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Wunderquellen in Niederösterreich#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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© Alfred Wolf
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Gegenwart - Geschichte - Geschichten - Gestalten#

In Niederösterreich entspringt eine unüberschaubare Zahl an "Wunderquellen". Das war der Anlass für die Ausstellung "Mythos Wasser", die 2009 im Niederösterreichischen Museum für Volkskultur im Meierhof Groß-Schweinbarth stattfand. Die Texte dieser Wissenssammlung stammen, mit freundlicher Genehmigung der Abteilung Kunst und Kultur des Amtes der Niederösterreichischen Landesregierung, aus dem Katalog, der dazu erschienen ist.

Sie stellen eine Auswahl der "Wunderquellen" vor. Darunter sind heilige und heilsame Wasser, von denen Legenden berichten, einsame Waldquellen, denen Sensitive besondere Merkmale zusprechen, Quellen, die für Trinkwasser sorgen und andere. Die Liste, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, konzentriert sich auf bestehende, gefasste Quellen im kulturhistorischen Kontext.

Häufig wurden Quellen von der katholischen Kirche anerkannt und gefördert. Dabei zeigen sich einige Leitmotive:

  • Augenbrünnl - Den meisten Quellen wird Wirksamkeit bei Blindheit zugeschrieben. Dazu kamen, durch Verunreinigungen hervorgerufene Augenkrankheiten und fehlende Operationsmöglichkeiten bei Grauem Star.
  • Pestmotiv - Seit den dreißiger Jahren des 14. Jahrhunderts breitete sich die hochgradig ansteckende Krankheit entlang der internationalen Handelswege aus. Man schätzt, dass rund ein Drittel der damaligen Bevölkerung Europas an der Seuche starb. Als Pestjahre gelten 1349, 1521, 1541, 1563-66, 1588, 1605, 1653, 1679/80, und 1713/14. Die Bitte "Vor Pest, Hunger und Krieg beschütze uns Maria", wie bei der Kapelle in Röhrabrunn zu lesen, war in diesen Jahrhunderten ein weit verbreitetes Gebet.
  • Ursprungslegenden - Bei den in Umlauf gebrachten Legenden ereignen sich Wunder meist im Zusammenhang mit armen Leuten und Kindern. (Auch Bernadette Soubirous, die in Lourdes Marienvisionen hatte, war ein sehr armes Mädchen). Sogar das "unverständige Vieh" spielt eine Rolle. Pferde fallen vor heiligen Brunnen in die Knie, Ochsengespanne halten an späteren Gnadenstätten.
  • Konfessionalisierung (Gegenreformation) - In den habsburgischen Erblanden, die überwiegend evangelisch geworden waren, begannen ab 1576 politische Maßnahmen zur Rekatholisierung. Die vom Haus Habsburg forcierte Pietas Austriaca äußerte sich u. a. in der Förderung von Gnadenbildern und Wallfahrten. Die marianische Frömmigkeit führte dazu, dass man namenlose Quellheiligtümer oder solche "vergessener" Heiliger einem Marienbild unterstellte. In der Gegenreformation übten Orden wie die Jesuiten größten Einfluss aus. Mit Wunderglauben, Wallfahrten und Bräuchen für alle Sinne ließ sich das unkritsche "Volk" gerne beeindrucken. Mirakelbücher sprachen lesekundige Kreise als Multiplikatoren an. Dabei fällt auf, dass nicht der Gebrauch des Wassers oder das Gebet allein halfen, sondern ein Gelübde vorausging.
  • Josephinische Reformen - Das Ende der barocken Frömmigkeitsbewegung kam mit den Ideen der Aufklärung. Schon unter Kaiserin Maria Theresia (1717-1780) wurden verschiedene Feiertage aufgehoben, und mehrtägige Wallfahrten untersagt. Doch Kaiser Joseph II. (1741-1790) bewirkte mit den kirchlichen Reformen binnen weniger Jahre (1782-1789) eine radikale Neuorganisation des religiösen Lebens. Neben positiven Aspekten - wie Toleranz für Evangelische, Orthodoxe und Juden, Pfarreinteilung, Priesterausbildung, Gleichstellung unehelich Geborener usw. - brachten die Maßnahmen drastische Strafen für Zuwiderhandelnde und unwiderbringliche Zerstörung von Kulturgütern mit sich. Viele im Zug der Rekatholisierung forcierte Andachtsformen wurden nun verboten, was sich auch auf die Wunderquellen auswirkte. Das Prinzip der Pfarrkirche als alleiniger Ort der religiösen Betätigung führte zum Abbruch vieler kleinerer Gotteshäuser.

Heilquellen

Die Wirkung von Wunderquellen mag oft auf dem Placebo-Effekt bewirkt haben. Nachgewiesen ist die Heilkraft der Kurorte. Niederösterreich ist ein Bäderland. Allein im Wiener Becken soll es 4000 Mineralwasser-Thermalvorkommen geben, die wenigsten sind als Heilbad erschlossen. Im Sinne des Heilvorkommengesetzes 1978 sind Bad Deutsch-Altenburg (Jod-Schwefel-Thermalbad), Bad Erlach (Kurort), Bad Pirawarth (Kurort), Bad Schönau (Heilbad), Bad Vöslau (Thermalbad), Baden (Luftkurort und Thermalbad), sowie die Moorbäder Bad Großpertholz und Moorbad Harbach anerkannt.

Bildnachweis

  • Helga Maria Wolf: Katalog "Mythos Wasser": Niederösterreichische Landesbibliothek, Rollettmuseum Baden, Stadtmuseum Bad Vöslau, Kurverwaltung Bad Schönau
  • Siegrid Hirsch - Wolf Ruzicka: Heilige Quellen Niederösterreich und Burgenland. Freya-Verlag 2002 - alle Fotos von Wolf Ruzicka
  • Alfred Wolf

Liste der Wunderquellen in Niederösterreich#


Redaktion: hmw