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Baumgartner, Ulrich#


* 20. 3. 1918, Berlin

† 18. 8. 1984, Graz


Kulturmanager


Als Sohn österreichischer Eltern in Berlin geboren, war Baumgartner schon als 17jähriger Werbefilmassistent bei der UFA. Er begann Kunstgeschichte in Graz zu studieren, musste aber im 2. Weltkrieg einrücken. Nach dem Krieg kehrte er nach Graz zurück, wo er sich aktiv beim Grazer Hochschulstudio betätigte. Nach einer kurzen Zeit als Lektor des Leykam-Verlages und einem Amerika-Aufenthalt schrieb er als Kulturredakteur für die Grazer Tageszeitung "Neue Zeit". Er inszenierte am Grazer Schauspielhaus und schuf bis 1959 25 Inszenierungen für die Vereinigten Bühnen Graz. Als Angestellter der Böhler-Werke brachte er mit der Organisation der "Kapfenberger Kulturtage" lebendige zeitgenössische Kunst in eine Industrieregion. 1964 wurde er zum Intendanten der Wiener Festwochen bestellt. In den 13 Jahren seiner Tätigkeit holte er Größen wie G. Strehler, M. Bejart, L. Bernstein und J. Savary nach Wien. Es gelang ihm, das Ballett zu einem integrierenden Bestandteil der Festwochen zu machen, aber auch ein Gegenfestival zur Hochkultur, die Arena, zu begründen. Die ab 1975 im ehemaligen Auslandsschlachthof von St. Marx installierte Spielstätte war zunächst ein "von oben" geplantes Avantgardefestival, dessen Resonanz international sehr groß war. Als 1976 die Arena in einer Basisaktion besetzt und zu einer selbstverwalteten "Arena in Permanenz" erklärt wurde, sorgte Baumgartner für den Abtransport teurer Anlagen, zeigte aber ansonsten durchaus Sympathie. Zum Schluss war er beim Avantgardefestival "steirischer herbst" tätig und schrieb auch Hörfunkkritiken für die "Wiener Zeitung". Anlässlich seines Ablebens wurde er in der Presse als "Unruhestifter im guten Sinn" gewürdigt.



© "Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik" von Isabella Ackerl und Friedrich Weissensteiner, 1992