unbekannter Gast

Hofmannsthal, Hugo von#


* 1. 2. 1874, Wien

† 15. 7. 1929, Rodaun bei Wien


Dichter

Hugo von Hofmannsthal
Hugo von Hofmannsthal
© Bildarchiv der Österr. Nationalbibliothek
Der Sohn eines Bankdirektors besuchte das Akademische Gymnasium und schrieb bereits als 16jähriger unter dem Pseudonym Loris formvollendete Gedichte, die ihm seitens der Literaturkritik Lob und Anerkennung eintrugen. Er studierte in Wien Jus und Romanistik, habilitierte sich, widmete sich dann aber ganz dem Hugo von Hofmannsthal dichterischen Schaffen. Der kultivierte, der europäischen Kulturtradition verhaftete Dichter war der Prototyp altösterreichischen Geistes- und Lebenshaltung. Er war ein Magier der Sprache, ein vollendeter Stilist und feinnerviger Ästhetizist voll Musikalität und Empfindung. Das OEuvre, das er in drei Jahrzehnten schuf, ist umfangreich und vielgestaltig. Hofmannsthal schrieb tiefsinnige, kluge Komödien und lyrische Dramen ("Der Schwierige", "Der Unbestechliche", "Der Tod des Tizian", "Die Frau am Fenster"). 1911 entstand "Jedermann", erstmals aufgeführt 1920 in Salzburg, mit dem er das mittelalterliche Moralitätenspiel erneuerte; er entnahm auch viele seiner Stoffe der antiken Tragödie. Durch seine Nachdichtung der Sophokleischen "Elektra" (1904) wurde Richard Strauss auf ihn aufmerksam, für den er in der Folge erfolgreiche Libretti schrieb. Damit entstand eine neue, literarisch hochstehende Form des Musiktheaters auf der Opernbühne ("Ariadne auf Naxos", "Arabella", "Die Frau ohne Schatten", "Der Rosenkavalier"). Mit Max Reinhardt gründete er die Salzburger Festspiele, für die er "Das Salzburger Große Welttheater" verfasste. Er schuf ferner meisterhafte Essays, Novellen und Gedichte. Der Dichter, der in seinem Barockschlösschen in Rodaun viele seiner Werke schrieb, gehörte zum Literatenkreis, der im Cafe Griensteidl zusammentraf (Schnitzler, Salten, Bahr, Beer-Hofmann). Er ist einer der bedeutendsten österreichischen Lyriker, Erzähler und Romantiker der Jahrhundertwende.

Literatur#

  • B. Schoeller/R. Hirsch (Hg.), Gesammelte Werke (10 Bde., 1985)
  • W. Volke, Hugo von Hofmannsthal (1987)



© "Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik" von Isabella Ackerl und Friedrich Weissensteiner, 1992