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Wienzeile-Häuser von Otto Wagner, Wien 4#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Wienzeile 38
Wienzeile 38, ein Werk Otto Wagners
© Alfred Wolf

1892 bestimmte das Gesetz für öffentliche Verkehrsanlagen in Wien den Stadtbahnbau, die Wienflußregulierung und die Schiffbarmachung des Donaukanals als Aufgaben, die gleichzeitig und untrennbar in Angriff zu nehmen waren. Die Wienzeile sollte eine elegante Prachtstraße zwischen dem neu zu gestaltenden Karlsplatz und Schloß Schönbrunn werden. In der Vision des Architekten Otto Wagner (1841-1918), der für den Stadtbahnbau verantwortlich zeichnete, war die Wienzeile eine einheitlich gestaltete Achse mit Alleen und von wildem Wein umwachsenen Laubengängen. Drei zukunftsweisende Häuser wurden 1898/99 von ihm und seinen Schülern verwirklicht. Außer markanter Fassadengestaltung zeichnen sie sich durch repräsentative Stiegenhäuser mit Aufzügen aus. Die Kosten für das Experiment moderner großstädtischer Wohnkultur trug der Architekt. Das Haus Linke Wienzeile 38 / Köstlergasse 1 zeigt eine interessante Ecklösung über viertelkreisförmigem Grundriss. Die Silhouette bestimmt ein als Attika ausgebildeter, zurückgesetzter und in der Gegenrichtung „schwingender“ Kaminkopf. Die ursprünglich vergoldeten Figuren der Ruferinnen schuf Othmar Schimkowitz. Kolo Moser entwarf die Reliefs zwischen den Fenstern im obersten Stockwerk, die durch Palmwedel und Kettenschnüre ihre Ergänzung finden. Das Haustor in der Köstlergasse geht auf Josef Plecnik zurück. In der Köstlergasse 3 schließt das dritte große Miethaus der „Modellbaugruppe“ an. Nicht direkt am Boulevard gelegen, war es einfacher gestaltet. Hier wohnte Otto Wagner.

An der Linken Wienzeile 40 ist das Majolikahaus eine bekannte Sehenswürdigkeit. Seine Fassade besteht aus beigen Keramikplatten mit floralen Dekorationen in den Farben Rosa, Blau und Grün. Diese wurden nach Entwürfen in Originalgröße in der Wienerberger Ziegelfabrik angefertigt. Löwenköpfe bilden die plastischen Elemente an der vorspringenden Fassade, während die schmalen Seitenteile mit Balkonen versehen sind. Ihre Metallgitter tragen vegetabile Muster.

Quelle#

  • Helga Maria Wolf: Spurensuche Wien. Rundgänge durch die Geschichte. Erfurt 2007

Redaktion: hmw