Gratz, Leopold#


* 4. 11. 1929, Wien

† 2. 3. 2006, Wien


Jurist und Politiker


Wegen seiner Begabung wurde der Sohn eines Bankbeamten in die "Napola" aufgenommen. Er studierte in Wien Jus und begann seine Laufbahn beim Landesarbeitsamt Wien. 1953 wurde er in den SPÖ-Klub ins Parlament geholt, 1957 wurde er Klubsekretär, 1963 avancierte er zum Zentralsekretär seiner Partei. 1966 in den Nationalrat gewählt, bewährte er sich 1969 bei der parlamentarischen Behandlung der Schulreform, so dass ihn Bruno Kreisky 1970 als Unterrichtsminister ins Kabinett berief. Ein Jahr später kehrte Gratz ins Parlament zurück, bis ihn seine Partei als Wiener Bürgermeister nominierte. Seine Amtszeit (1973-1983) war von der Bauring-Affäre begleitet, die Reichsbrücke stürzte ein, das neue AKH wurde zum Skandalbau, und das "Rinterzelt" entpuppte sich als Pleite. 1984-1986 amtierte Gratz als Außenminister. Danach war er - dessen liebste Wirkungsstätte das Parlament blieb - 1. Präsident des Nationalrates. 1989 trat er zurück, als die Causa Proksch und seine Verstrickung darin vor Gericht kam.



© "Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik" von Isabella Ackerl und Friedrich Weissensteiner, 1992