Helmer, Oskar#


* 16. 11. 1887, Gattendorf (Burgenland)

† 13. 2. 1963, Oberwaltersdorf (Niederösterreich)


Schriftsetzer und Politiker


Der Sohn eines herrschaftlichen Jagdgehilfen erlernte in Wiener Neustadt das Schriftsetzerhandwerk und trat 1903 der Sozialdemokratischen Partei bei. Nach Abschluss seiner Lehre begab er sich auf die Walz nach Deutschland und in die Schweiz. Bei den Reichsratswahlen 1907 war er als Wahlhelfer Karl Renners tätig, dem er ein Leben lang verbunden blieb. 1912 konnte er die Parteischule in Klagenfurt besuchen. Im 1. Weltkrieg eingerückt, war er 1918 im Hafen Pola Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates, wo er die Rückkehr der österreichischen Kameraden organisierte. Danach begann er in Niederösterreich eine politische Karriere, die über den Landesrat bis zum stellvertretenden Landeshauptmann führte. 1934 wurde er verhaftet, schließlich aber wegen seines Lungenleidens entlassen. Während des Ständestaats und in der NS-Zeit war er in der Versicherungsbranche tätig. 1945 machte er sich sofort an den Aufbau der SPÖ in Niederösterreich. Im selben Jahr wurde er zunächst Unterstaatssekretär und dann bis 1959 Innenminister. Seine mutige Haltung gegen Übergriffe der Besatzungsmächte, v. a. in der sowjetischen Zone, führten oft zu Spannungen mit den Sowjets. Um den Einfluss der Kommunisten im Bereich des Wiener Sicherheitsapparates zu eliminieren, berief er Josef Holaubek zum Wiener Polizeipräsidenten. Bei den Unruhen anlässlich des Streiks 1950 zeigte er eine feste Haltung. Innerhalb seiner eigenen Partei zog er sich wegen seiner toleranten Haltung gegenüber ehemaligen NS-Funktionären schwere Kritik zu. Er zählte zu jenen Politikern, die die Etablierung einer dritten Partei befürworteten, um die absolute Mehrheit der ÖVP zu brechen. 1957 lehnte es die eigene Partei ab, ihn als gemeinsamen Kandidaten der beiden Großparteien für die Bundespräsidentenwahlen zu nominieren.

Werke#

  • "Österreichs Kampf um die Freiheit" (1949)
  • "50 Jahre erlebte Geschichte" (1957)

Literatur#

  • N. Leser, Oskar Helmer, in: NÖB 22
  • N. Leser, Oskar Helmer, in: Grenzgänger (1982)



© "Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik" von Isabella Ackerl und Friedrich Weissensteiner, 1992