Ysperklamm - Austria-Forum : Heimatlexikon

Ysperklamm#

„Im Land der Druiden"#


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Ysperklamm
Ysperklamm
© www.wandertipp.at/karl59

Zugang: Über das Weiten- oder das Yspertal nach Kammerbach, dort Wegweiser, Straße bis zum Klammparkplatz.

Klammlänge: 1.500 m, Höhenunterschied 300 m, Gehzeit 40 min, Markierung rot, 606, ÖK Blatt 35.

Beste Zeit: Frühjahr bis Herbst.

Die Ysperklamm ist wohl die schönste des Waldviertels, aber seit einigen Jahren gibt es im Anschluss an die Besichtigung noch etwas Besonderes, doch davon später! Gleich nach dem Parkplatz, auf dem sich eine gute Übersichtskarte befindet, beginnt der Steig, Felsen legen sich in den Weg, unregelmäßige Stufen leiten zur Höhe. Die ersten Geländer neben der Ysper tauchen auf, eine „Hendlstiege" lässt uns vorsichtig werden, schon nach wenigen Schritten wird es wild: Riesige Granitblöcke liegen im Bachbett. Über Wurzeln, Stege und Steinstufen geht es gleichmäßig höher. Bäume wachsen auf mächtigen Gesteinsblöcken, zwei Felsen liegen so nahe beieinander, dass man ohne Mühe ans andere Ufer springen kann. Bald endet der erste, leichtere Teil. Wer hier genug vom Steigen hat, kann da einen bequemen Abstieg einschlagen.

Das Tal weitet sich, aber die Felsen, an „Laberl" erinnernd, sind weiterhin mächtig, das Wasser stürzt in Kaskaden rauschend zu Tal. Nun wird es richtig steil, wir erklimmen eine „Himmelsleiter" und queren dann die Ysper auf einer Brücke. Weiter geht es bergauf, von oben winkt eine zweite Brücke. Von ihr sehen wir dann einen interessant geformten Felsblock: Er hat die Form eines lateinischen großen P. sein unterer Teil dürfte einmal weggebrochen sein. Eine letzte Steigung, und wir haben es geschafft. Ein weites Talbecken liegt vor uns, in einiger Entfernung verheißt ein Damm einen Teich, und dieser erzählt uns folgende Geschichte: Schon im Jahr 1599 wurde der Ödteich angelegt, damals Klausteich genannt. Seit 1661 gab es nachweislich Holzschwemmung auf der Großen Ysper. 1802 ließ Kaiser Franz I. neue Schwemmeinrichtungen erbauen. An einigen Stellen im Unterteil der Klamm erinnern noch künstliche Mauern an das Triften. Wenn die Schleusen des Ödteiches geöffnet wurden, polterten die Holzscheiter durch die Klamm, und dieser Lärm war kilometerweit zu hören. Denn im Gegensatz zu anderen Triftstrecken ist die Ysperklamm die steilste und jene, in der das Flussbett am meisten Widerstand bietet. Die 24 Niederösterreich Ysperklamm ist ja, wenn man es genau nimmt, keine Klamm, sondern ein lang gezogener Wasserfall in einer Schlucht, man könnte auch sagen eine Klause; die Häuser beim Parkplatz heißen heute noch „Klaus". 1929 kam das Ende der Holztrift, 1956 brach der Damm des Ödteiches und wurde nicht mehr errichtet. 1952 wurde die Ysperklamm zum Naturdenkmal erklärt, da sie „mit ihren vielen Wasserfällen, Stromschnellen und gewaltigen Granitblöcken einzigartig im Land" ist.

Ist man früher am Ende der Klamm etwas ratlos gewesen, wohin man nun noch wandern soll, so bietet sich für gute Geher ein herrlicher Rundweg über den Kaltenberg an. Der Yspertaler Pfarrer Hans Wiek gab den eigenartigen Steinformationen interessante Namen: „Phallus und Vulva", „Sitzender Hund", „Stehende Schale", „Äußerer und innerer Steinkreis", „Wohnhöhle", für mich der Höhepunkt, weil man in einem 6 m langen Gang in Laub und Erde nur kriechend vorwärts kommt, und die „Sphinx". Ein Problem ist dann vielleicht der steile und lange Rückweg. Eine Wanderung für gutes Wetter und Leute mit guter Kondition. Meine 10-jährigen Schüler packten das locker!

Ausflugsziele in der Umgebung: Strafrechtsmuseum Pöggstall, Ruine Wimberg.


Text mit freundlicher Genehmigung des Stocker Verlags aus dem schönen Buch:

Rudolf Speil: Klammen & Schluchten in Österreich. An tosenden Wassern. Leopold Stocker Verlag, Graz 2008 (2. Auflage).

--> Bestellung des Buches (Leopold Stocker Verlag)

--> Web Book

« Diese Seite wurde am Montag, 4. Juni 2012, 13:29 von System erstellt, zuletzt geändert am Dienstag, 9. April 2013, 14:07 von Ziegler Katharina (Version 8).
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