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Adamovich, Ludwig senior#


* 30. 4. 1890, Osijek/Esseg (Kroatien)

† 23. 9. 1955, Wien


Verfassungsjurist


Adamovich, Ludwig senior
Adamovich, Ludwig senior
© Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

Der bedeutende Jurist stammte aus einer Familie von Gutsbesitzern und Beamten. Nach dem Besuch des Jesuitengymnasiums in Kalksburg studierte er ab 1908 an der Universität Wien Jus, wo er im Jahre 1913 promovierte. Während des 1. Weltkrieges eingerückt, war Adamovich nach Kriegsende als Konzeptsbeamter bei der BH Gmünd tätig. Bereits 1919 wurde er in das Amt der niederösterreichischen Landesregierung berufen. Seit 1. Dezember 1920 gehörte er dem Verfassungsdienst des Bundeskanzleramtes an. 1924 habilitierte sich Adamovich an der Universität Wien für Staats- und Verwaltungsrecht. Im Februar 1930 wurde er in den Verfassungsgerichtshof berufen; nach dem Mai 1933, nach Lahmlegung des Verfassungsgerichtshofes durch das Kabinett Dollfuß, wechselte er in den Verwaltungsgerichtshof.

Politisch stand Adamovich der Christlichsozialen Partei nahe, galt aber als Legitimist. 1934 wirkte er maßgeblich an der Kodifizierung der berufsständischen Verfassung mit. Mit 1. Oktober 1934 übernahm er einen Lehrstuhl an der Wiener Universität. Ab November 1934 war er Mitglied des Bundestages, 1936 stellte er seinen juristischen Rat der von Kurt Schuschnigg eingesetzten Untersuchungskommission, die den Zusammenbruch der Versicherungsgesellschaft "Phönix" und seine Hintergründe durchleuchten sollte, zur Verfügung. Noch am 16. Februar 1938 von Kanzler Schuschnigg zum Justizminister berufen, wurde er nach dem März 1938 aller seiner Ämter enthoben und mit 31. August 1938 in den Ruhestand versetzt.

Nach dem 2. Weltkrieg war Adamovich seit 1. Mai 1945 Rektor der Wiener Universität, gleichzeitig wirkte er als Berater der Staatskanzlei in verfassungsrechtlichen Fragen. Mit 19. Juni 1946 wurde er zum Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes ernannt.

Werke#

  • "Grundriß des österreichischen Staatsrechts" (1927)
  • "Die österreichischen Verfassungsgesetze des Bundes samt Ausführungs- und Nebengesetzen" (gemeinsam mit Georg Froehlich, 1930)
  • "Handbuch des österreichischen Verwaltungsrechts" (1953/54)

Literatur#

  • Edwin Loebenstein, Ludwig Adamovich, in: Neue Österreichische Biographie 22 (1987)



© "Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik" von Isabella Ackerl und Friedrich Weissensteiner, 1992