Epp, Leon#


* 29. 5. 1905, Wien

† 21. 12. 1968, Wien


Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor

Leon Epp
Leon Epp
© Imagno / Foto Barbara Pflaum
Epp besuchte nach der Realschule die Akademie für Darstellende Kunst in Wien. Er spielte in Teplitz-Schönau und an deutschen Bühnen (München, Köln, Leipzig) als jugendlicher Komiker und kehrte dann nach Wien zurück, entschlossen, ein eigenes Theater zu gründen. So entstand 1937 "Die Insel", ein Kellertheater am Parkring, das jedoch bereits 1938 aufgrund der politischen Verhältnisse seine Pforten schließen musste. 1939-1941 leitete Epp die "Komödie" und war anschließend bis 1944 Oberspielleiter in Bochum und Graz. 1945 eröffnete er wieder die "Insel". Das mutige Privattheater mit weltliterarischem Anspruch machte 1951 bankrott. 1949 übernahm Epp die Leitung des Wiener Renaissance-Theaters. 1952 wurde der engagierte Theatermann zum Direktor des Volkstheaters bestellt. Seine Ära - die fast 17 Jahre währte - ging in die Wiener Theatergeschichte ein. Epp verband künstlerische Qualität und Mut zur Gesinnung mit einem anspruchsvollen, quantitativ reichhaltigen Spielplan. Das Programm reichte vom Volksstück (Anzengruber bis Horvath) über die zeitgenössische Dramatik (Gide, Sartre, Genet, Dürrenmatt, Frisch) bis zu Beiträgen zur Vergangenheitsbewältigung (Rolf Hochhuths "Der Stellvertreter"). Mit der Aufführung von "Mutter Courage" 1963 brach Epp den damals in Wien bestehenden Boykott von Bert Brecht. Der engagierte Direktor band mit Fritz Muliar, Heinz Petters, Dolores Schmidinger u. a. neue Schauspieler an das Haus und betraute bildende Künstler wie Aratym, Moldovan oder Hutter mit Bühnenbildentwürfen. Das Volkstheater war unter Epps Leitung wohl eines der interessantesten, sicher aber "das tapferste Theater von Wien" (Ernst Lothar). Epp war mit der Schauspielerin Elisabeth Epp verheiratet.



© "Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik" von Isabella Ackerl und Friedrich Weissensteiner, 1992