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Traditionelle Gemüsesorten - Zwiebel und Knoblauch#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Die Küchenzwiebel – Allium cepa #

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Gelbe Laaer, Foto: ReinSaat

Wichtige traditionelle Anbaugebiete der Zwiebel befinden sich in Österreich va. im pannonischen Raum z.B. im Weinviertel um Laa an der Thaya. Für den Mährischen Raum sind einige Lokalsorten in der historischen Literatur erwähnt. Ein Indiz dafür, dass der Zwiebelanbau hier auf eine längere Tradition zurückblickt.

Der feldmäßige Anbau gewann um 1900 an Bedeutung. Im Laaer Becken werden noch heute lokale Landsorten angebaut und vermehrt. Denn im pannonischen Raum stellt das Klima spezielle Anforderungen an die Sortenwahl. Besonders die Trockenheit kann die Entwicklung der Kulturen stark beeinträchtigen. Da in den Trockengebieten des nördlichen Weinviertels eine Bewässerung nicht möglich ist, sind robuste Sorten gefragt.

Im Saatguthandel dominieren heute Hybridsorten den Markt, doch die haben sich hier nicht bewährt. Nur bei optimaler Witterung liefern sie verlässliche Erträge. Daher haben die Laaer Bauern auch an den Landsorte festgehalten. Auf ca. 10 Betrieben werden sie noch selbst vermehrt. Es existieren rot- und gelbschalige Varianten. Als „Rote Laaer“ und „Gelbe Laaer“ finden sie sich seit kurzem auch auf der Österreichischen Sortenliste und sind im Handel erhältlich. Herr Peitl, ein Privatzüchter, der sich die Erhaltung lokaler Zwiebel- und Knoblauchsorten zur Aufgabe gemacht hat, weist aber darauf hin, dass es sich dabei um seine hofeigene Selektion handelt. In der Praxis sind die Linien der einzelnen Bauern ziemlich variabel, da jeder nach anderen Gesichtspunkten selektiert. Auch weißschalige Zwiebel treten immer wieder auf. Eine Selektion dieses Typs wurde isoliert und getrennt weiter vermehrt („Schneeweiße Unterstinkenbrunner“).

Die Laaer Zwiebeln sind ein gutes Beispiel für die Bedeutung, die Landsorten bis in die heutige Zeit haben können: Anpassung an spezielle Standorts- und Kulturbedingungen. Sowie hohe genetische Variabilität.

Die Schalotte – Allium ascalonicum var. ascalonicum #

Schalotten werden rein vegetativ - durch Teilen und Stecken von Zwiebeln – vermehrt. Sie kommen in unseren Breiten gewöhnlich nicht zur Blüte. Sie bilden Horste aus mehreren Nebenzwiebeln – unterscheiden sich also auch dadurch wesentlich von der Küchenzwiebel.

Eine Vermehrerin berichtet, dass in ihrem Bekanntenkreis im Raum Krems die Schalotte eine wichtige Gartenpflanze war – oft auch eine Alternative zur Küchenzwiebel, die gewöhnlich aus dem Handel bezogen wurde und ihren Preis hatte. Wie stark sie in den Hausgärten Österreichs verbreitet waren, lässt sich derzeit nicht genau sagen. Die Anzahl gesammelter Muster in Genbanken ist gering. Eine Erfassung und Beschreibung älterer Bestände in Hausgärten wäre daher eine sinnvolle Maßnahme, um sich mehr Klarheit über Verbreitung und Variabilität zu verschaffen.

Der Knoblauch – Allium sativum #

Keine Gemüsepflanze im eigentlichen Sinn – schon eher ein Gewürz - soll der Knoblauch hier trotzdem kurz Erwähnung finden.

Von Knoblauch sind erst seit jüngerer Zeit Sorten mit offiziellen Bezeichnungen in Umlauf. Auch im Erwerbsanbau war – und ist – der eigene Nachbau und der Tausch von Pflanzmaterial eine übliche Praxis. Naheliegenderweise wurde Knoblauch auch überregional aus Nachbarländern wie Ungarn und Italien bezogen. Von Knoblauch sind 2 Hauptformen bekannt: eine bildet Brutzwiebeln an aufragenden Stängeln (oft als „Blütenstände“ bezeichnet); die andere einfache Blattbüschel.

Den Aufsammlungen nach zu schließen, war die Brutknollen bildende Form des Knoblauchs in Österreichs Gärten am Verbreitetsten. Sie ist vielfach auch als „Weingartenknoblauch“ bekannt. Vermehrt wurde der Knoblauch weitgehend durch Stecken der „Zehen“ im Herbst. Brutzwiebeln dagegen bilden im Folgejahr meist nur eine einfache Knoblauch-Zwiebel und erst nach einem weiteren Jahr ein „Häuptel“ aus mehreren Zehen.

Welche Verwendung die Brutknollen hatten, ist kaum überliefert. Einzelne Bücher sprechen davon, dass sie als Beigabe zu Essiggemüse verwendet wurden.

Quelle#


Alle Bilder: © Arche Noah, dem Austria-Forum freundlicher Weise zur Verfügung gestellt

Redaktion: Maga. Lisa Maurer