und Schloß Schönbrunn werden. In der Vision des Architekten Otto Wagner war die Wienzeile eine einheitlich gestaltete Achse mit Alleen und von wildem Wein umwachsenen Laubengängen. Drei zukunftsweisende Häuser wurden 1898/99 von ihm und seinen Schülern verwirklicht. Außer markanter Fassadengestaltung zeichnen sie sich durch repräsentative Stiegenhäuser mit Aufzügen aus. Die Kosten für das Experiment moderner großstädtischer Wohnkultur trug der Architekt. Das Haus Linke Wienzeile 38 / Köstlergasse 1 zeigt eine interessante Ecklösung über viertelkreisförmigem Grundriss. Die Silhouette bestimmt ein als Attika ausgebildeter, zurückgesetzter und in der Gegenrichtung „schwingender“ Kaminkopf. Die ursprünglich vergoldeten Figuren der Ruferinnen schuf Othmar Schimkowitz. Kolo Moser entwarf die Reliefs zwischen den Fenstern im obersten Stockwerk, die durch Palmwedel und Kettenschnüre ihre Ergänzung finden. Das Haustor in der Köstlergasse geht auf Josef Plecnik zurück. In der Köstlergasse 3 schließt das dritte große Miethaus der „Modellbaugruppe“ an. Nicht direkt am Boulevard gelegen, war es einfacher gestaltet. Hier wohnte Otto Wagner.

Linke Wienzeile 40 ist das Majolikahaus eine bekannte Sehenswürdigkeit. Seine Fassade besteht aus beigen Keramikplatten mit floralen Dekorationen in den Farben Rosa, Blau und Grün. Diese wurden nach Entwürfen in Originalgröße in der Wienerberger Ziegelfabrik angefertigt. Löwenköpfe bilden die plastischen Elemente an der vorspringenden Fassade, während die schmalen Seitenteile mit Balkonen versehen sind. Ihre Metallgitter tragen vegetabile Muster.

Im Verlauf der Wienflussregulierung erfolgte auch die „provisorische Verlegung“ des Naschmarktes etappenweise. Im Ersten Weltkrieg entstand das Marktamtsgebäude bei der Kettenbrücke nach Plänen von Friedrich Jäckel. Der vierseitige Pavillon mit markantem Glockendach trägt im Giebel ein farbiges Majolikarelief von Franz Barwig. Es zeigt einen Putto, der auf einem Bären reitet.

Ab der Kettenbrückengasse bis etwa in die Höhe der Rüdigergasse verläuft die Rechte Wienzeile etwas nördlicher, während der Hauptstraßenverlauf - nach einem Gemeinderat und Klavierfabrikanten - den Namen Hamburgerstraße trägt. Das Ensemble zählt zu den wichtigsten der Wiener Architektur um 1900: Nr. 2 errichtete Hermann Stierlin ein Wohnhaus in Formen des westeuropäischen Jugendstils. Nr. 12 ist einer der frühesten Bauten (1899) bei dem Josef Drexler secessionistisches Dekor verwendete. Nr. 16 (Rechte Wienzeile 68/ Steggasse 1) entwarf Josef Plecnik ein Doppelhaus mit dominantem Kranzgesims und um die Ecke führenden Balkonen, die ursprünglich gläserne Bodenplatten hatten. Von größter städtebaulicher Bedeutung ist Nr. 20 /Rechte Wienzeile 67, der Rüdigerhof. Oskar Marmorek baute das siebengeschossige Dreifrontenhaus 1902.

Quelle#

  • Helga Maria Wolf: Spurensuche Wien. Erfurt 2007

Redaktion: hmw